Borussia Dortmund bleibt sich selbst ein Rätsel - Fußball - Berliner Morgenpost
Dortmunds Einbruch gegen Mainz: “Wir haben es einfach über uns ergehen lassen”
Als der Schlusspfiff ertönte, gab es keinen erkennbaren Jubel auf dem Rasen. Als Marco Reus und seine Kollegen Richtung Südtribüne gingen, um sich bei den Fans für ihre Unterstützung zu bedanken, wirkten sie eher irritiert als zufrieden.

Was war das, was ihnen da in der zweiten Halbzeit gegen den FSV Mainz 05 passiert ist? In jedem Fall etwas, was nie hätte passieren dürfen. Wir haben das Spiel unnötigerweise völlig aus der Hand gegeben und uns den Schneid abkaufen lassen, sagte Reus. Eine Erklärung dafür habe er aber nicht.

Das mag rückblickend korrekt sein. Doch beim Blick Richtung Saisonziel Meisterschale und Restprogramm wird ein solcher Fatalismus nicht ausreichen. Das weiß auch Marco Reus. “Je weniger Spiele es noch sind, desto mehr wird es auch eine Sache des Kopfes”, sagte der Kapitän, der steif und fest behauptete, die schwache Leistung in der zweiten Halbzeit habe “gar nichts” mit dem 0:5 in München zu tun gehabt. Eine schlüssige Erklärung fehlte allerdings auch ihm. Eine “Mischung aus allem” sei es gewesen, die zu zittrigen Füßen und belasteten Köpfen geführt habe.

BVB-Mainz: Dortmund-Keeper Roman Bürki kocht vor Wut

Borussia Dortmund hat das Spiel gegen einen Gegner, der bereits geschlagen schien, zwar 2:1 (2:0) gewonnen. Doch die Leistung gegen Ende der Partie war so dünn, so wenig souverän, dass sie Zweifel an der eigenen Reife aufkommen ließ. Und hätte der BVB nicht einen überragend haltenden Roman Bürki zwischen den Pfosten gehabt, es wäre wohl auch nie dazu gekommen, dass diese wichtigen drei Punkte im nach wie vor offenen Titelrennen mit den Bayern verbucht werden konnten.

Ich bin erleichtert, dass es vorbei ist. Ich weiß nicht, ob es noch lange gut gegangen wäre, sagte Bürki, der mit einer Vielzahl von Paraden der einzige Dortmunder Spieler war, der sich erfolgreich gegen diesen Totalabsturz der Systeme zur Wehr setzte.

“Es hat sich angefühlt, als wäre Mainz mit zwei Mann mehr auf dem Platz”, klagte Bürki über die Schlussphase, in der sämtliche Systeme beim BVB zusammenbrachen, mit Ausnahme des Torwarts. “Wir haben es einfach über uns ergehen lassen.” Mehrfach habe er seine Kollegen angeschrien, sie sollten wieder aggressiver in die Zweikämpfe gehen, mutiger nach vorne rücken. Schlussendlich musste er jedoch feststellen: “Da kam keine Reaktion. Wir haben einfach nur hinten gestanden.”

Der Schweizer war mehrfach in höchster Not zur Stelle – speziell als die Mannschaft von Lucien Favre nach dem überfälligen Anschlusstreffer der Mainzer durch Robin Quaison (84. Minute) vollends ins Schwimmen geriet. Gleich dreimal rettete er in einer Szene gegen Anthony Ujah (87.). Ich weiß selber nicht so genau, was ich da gemacht habe, sagte Bürki, der anschließend von den Fans wegen seiner schier unglaublichen Reflexe minutenlang gefeiert wurde.

Auf Letzteres deutete vieles hin. Nachdem der Mainzer Trainer Sandro Schwarz in der Pause von einem 5-3-2-System auf ein 4-4-2 mit einer Raute im Mittelfeld umgestellt hatte, sah plötzlich die Mittelklassemannschaft aus Mainz wie ein Tabellenführer aus. Zum zweiten Mal in acht Tagen wurde der BVB dominiert, dass es ihm fast ein bisschen peinlich sein musste. Dieses Mal, anders als beim 0:5 in München, nur eine gute halbe Stunde, aber eben gegen Mainz.

Doch eine Erklärung dafür, warum er auf einmal derartig im Blickpunkt stand, hatte der Torwart auch nicht. Ich weiß es nicht, ich muss mit den Jungs reden. Ich will wissen, was da los war, sagte er, nachdem er in zweiten Halbzeit immer wieder versucht hatte, Einfluss zu nehmen – allerdings vergeblich.

Sogar das Spiel gegen Mainz 05, eine Mittelklassemannschaft der Bundesliga, wurde nach einer 2:0-Pausenführung im eigenen Stadion zur Strapaze. “Ich weiß nicht, wie lange es noch gut gegangen wäre”, sagte Roman Bürki. Der Torwart des BVB sorgte dafür, dass es überhaupt gut ging. Er war der Einzige, der in einer wilden Schlussphase wusste, was er tun sollte und musste. Nur dank seiner herausragenden Leistung blieb es beim 2:1-Erfolg.

Er hatte Anweisungen an seine Vorderleute heraus geschrien, sie aufgefordert mehr mit dem Körper zu spielen, präsent zu sein und Zweikämpfe zu führen. Doch er wurde nicht erhört. Im Gegenteil: Wir sind überhaupt nicht mehr in die Zweikämpfe gekommen.

Die Borussen standen in der Schlussphase nur noch hinten drin und ließen die Mainzer spielen. Es kam einfach keine Reaktion, wir haben es über uns ergehen lassen, so Bürki. Nur eine Woche nach der 0:5-Niederlage im Spitzenspiel bei FC Bayern wirkte der BVB gegen Ende erneut wie ein taumelnder Boxer, der unfähig zur Gegenwehr auf den Knockout wartet.

Den Weg zum Ziel versperrt der FC Bayern. Das ist schon beängstigend genug, daher dürften die Profis des BVB eigentlich froh darüber sein, dass sie wie ihre Rivalen aus München die Füße hochlegen dürfen, wenn Europas Eliteliga spielt. Es ist ja auch so schon anstrengend genug, für den Kopf wie für den Körper.

Der Unterschied war nur, dass es diesmal in einem Kampf passierte, den die Dortmunder zunächst souverän kontrolliert hatten. Deshalb widersprach Reus auch energisch der These, dass es einen Zusammenhang mit den fünf Wirkungstreffern von München gebe. Mit letzter Woche hat das gar nichts zu tun. Das Spiel war aus den Köpfen, sonst hätten wir nicht wie in der ersten Halbzeit spielen können, sagte der Nationalspieler, der diesmal wieder auf seiner Lieblingsposition im zentral-offensiven Mittelfeld aufgeboten wurde.

Dortmunds Torwart Roman Bürki hat schon während der desolaten zweiten Hälfte gegen Mainz Alarm geschlagen. Er habe die Kollegen angeschrien – vergebens. Trainer Favre hatte auch seinen Anteil am Einbruch.

Dies zahlte sich aus: Der BVB agierte wieder im gewohnten 4-2-3-1, Reus kurbelte mit Pässen die Offensive an. Mario Götze – in München von Favre nicht nominiert – übernahm seine angestammte Rolle als hängende Sturmspitze, machte Bälle fest oder leitete sie gedankenschnell in die freien Räume weiter. So bereitete er das 1:0 für Jadon Sancho vor (17. Minute). Der Engländer, in München ein Totalausfall, erzielte auch das 2:0 (24.). Es schien, als hätte der BVB das Debakel der Vorwoche gut verarbeitet.

Dann aber kam die Halbzeit – und mit ihr eine Zeit der Selbstreflexion, die der Mannschaft offensichtlich nicht guttat. Statt sich durch die gute Leistung bestärkt zu fühlen, wurde den Spielern plötzlich bewusst, nun wieder etwas zu verlieren zu haben. Es war zwar ein anderes, mutigeres Mainz, das zu Wiederanpfiff auf den Rasen zurückkehrte – aber auch ein ganz anderes Dortmund. Zielstrebigkeit und Entschlossenheit waren weg. Der BVB war nur noch ein müder Abklatsch seiner selbst. Die Frage war nur: War es ein physisches oder psychisches Problem?

Axel Witsel, der ebenfalls mit unterzugehen drohte, wies darauf hin, dass wir im Laufe der Woche sehr hart gearbeitet haben. Es hätte, als Reaktion auf München, intensive Trainingseinheiten gegeben. Dies sei natürlich keine Entschuldigung für die schwache Schlussphase. Dennoch seien es die Spieler nicht mehr gewohnt, so hart zu trainieren, weil es in den vielen englischen Wochen zuvor eher regeneratives Training gegeben hätte. Es war ein Erklärungsversuch, der sehr verwunderte.

Klartext auch von Marco Reus (29) auf Sky: Es war natürlich nicht unser Plan, dass Roman uns hier in einem Heimspiel die drei Punkte rettet. Die zweite Halbzeit war einfach schlecht, das müssen wir sagen.

Doch wahrscheinlich schien es Witsel auch einfach nur ratsamer zu sein, eine andere These anzuführen als die, die wesentlich realistischer erscheint: Der BVB hat, dies ist unzweideutig, ein mentales Problem. Natürlich hat der Kopf auch mitgespielt, musste der Belgier schließlich einräumen. Viele junge Spieler tun sich schwer, den Druck, Meister werden zu können, sinnvoll zu kanalisieren.

Bürki hat in 28 Bundesliga-Spielen 34 Gegentore kassiert. 8-mal blieb er ohne Gegentreffer, Platz 6 unter den Bundesliga-Torhütern. Was die gehaltenen Torschüsse angeht, liegt Bürki (86) auf Platz 11.

Doch das werden sie schnell lernen müssen. Denn nach dem Sieg über Mainz wird er weiterhin anhalten.

Borussia Dortmund bricht gegen Mainz 05 nach starker erster Halbzeit komplett ein und muss am Ende um den Sieg und die Tabellenführung zittern. BVB-Trainer Lucien Favre liefert die Erklärung.

Gemischte Gefühle bei Bürki! Er ist sauer, aber auch froh über seine Leistung. Es ist schön, wenn man sich als Torwart auszeichnen und helfen kann, das Spiel zu gewinnen.

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Was war das, was ihnen da in der zweiten Halbzeit gegen den FSV Mainz 05 passiert ist? In jedem Fall etwas, was nie hätte passieren dürfen. Wir haben das Spiel unnötigerweise völlig aus der Hand gegeben und uns den Schneid abkaufen lassen, sagte Reus. Eine Erklärung dafür habe er aber nicht.

Borussia Dortmund hat das Spiel gegen einen Gegner, der bereits geschlagen schien, zwar 2:1 (2:0) gewonnen. Doch die Leistung gegen Ende der Partie war so dünn, so wenig souverän, dass sie Zweifel an der eigenen Reife aufkommen ließ. Und hätte der BVB nicht einen überragend haltenden Roman Bürki zwischen den Pfosten gehabt, es wäre wohl auch nie dazu gekommen, dass diese wichtigen drei Punkte im nach wie vor offenen Titelrennen mit den Bayern verbucht werden konnten.

Vor dem Spiel hatte Favre gefordert: “Wir wollen eine Reaktion zeigen.” Zumindest in der ersten Halbzeit sah er eine entsprechende Leistung. Sein Team, das im eigenen Stadion in dieser Saison noch ungeschlagen ist, drängte früh auf einen Treffer. Die Hereingabe von Mario Götze (6.) lenkte Danny Latza allerdings noch an den eigenen Pfosten. Der Kopfball von Thomas Delaney nur eine Minute später landete direkt in den Armen von FSV-Torhüter Florian Müller.

Ich bin erleichtert, dass es vorbei ist. Ich weiß nicht, ob es noch lange gut gegangen wäre, sagte Bürki, der mit einer Vielzahl von Paraden der einzige Dortmunder Spieler war, der sich erfolgreich gegen diesen Totalabsturz der Systeme zur Wehr setzte.

Der Schweizer war mehrfach in höchster Not zur Stelle – speziell als die Mannschaft von Lucien Favre nach dem überfälligen Anschlusstreffer der Mainzer durch Robin Quaison (84. Minute) vollends ins Schwimmen geriet. Gleich dreimal rettete er in einer Szene gegen Anthony Ujah (87.). Ich weiß selber nicht so genau, was ich da gemacht habe, sagte Bürki, der anschließend von den Fans wegen seiner schier unglaublichen Reflexe minutenlang gefeiert wurde.

Kapitän Marco Reus sagte nach dem Spiel bei Sky: “Die zweite Halbzeit war einfach schlecht, damit können wir nicht zufrieden sein. Die Leistung ist mir unerklärlich, warum wir so nachlassen. Das darf uns nicht passieren.” Er sah auch Parallelen zum Auftritt beim 0:5 gegen den FC Bayern in der Vorwoche: “Wir waren in der zweiten Halbzeit wieder zu weit weg von unseren Gegenspielern.”

Doch eine Erklärung dafür, warum er auf einmal derartig im Blickpunkt stand, hatte der Torwart auch nicht. Ich weiß es nicht, ich muss mit den Jungs reden. Ich will wissen, was da los war, sagte er, nachdem er in zweiten Halbzeit immer wieder versucht hatte, Einfluss zu nehmen – allerdings vergeblich.

Er hatte Anweisungen an seine Vorderleute heraus geschrien, sie aufgefordert mehr mit dem Körper zu spielen, präsent zu sein und Zweikämpfe zu führen. Doch er wurde nicht erhört. Im Gegenteil: Wir sind überhaupt nicht mehr in die Zweikämpfe gekommen.

In der 14. Minute vergab der BVB eine weitere Großchance, Jacob Bruun Larsen scheiterte aus kurzer Distanz am reaktionsschnellen Müller. Das erste Tor fiel im vierten Anlauf nach einem Querpass des sehr agilen Götze, Marius Wolf hatte den Angriff mit einem langen Ball eingeleitet. Sancho vollendete aus fünf Metern.

Die Borussen standen in der Schlussphase nur noch hinten drin und ließen die Mainzer spielen. Es kam einfach keine Reaktion, wir haben es über uns ergehen lassen, so Bürki. Nur eine Woche nach der 0:5-Niederlage im Spitzenspiel bei FC Bayern wirkte der BVB gegen Ende erneut wie ein taumelnder Boxer, der unfähig zur Gegenwehr auf den Knockout wartet.

Borussia Dortmund hat den FSV Mainz 05 mit 2:1 (2:0) besiegt und vorübergehend die Tabellenführung wieder übernommen. Rivale FC Bayern München hat allerdings ein Spiel weniger absolviert und kann mit einem Sieg am Sonntag gegen Fortuna Düsseldorf (15.30 Uhr, im Liveticker auf t-online.de) wieder vorbeiziehen.

Der Unterschied war nur, dass es diesmal in einem Kampf passierte, den die Dortmunder zunächst souverän kontrolliert hatten. Deshalb widersprach Reus auch energisch der These, dass es einen Zusammenhang mit den fünf Wirkungstreffern von München gebe. Mit letzter Woche hat das gar nichts zu tun. Das Spiel war aus den Köpfen, sonst hätten wir nicht wie in der ersten Halbzeit spielen können, sagte der Nationalspieler, der diesmal wieder auf seiner Lieblingsposition im zentral-offensiven Mittelfeld aufgeboten wurde.

Mainz 05 schafft es trotz starker Leistung im zweiten Durchgang nicht, die Niederlage bei Borussia Dortmund abzuwenden. Trainer Sandro Schwarz hadert mit den vergebenen Großchancen.

Dies zahlte sich aus: Der BVB agierte wieder im gewohnten 4-2-3-1, Reus kurbelte mit Pässen die Offensive an. Mario Götze – in München von Favre nicht nominiert – übernahm seine angestammte Rolle als hängende Sturmspitze, machte Bälle fest oder leitete sie gedankenschnell in die freien Räume weiter. So bereitete er das 1:0 für Jadon Sancho vor (17. Minute). Der Engländer, in München ein Totalausfall, erzielte auch das 2:0 (24.). Es schien, als hätte der BVB das Debakel der Vorwoche gut verarbeitet.

Dann aber kam die Halbzeit – und mit ihr eine Zeit der Selbstreflexion, die der Mannschaft offensichtlich nicht guttat. Statt sich durch die gute Leistung bestärkt zu fühlen, wurde den Spielern plötzlich bewusst, nun wieder etwas zu verlieren zu haben. Es war zwar ein anderes, mutigeres Mainz, das zu Wiederanpfiff auf den Rasen zurückkehrte – aber auch ein ganz anderes Dortmund. Zielstrebigkeit und Entschlossenheit waren weg. Der BVB war nur noch ein müder Abklatsch seiner selbst. Die Frage war nur: War es ein physisches oder psychisches Problem?

Axel Witsel, der ebenfalls mit unterzugehen drohte, wies darauf hin, dass wir im Laufe der Woche sehr hart gearbeitet haben. Es hätte, als Reaktion auf München, intensive Trainingseinheiten gegeben. Dies sei natürlich keine Entschuldigung für die schwache Schlussphase. Dennoch seien es die Spieler nicht mehr gewohnt, so hart zu trainieren, weil es in den vielen englischen Wochen zuvor eher regeneratives Training gegeben hätte. Es war ein Erklärungsversuch, der sehr verwunderte.

Doch wahrscheinlich schien es Witsel auch einfach nur ratsamer zu sein, eine andere These anzuführen als die, die wesentlich realistischer erscheint: Der BVB hat, dies ist unzweideutig, ein mentales Problem. Natürlich hat der Kopf auch mitgespielt, musste der Belgier schließlich einräumen. Viele junge Spieler tun sich schwer, den Druck, Meister werden zu können, sinnvoll zu kanalisieren.

Doch das werden sie schnell lernen müssen. Denn nach dem Sieg über Mainz wird er weiterhin anhalten.