Gut wie nie: Reus reift beim BVB zum Schlüsselspieler
Der Favre-Effekt: Das besondere Händchen des BVB-Trainers
Marco Reus von Borussia Dortmund erhält vor dem Spitzenduell mit dem FC Bayern München den Ritterschlag von Ottmar Hitzfeld. Trainer Lucien Favre steht derweil bei Jacob Bruun Larsen hoch im Kurs. Kommt ein Türke zum BVB?

Ottmar Hitzfeld hat ein großes Lob für Marco Reus ausgesprochen. “Beim BVB erleben wir einen Marco Reus in Superform, den besten Reus, den wir je gesehen haben”, wird er vom kicker zitiert. Der ehemalige Trainer sieht in Reus eine Führungsfigur: “Er geht voran, die jungen Wilden folgen ihm und begeistern mit ihrem flotten Umschaltspiel.”

Er ist der Kapitän, der Hoffnungsträger, der, an dem sich seine Mitspieler aufrichten – auch nach der bitteren 0:2-Pleite am Dienstagabend in Madrid gegen Atlético. Marco Reus ist der Fixpunkt im Spiel von Borussia Dortmund. Gegenüber der Sport Bild äußerte sich der Nationalspieler zur neuen Rolle als BVB-Spielführer und er erklärte, wie er den Saisonstart seines Teams einschätzt.

Reus über den neuen BVB: Hier entwickelt sich wieder etwas

Auch deshalb sieht Hitzfeld die Chancen vor dem Spiel gegen den FC Bayern München fair verteilt: “Für die Partie an diesem Samstag erwarte ich ein Unentschieden, 2:2.” Borussia Dortmund könne dem Rekordmeister auch in dieser Saison nicht das Wasser reichen und werde die Meisterschaft an den FCB verlieren, sagte Hitzfeld.

“Ich habe gespürt, dass sich hier etwas entwickelt. Das zeigt sich jetzt gerade”, sagt Reus, der gleichzeitig die Erwartungshaltung ein Stück weit bremst: “Von heute auf morgen kann man keine Wunderdinge erwarten – weder von mir noch von der Mannschaft.”

So denkt Dortmunds Kapitän Marco Reus über die Zukunft vom BVB

Dennoch beeindruckt ihn der BVB von Lucien Favre. Das Spiel gegen den FC Augsburg sei ein entscheidender Faktor für die Entwicklung gewesen. Er nannte das 4:3 “ein Schlüsselspiel” und “Aha-Erlebnis”, das die Borussia bis jetzt getragen habe.

Letztes Jahr noch an den VfB Stuttgart verliehen, macht Jacob Bruun Larsen in dieser Saison im BVB-Trikot auf sich aufmerksam. In der Bild dankte er dafür Trainer Favre: “Er ist der Trainer, er entscheidet, wer aufläuft und er hilft gerade uns jungen Spielern ungemein, indem er uns das Vertrauen schenkt, einen Plan entwickelt und mit uns an den jeweiligen Schwächen arbeitet.”

Der Spielführer von Borussia Dortmund hat über seinen Fitnesszustand, Trainer Lucien Favre und die Zukunft seines Herzens-Vereins gesprochen. 

Mit Blick auf das Spiel gegen den FC Bayern München erwartet der Däne einiges: “Das ist ein Super-Spiel gegen eine Super-Mannschaft und wir wissen, dass es im Falle eines Sieges in der Tabelle erst mal gut für uns aussehen würde. Aber durch Reden hat noch niemand ein Spiel gewonnen.”

Auch Jadon Sancho will die Bühne gegen den FC Bayern nutzen, um mit einer guten Leistung auf sich aufmerksam zu machen. “Jeder Spieler fiebert einem solchen Spiel entgegen. Zu Hause gegen die Bayern im ausverkauften Stadion, mehr als 200 Länder schauen zu – mehr geht nicht”, sagte er der Bild.

Dabei hat der Engländer allerdings nicht unbedingt einen Wechsel im Kopf. Kürzlich verlängerte er seinen Vertrag bis 2022: “Ich verschwende keinen Gedanken an einen Wechsel. Ich habe dem BVB viel zu verdanken und ich habe mit dieser Mannschaft noch eine Menge vor. Ich bin glücklich hier und habe ja auch nicht umsonst so lange unterschrieben.”

BVB-Gerücht: Abdülkadir Ömür nach Dortmund?Dem türkischen Fußball-Portal Karadeniz zufolge soll Borussia Dortmund Interesse an Abdülkadir Ömür von Trabzonspor haben. Der Mittelfeldspieler, der gerne über die rechte Seite kommt, könnte demnach bis zu 15 Millionen Euro Ablöse kosten. Konkurrenz besteht wohl durch die Tottenham Hotspur.

Ömür spielte bis vor kurzem für die U21 seines Landes, ist nun allerdings auch für das A-Team berufen worden. Der 19-Jährige gilt trotz geringer Körpergröße von 1,68 Metern zu den größeren Talenten der Türkei und wurde im vergangenen Sommer unter anderem von SL Benfica umworben.

Im September 2017 hatte er seinen Vertag allerdings erst bis 2022 verlängert. In der Süper Lig gehört Ömür fest zum Aufgebot der Profis und kam bereits in zehn Partien zum Einsatz. Insgesamt hat er schon 41 Spiele in der höchsten türkischen Spielklasse absolviert.

Unter dem neuen BVB-Trainer Lucien Favre trumpfen Marco Reus und Mahmoud Dahoud auf. Favre kennt beide noch aus Gladbacher Zeiten. Er versteht es, seine Schützlinge perfekt ins Spiel zu integrieren und baut gleichzeitig schon deren Nachfolger-Generation auf. 

Matchwinner Marco Reus. Der 1:0-Siegtreffer gegen den VfL Wolfsburg war sein sechstes Saisontor im zehnten Bundesliga-Spiel. Seltenheitswert haben Reus-Treffer derzeit gewiss nicht. Unter Lucien Favre blüht der 29-jährige BVB-Kapitän auf. Nach seiner langen Verletzungspause in der vergangenen Saison und vor dem so wichtigen Bundesliga-Spiel gegen den FC Bayern München am Samstag (ab 18:30 Uhr im Liveticker auf ran.de) ist Reus fit wie nie. 

Der Mittelfeldspieler absolvierte in der Saison 2018/19 die meiste Einsatzzeit aller Dortmunder Feldspieler – trotz Favres Rotationsprinzip. Favre und Reus – das passt. Kein Wunder, schließlich kennen sich die beiden seit knapp zehn Jahren, bei Borussia Mönchengladbach war Favre später sein Trainer. "Er ist fachlich und menschlich der beste Trainer, den ich je hatte", schwärmte Reus August bei einem Fan-Talk von seinem Förderer. 

Unter Favre wurde Reus Nationalspieler, die beiden hielten bis zuletzt Kontakt. Favre versteht seinen Schützling, weiß ihn optimal einzusetzen. Reus spielt seit Wochen auf seiner Lieblingsposition, auf der Zehn, der BVB brennt ein Torfeuerwerk wie keine andere Bundesliga-Mannschaft ab. 

Marco Reus ist das beste Beispiel für den Favre-Effekt: Der Schweizer baut sein Team aus vielen jungen Spielern auf, denen er Mut macht und Vertrauen schenkt – über Jahre hinweg. Das zahlt sich aus. Derselbe Effekt lässt sich bei Mahmoud Dahoud erkennen. 

Beide kennen sich ebenfalls aus Gladbacher Zeit. Unter Favre stieg Dahoud in die Profimannschaft der "Fohlen" auf und machte in der Bundesliga auf sich aufmerksam. Nach seinem Wechsel zu Borussia Dortmund zur Saison 2017/18 kam der Einbruch. Elf Startelfeinsätze, zwölf Einwechslungen. Vier Assists. Nicht sein Anspruch.  

Seit Favre wieder sein Trainer ist, kann sich Dahoud wieder freuen. In sechs von zehn Bundesligaspielen stand der 22-Jährige auf dem Rasen, schoss dabei ein Tor. In Champions League und DFB-Pokal durfte er je zweifach ran. Dass er von Favre bevorzugt wird, davon will Dahoud aber nichts wissen. "Es bedeutet nichts, dass wir uns kannten", sagte er den "Ruhr Nachrichten". "Ich hatte in Gladbach unter ihm eine gute Zeit. Aber er stellt nach Trainingseinheiten und Leistung auf."

Trainer Lucien Favre ist ein Typ Menschenfänger. Einer, der den Spielern Zeit gibt und an sie glaubt. "Du hörst genau hin, was der Trainer von dir erwartet, siehst im Training, was ihm besonders wichtig ist. Lucien Favre legt großen Wert auf die Details. Wir Spieler merken, dass es auf die kleinen Dinge ankommt, um erfolgreich zu sein", beschreibt Reus in der "Sport Bild". 

Favre erkennt das Potenzial junger Spieler und fördert diejenigen, die woanders bereits abgeschrieben waren. In Nizza waren das zum Beispiel der ehemalige Bayern-Verteidiger Dante und Italiens als unzähmbar geltender Skandal-Stürmer Mario Balotelli. Nun zeigt sein Modell in Dortmund Wirkung. 

Die Mannschaft ist jung, spritzig, dynamisch. Der in die Kritik geratene Nachwuchsstürmer Jacob Bruun Larsen, der 2017/18 auf lediglich fünf Bundesliga-Spiele kam, hat unter dem neuen Coach eine neue Chance erhalten. Schon jetzt hat er sieben Bundesliga-Spiele, zwei Tore, ein Assist auf dem Konto – in der Startelf und als Joker ist Bruun Larsen für Favre wichtig. 

Unverzichtbar geworden ist gar Jadon Sancho, der beim BVB zum Phänomen avancierte. 18 Jahre jung ist der Flügelflitzer. Favre vertraut ihm – und der junge Brite zahlt es gnadenlos effektiv zurück. Zehn Spiele, vier Tore, sechs Assists. Sancho ist auf dem besten Weg zum neuen Superstar.

Sein Vorbild ist Marco Reus. "Ich sehe zu ihm auf wie ein Idol", sagte er der "Deutschen Welle" nach dem Wolfsburg-Spiel. Vielleicht wird er das eines Tages für die neue Generation sein, ein Idol.