Mit dieser Aufstellung könnte der BVB gegen AS Monaco spielen
Nach Bus-Anschlag: Wie dieser Fan mit einem Hashtag BVB- und Monaco-Fans vereinte
Der BVB will das Thema ruhen lassen, doch vor dem Wiedersehen mit dem AS Monaco kommen zwangsläufig Erinnerungen an den Anschlag vor anderthalb Jahren hoch. Sebastian Kehl lenkt den Fokus aufs Sportliche.

Am 11. April 2017, als Borussia Dortmund den AS Monaco das bislang letzte Mal in der Champions League empfing, erlebten die BVB-Profis ein großes Trauma. Bei der Abfahrt zum Viertelfinal-Hinspiel gegen die Monegassen explodierten neben dem Mannschaftsbus nahe des Teamhotels Sprengsätze. Der ehemalige BVB-Innenverteidiger Marc Bartra erlitt einen Armbruch und Fremdkörpereinsprengungen, ein begleitender Polizist ein Knalltrauma.

Die Gedanken daran würden die Dortmunder vor dem ersten Wiedersehen mit dem AS Monaco (Mittwoch, 21 Uhr, LIVE! bei kicker.de) am liebsten aus den Köpfen verbannen. Die Geschehnisse habe man “intern mehrmals aufgearbeitet”, sagt Sebastian Kehl. “Wir wollen”, so der Wunsch des Leiters der Lizenzspielerabteilung, “die Begegnung als ganz normales Champions-League-Spiel annehmen und das Thema ruhen lassen.”

Vor anderthalb Jahren wurde die Partie nach den Vorfällen abgesagt und am nächsten Tag nachgeholt. Dortmund unterlag – wie auch im Rückspiel – und schied aus. Diesmal treffen die beiden Teams schon in der Vorrunde aufeinander – unter normalen Umständen. “Wir haben die riesige Chance, einen großen Schritt zu machen”, sagt Kehl hinsichtlich des angestrebten Achtelfinal-Einzugs. Mit einem Heimsieg gegen die derzeit arg schwächelnden Franzosen (Platz 18 in der Ligue 1) würde sich der BVB frühzeitig in eine sehr gute Ausgangsposition bringen.

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Er war das Gesicht der Aktion #bedforawayfans. 540 Tage ist es nun her, dass sein Bild um die Welt ging. BVB-Fan Stefan Kilmer bot vier französischen Fans in der Nacht des Attentats auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund Obdach. Am kommenden Mittwoch gastiert die AS Monaco erneut beim BVB (21 Uhr im LIVETICKER).

Im Interview mit SPOX erzählt Kilmer, wie er den Hype um seine Person erlebte. Er erinnert sich an die Stimmung in jener Nacht und bewertet die Neuansetzung des Spiels am Tag nach dem Attentat.

SPOX: Herr Kilmer, vor eineinhalb Jahren ging Ihr Bild um die Welt. Wie hat es sich angefühlt, ein Internet-Hype zu sein?

Stefan Kilmer: Ich kannte Twitter zuvor nur als Plattform, auf der ich manchmal etwas schreibe. Das war schon verrückt. Innerhalb kürzester Zeit meldeten sich Leute aus China oder Japan, die fragten, ob sie das Bild verwenden dürfen. Manche wollten ein Interview führen. Dann kam der erste französische Radio-Reporter an, der zu mir nach Hause kam. Kurze Zeit später kam das französische Fernsehen dazu.

SPOX: Zu diesem Zeitpunkt hatten Sie bereits vier französische Fans bei sich aufgenommen. Wie kam es dazu?

Kilmer: Da ich leidenschaftlicher Vespa-Fahrer bin und mit Menschen aus verschiedenen Ländern zu tun habe, dachte ich mir, ich zahle ein wenig Gastfreundschaft zurück. Ich wollte das für diese Nacht machen, dann noch ein Frühstück anbieten und anschließend zur Arbeit gehen. Aber daraus wurde nichts.

Kilmer: Es war zwar komisch, fremde Leute im Haus zu haben. Aber Fußball-Fans, die diese Gastfreundschaft auch annehmen, muss man einfach vertrauen. Ich würde das immer wieder machen.

SPOX: Vielen Monaco-Fans blieb durch die Aktion ein teures Hotelzimmer oder gar die Rückreise erspart.

Kilmer: Das stimmt. Aber für mich war der Anschlag der ausschlaggebende Grund. Für mich ist Fußball kein Sport, in dem Gewalt einen Platz hat. Fußball bedeutet für mich Freundschaft, Spaß und natürlich auch Wettkampf. Es war einfach ein Schock, dass eine solche Gewalttat überhaupt passiert. Am Anfang gab es ja sogar einen Terrorverdacht. Ich hatte eine solche Wut in mir, dass ich den Leuten helfen wollte, damit sie am nächsten Tag das Spiel gucken können.

Kilmer: Das war schon sehr komisch. Natürlich war das für die Spieler von Borussia Dortmund sehr belastend. Im ersten Moment denkt man, es ist falsch, dass das Spiel am nächsten Tag angesetzt wird.

Kilmer: Im Nachhinein war es die richtige Entscheidung – auch wenn Dortmund dadurch einen Nachteil hatte. Monaco gewann mit 3:2, aber es gibt Schlimmeres im Leben. Sich vor solch einem Anschlag zu verstecken, ist das Schlechteste, was man machen kann. Es gab zudem sehr hohe Sicherheitsvorkehrungen am nächsten Tag. Das war überhaupt kein Problem.

Kilmer: Ich habe fünf Schlafplätze angeboten. Nach einer Minute meldeten sich die ersten Fans. Wenige Minuten später standen sie bei mir vor der Tür. Als die Tür aufging, ich die Fans sah und wir redeten, war der ganze Anschlag plötzlich weg. Am nächsten Tag kamen die gezeigten Bilder aus dem Fernsehen schon wieder hoch. Das war ein komisches Gefühl. Aber an diesem Abend waren sie nicht mehr so präsent, dass es einen schwer belastet hätte. Das Zusammensitzen war schon wichtig.

Kilmer: Das waren vier Franzosen, von denen drei Monaco-Fans und einer Dortmund-Anhänger waren. Der hatte sich als Monaco-Fan getarnt, weil er im Auswärtsblock stehen wollte. (lacht) Wir haben uns auf Anhieb nett unterhalten – auf Englisch. Wir haben was getrunken. Sie wollten Essen bestellen. Aber ich habe gesagt: Ihr seid meine Gäste. Deshalb haben wir gekocht: Nudeln mit Tomatensoße.

Kilmer: Wir schreiben noch ein wenig über Twitter. Einer der vier ist mittlerweile bei Paris Saint-Germain im Video-Bereich tätig. Er ist unter anderem auch BVB-Fan. (lacht)

Kilmer: Das waren sehr junge Fans, 18 bis 20 Jahre. Alle mit verschiedener Herkunft. Zwar mit französischem Pass, aber verschiedenem Hintergrund. Das war auch das Schöne dabei. Dass all diese Menschen in einem solidarischen Akt zusammenfinden.

BVB-Fan Stefan Kilmer über sportliche Entwicklung von Borussia DortmundSPOX: Auf die Fan-Kultur ist eben Verlass. Gibt es diese Anflüge von Menschlichkeit im Profi-Fußball mittlerweile zu selten?

Kilmer: Im deutschen Fußball wird bei Vereinen wie RB Leipzig oder TSG Hoffenheim viel Geld investiert. Aber den Kommerz gibt es auch bei Bayern München oder Borussia Dortmund. Ohne Geld kann so ein Fußball eben nicht stattfinden. Ich finde es nur heftig, welche Gehälter oder Transfersummen bezahlt werden. Das steht in überhaupt keiner Relation mehr.

SPOX: Dem Ruf des Geldes ist es ein Stück weit geschuldet, dass der BVB einige Spieler von damals heute nicht mehr im Kader hat. Wie bewerten Sie den Umbruch der Borussia.

Kilmer: Die sportliche Entwicklung war aufgrund der vielen Trainerwechsel sehr turbulent. Es war schade, dass Thomas Tuchel ging.

Kilmer: Er war ein sehr guter Trainer. Er hatte zwar auch seine Eigenheiten, aber die hat jeder Mensch. Die internen Querelen, die es wohl gab, kann man als Außenstehender schwer beurteilen. Wenn es persönliche Differenzen zwischen dem BVB und Tuchel gab, ist es besser, getrennte Wege zu gehen. Eine gewisse Harmonie ist nötig im Sport.

Kilmer: Mittlerweile ist Borussia Dortmund wieder auf einem sehr positiven Weg. Ich bin zuversichtlich, dass wir am Mittwoch drei Punkte gegen Monaco holen.