Gesten der Geschlossenheit
FC Bayern vor dem Duell in Dortmund – Gesten der Geschlossenheit
Robert Lewandowski: Der Bayern-Stürmer ist genervt von "Blödsinn". (Quelle: Omnisport)

Bayerns Torjäger Robert Lewandowski ist in den vergangenen Monaten schweigsam geworden. Nun erklärt er, warum.

Nach seinem Doppelpack beim 2:0 gegen AEK Athen hat Robert Lewandowski sein Schweigen gebrochen. Der polnische Torjäger hatte sich in dieser Saison nur noch sehr selten zu den Leistungen seines Klubs geäußert. Darauf angesprochen erklärte er nun: “Das fing schon am Ende der letzten Saison an. Da habe ich viele Gerüchte über mich gehört – und da wollte ich nichts mehr sagen.” Und er fügte hinzu: “Das war für mich nicht die perfekte Zeit, diese vielen Artikel, die kompletter Blödsinn waren.”

Welche Medien er genau meint, ließ Lewandowski offen. In den Sommermonaten hatte es immer wieder Gerüchte über einen möglichen Wechsel zu Real Madrid gegeben. Die Verantwortlichen des FC Bayern stellten aber schnell klar, dass sie ihrem besten Torschützen keine Freigabe erteilen würden.

Lewandowski habe sich deshalb ausschließlich auf den Fußball fokussiert. Er sagte: “Manchmal siehst du, was da steht und da stimmt dann gar nichts. Da muss man die Antwort auf dem Platz zeigen.” Die kompletten Aussagen des Bundesliga-Torschützenkönigs sehen Sie oben im Video.

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Sebastian Fischer, Jahrgang 1989, ist Sport-Redakteur bei der Süddeutschen Zeitung. Studium in Köln und Tennessee – Letzteres vor allem, um College-Soccer zu spielen. Erste Texte für das Magazin Rheinfussball, später für den Kölner Stadt-Anzeiger. Bei der SZ seit 2014, von 2015 bis 2017 Volontär. Zuständig für die Digitalausgabe “Sport am Wochenende”, schreibt vor allem über Fußball und paralympischen Sport. Verlässt München für ein paar Tage, wenn et Trömmelche jeht.

Der Ball lag im Netz, die Torhymne setzte ein, die ewige Melodie der White Stripes. Robert Lewandowski lief jubelnd in Richtung Eckfahne, so wie es immer wieder war in den vergangenen Jahren, doch eine Kleinigkeit war anders.

Wer nicht auf Lewandowski schaute, der gerade mit einem Elfmeter das 1:0 gegen die harmlose Mannschaft von AEK Athen geschossen hatte, sondern dahinter auf Thomas Müller, der sah einen Fußballer, der aufgeregt mit den Armen ruderte, schrie und seinen Mitspielern den Weg in die Ecke wies, ja: befahl. Und so bejubelten sie nach und nach ein gewöhnliches Tor, als wäre es ein besonderes: Zuerst Leon Goretzka und Müller, dann auch Franck Ribéry, Jérôme Boateng und schließlich Mats Hummels. Alle zusammen.

Der FC Bayern bestreitet am Samstag ein Fußballspiel, so wegweisend, wie zuletzt für den Klub selten eines war. Wenn der Meister als Tabellendritter beim Tabellenführer Borussia Dortmund antritt, könnten diese 90 Minuten den Saisonverlauf definieren. Es geht um einen oder sieben Punkte Rückstand für München, es geht um das Selbstverständnis des Klubs, es geht vielleicht auch um die Jobsicherheit des Trainers Niko Kovac. Oder?

Das 2:0 in der Champions League gegen Athen am Mittwoch, das Spiel vor dem Spiel, nutzte der FC Bayern, um sich zu vergewissern, noch zusammenhalten und immerhin ordentlich Fußball spielen zu können. Und so, wie es um diesen ruhmreichen Klub gerade bestellt ist, konnte man wohl sagen: Das ist doch schon mal was. Wenn viel mehr gerade nicht drin ist, dann ist das doch okay. So ähnlich sagte es jedenfalls Präsident Uli Hoeneß.

Als Hoeneß zuletzt öffentlich gesprochen hatte, da hatte er extra zu jener inzwischen berühmten Pressekonferenz eingeladen, um – gemeinsam mit dem Münchner Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge – Journalisten und Kritiker und auch den früheren Münchner Spieler Juan Bernat zu beleidigen. Nun sagte er, dass es ihm sehr leidgetan habe, Bernat zu beleidigen, und Hoeneß lobte die zweite Halbzeit, die für einen Aufwärtstrend spreche nach Wochen des schwachen, verunsicherten Fußballs.

Aber er sagte vor allem: “Wir fahren nicht als Favorit nach Dortmund, sondern als Außenseiter, zum ersten Mal seit langer Zeit.” Außerdem würde der FC Bayern übrigens “nicht untergehen”, sollte er nach sechs Jahren einmal nicht deutscher Meister werden. Hoeneß begründete das so: “Wir haben eine Mannschaft, die im Umbruch ist, einen jungen Trainer, der sich hier reinarbeiten muss, da muss man ein bisschen Geduld haben.” Und spätestens da musste man sich ein wenig wundern.