Bayern sucht das Gegengift
Lothar Matthäus: FC Bayern “hat Umbruch versäumt – auch in der Chefetage”
Über die Stärke des Klubs, bei dem er seit Sommer in beratender Funktion tätig ist, sagt er: Der BVB spielt auf keinen Fall besser als die Bayern. Das ist eine Mär. Die Nation hebt die Borussia in ein unrealistisches Licht, sagte der Eurosport-Experte vor dem Bundesliga-Gipfel in Dortmund am Samstag (18.30 Uhr, Sky und hier im Liveticker).

Man dürfe nicht vergessen, dass der BVB in der vergangenen Saison nur aufgrund des Torverhältnisses die Champions League erreicht hat, so Sammer. Hätte der FC Bayern solche Spiele abgeliefert wie zwischendurch Dortmund, hätten sie die Säbener Straße abgerissen, sagte der frühere Bayern-Sportdirektor. Deswegen muss man in der Analyse immer darauf achten: Wo kommt einer her und wo steht einer.

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12.09 Uhr: Kovac: „Morgen ist es der deutsche Klassiker, da will jeder dabei sein. Wir wollen das Spiel gewinnen, dafür muss jeder alles geben. Auch die, die außerhalb nicht reagieren können. Alleine, dass Manuel Gräfe morgen pfeift, schicken sie den für mich besten Schiedsrichter. Es wird so sein, dass wir und auch der BVB alles geben – noch mehr als in anderen Spielen. Es ist ein Prestigeduell, es geht für uns um sehr viel. Wir wollen den Abstand möglichst verkürzen. Ich bin überzeugt, dass wir morgen unseren Mann stehen.“

Der BVB steht aktuell mit vier Punkten Vorsprung auf Borussia Mönchengladbach und den Bayern an der Tabellenspitze. Bei einem Dortmunder Sieg würde der Abstand auf den Rekordmeister komfortable sieben Punkte betragen, bei einer Niederlage rücken die Bayern auf einen Punkt heran.

12.04 Uhr: Befreit Kovac die Entbindung von der Meisterschaftspflicht? „Ich spüre das Vertrauen des Klubs. Aber das heißt ja nicht, dass wir nicht Meister werden wollen. Durch erzählen wird man das nicht, die Gegner sind jetzt stärker als im letzten Jahr. Dieses Jahr schwächeln die Mannschaften weniger. Ich versuche immer die Mannschaft auf den Platz zu bringen, die die beste Leistung bringt. Ich stelle ja nicht nach Sympathie auf. Ich finde alle hier sehr sympathisch.“

Deshalb will Sammer auch nichts von einer sportlichen Krise bei amtierenden Meister wissen: Die Ergebnisse sind absolut in Ordnung. Sie werden in der Champions League durchmarschieren und sind in der Bundesliga in Lauerstellung.

Es sei zwar unbestritten, dass es aktuell ein wenig an Leichtigkeit fehle, aber: Mancher Klub würde sich die Unruhe der Bayern wünschen, wenn er diese Ergebnisse erzielen würde. Ich weiß nicht, inwieweit das eine oder andere Thema auch zur strategischen Ausrichtung des Vereins gehörte.

Kennt den Klub: Lothar Matthäus spielte von 1984 bis 1988 und von 1992 bis 2000 bei Bayern München. (Quelle: Hartenfelser/imago)

12.08 Uhr: Jerome Boateng ist nicht für das DFB-Team nominiert. Kovac: „Das ist die Entscheidung des Bundestainers. Dass Jerome nicht dabei ist, ist ein Novum. Das heißt aber nicht, dass er in Zukunft nicht wieder dabei sein wird. Er hat jetzt die Chance, bei uns zu trainieren. Die letzten Spiele bei uns hat er gut gemacht, deshalb glaube ich nicht, dass das Ende von Jerome in der Nationalmannschaft ist.“

Ex-Spieler Lothar Matthäus übt Kritik an der Führungsriege des FC Bayern. Diese hätte deutlich verjüngt werden müssen. Besonders zwei Kandidaten hat er dafür im Blick.

Während die Münchner auf die Langzeitverletzten Kingsley Coman, Corentin Tolisso und Thiago verzichten müssen, fehlte beim BVB zuletzt nur Ex-Kapitän Marcel Schmelzer. Mit Mario Götze und dem von Favre bisher nicht berücksichtigten Sebastian Rode verfügen zwei Borussen über Bayern-Vergangenheit, Julian Weigl und Marius Wolf trugen einst das Trikot des Lokalrivalen TSV 1860 München.

Rekordnationalspieler Lothar Matthäus führt die aktuellen Probleme bei Bayern München auf Fehler der Bosse zurück und vermisst eine klare Handschrift von Trainer Niko Kovac. Der deutsche Fußball-Rekordmeister habe sowohl in der Mannschaft, als auch in der Führungsriege einen Umbruch versäumt, sagte der Sky-Experte.

Hitzfeld: Bayern hat einen guten Start erwischt. Dann gab es halt die Rückschläge. Und wenn Bayern einmal nicht gewinnt, spricht man ja schon von Krise. Das ist eine ganz andere Ausgangslage für diese Mannschaft als für Dortmund. Die Borussia kann verlieren, aber dann löst das in Deutschland kein Erdbeben aus. Wenn Bayern hingegen verliert, meldet sich jeder zu Wort. Der FC Bayern ist ein äußerst sensibles Gebilde, wodurch die Mannschaft sehr schnell Selbstvertrauen verlieren und verunsichert werden kann. Man spürt jetzt auch, dass die deutschen Nationalspieler die anderen noch nicht mitreißen können.

Die Münchner hätten “in der Chefetage einen Jüngeren einbauen sollen mit größerer Verantwortung als sie Hasan Salihamidzic hat”, sagte Matthäus (57). Borussia Dortmund, am Samstag (ab 18.30 Uhr im Liveticker von t-online.de) im Bundesliga-Topspiel Gegner der Bayern, biete in vielerlei Hinsicht das Gegenbild zu seinem früheren Verein.

Hitzfeld: Das kann man halt nicht immer verhindern, denn wir leben ja in keinem Überwachungsstaat. Es dringt immer etwas nach außen. Wenn man bei Bayern München ist, muss man eben davon ausgehen, dass die Hälfte der Spieler unzufrieden ist. Das ist normal. Wenn es dann schlecht läuft, dann ist es auch für einen Journalisten einfach, zu einem unzufriedenen Spieler zu gehen. Warum sollte der Spieler dann sagen, dass er glücklich ist, wenn er auf der Bank oder auf der Tribüne sitzt? Das geht auch nicht. Zurzeit wird halt alles überbewertet.

“Dortmund hat im Sommer die richtigen Veränderungen vorgenommen, auf dem Platz und außerhalb”, sagte Matthäus: “Viele haben ja gelacht oder zumindest geschmunzelt über die Verpflichtung von Matthias Sammer oder Sebastian Kehl, aber da ist hoher Sachverstand dazugekommen.” Beide seien “Glücksgriffe”.

Hitzfeld: Ein Trainer muss sich in die Mannschaft hineinspüren, er muss reinhorchen. Es ist aber wichtig, dass Niko Kovac die Rotation jetzt ein bisschen zurückfährt und man wieder einen Stamm von acht, neun Spielern hat, der erstmal spielt. Ein Stamm, von dem ich weiß, dass ich mich in wichtigen Spielen auf ihn verlassen kann. Rotation ist aber angebracht, weil man dadurch den Vorteil des Konkurrenzkampfes hat. Spielt immer nur eine Stammelf und rotiert man gar nicht mehr, kann man sich vorstellen, was dann bei Bayern los ist.

In München hätten Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge und Präsident Uli Hoeneß längst mehr Verantwortung abgeben müssen, meinte Matthäus: “Sie hätten sich ja keinen Zacken aus der Krone gebrochen, wenn sie einen Mann wie Philipp Lahm oder Oliver Kahn dazugeholt hätten. Sie haben das Unternehmen FC Bayern 30 Jahre und mehr auf höchstem Niveau geführt, sportlich wie wirtschaftlich, und haben weiter großen Einfluss. Aber sie sollten ein bisschen mehr auf den Nachwuchs hören.”

Hitzfeld: Die Mannschaft ist einfach verunsichert, und dann spielt man eben mehr auf Sicherheit. Aber das kommt ja von den Spielern. Kovac hat seinen Plan. Aber die Umsetzung ist derzeit nicht optimal, weil jeder Spieler mit sich selbst zu kämpfen hat. Kovac hat aber ein klares Konzept und trainiert sicher auch die Spielzüge und das Umschaltspiel sehr akribisch. Aber die Spieler können es nicht optimal umsetzen, weil sie nicht in Form sind. In Form kommt man nur, wenn Bayern auf Platz eins steht (lacht).

Sportdirektor Salihamidzic sei von den Bossen dagegen zuletzt auf der legendären Pressekonferenz unnötig geschwächt worden. “So etwas darf nicht passieren”, betonte Matthäus: “Auch die Spieler bekommen mit: Hasan hat da oben nicht so viel zu sagen, wie man es eigentlich von einem Sportdirektor erwartet.”

Hitzfeld: Dortmund spielt auf einem sehr hohen Level. Die jungen Spieler machen sehr viel Freude, weil sie mit sehr viel Tempo in die Offensive gehen. Zudem hat man sich in der Defensive mit Abdou Diallo gut verstärkt. Die Neuzugänge Axel Witsel und Thomas Delaney sind zwei ganz wichtige Schlüsselspieler in der Schaltzentrale. Durch sie funktioniert das ganze Dortmund-Spiel besser und ist besser organisiert. Man hat vor der Saison sinnvolle Transfers getätigt und ein glückliches Händchen bewiesen.

Auch bei Trainer Kovac sieht Matthäus Fehler. “Wenn das Spiel des FC Bayern der Spiegel der Trainingseinheiten ist, dann ist da ganz sicher einiges versäumt worden”, sagte er. In Kovacs Mannschaft sei keine Hierarchie erkennbar, Dortmund dagegen “hat die ganz klar”.

Hitzfeld: Dass sie momentan nicht so überzeugen, hängt damit zusammen, dass Bayern etwas angeschlagen wirkt und die Situation mit den vier Punkten Rückstand auf Dortmund Unruhe bringt. Das zeigt sich dann auch im Spiel. Bayern hat zurzeit nicht das nötige Selbstbewusstsein. Dann spielt man statt eines Passes in die Spitze den Ball quer. Das hängt aber nicht mit dem Konzept von Kovac zusammen.

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Hitzfeld: Es wird eine offene Partie, bei der alles möglich ist, denn es sind zwei Top-Mannschaften. Die aktuelle Form spricht mehr für Dortmund. Aufgrund der Erfahrung der Bayern und des Wissens, dass sie in wichtigen Spielen über sich hinauswachsen können, können sie aber auch gewinnen. Ein Sieg der Münchner kann den Wendepunkt herbeiführen.

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