Literaturfonds in Darmstadt vergibt Stipendien an Manja Präkels und Flurin Jecker
Literaturfonds in Darmstadt vergibt Stipendien an Manja Präkels und Flurin Jecker
nManja Präkels und Flurin Jecker erhalten Stipendien des Deutschen Literaturfonds. Fotos: Nane Diehl / Janis Maus Marti

DARMSTADT – (job). Mimi und Oliver sind Nachbarskinder in einer kleinen Stadt an der Havel. Sie spielen Fußball, leisten den Pionierschwur und berauschen sich auf Familienfesten heimlich mit den Schnapskirschen der Eltern. Mit dem Mauerfall zerbricht auch ihre Freundschaft. Mimi sieht sich als der letzte Pionier, Oliver wird zum Anführer einer marodierenden Jugendbande und legt sich den Kampfnamen „Hitler“ zu. „Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß“ heißt der Roman von Manja Präkels, der mit dem Jugendliteratur-Stipendium des Deutschen Literaturfonds in Darmstadt ausgezeichnet wird.

Das Stipendium wird gemeinsam mit dem Arbeitskreis Jugendliteratur bei der Leipziger Buchmesse im März vergeben. Die 1974 in Brandenburg geborene Autorin „stellt ihr Buch nicht in den Dienst schlichter Thesen“, lobt die Jury in ihrer Begründung. „Ihr Roman verwandelt persönliche Erfahrung in die dichte Beschreibung der Prozesse in einem sich wandelnden gesellschaftlichen System.“

Das sechsmonatige Stipendium ist mit insgesamt 12 000 Euro dotiert. Es soll vielversprechenden Autoren die Chance geben, „unabhängig von den Anforderungen des Marktes“ ein Buchprojekt verwirklichen zu können.

Das zweite Jugendliteratur-Stipendium, ebenfalls mit 12 000 Euro dotiert, geht an den 1990 in Bern geborenen Schweizer Autor Flurin Jecker. Er überzeugte die Juroren mit seinem Debütroman „Lanz“. Darin sträubt sich ein Vierzehnjähriger zunächst gegen die Schulaufgabe, einen Blog zu schreiben – aber dann breitet er rückhaltlos sein Leben aus: die seit der Trennung der Eltern gespaltene Familie, die Kompliziertheit zweier Zuhause, die Ödnis seiner Kindheit in einem Dorf in der Schweiz, seine Probleme mit dem Erwachsenwerden.

Die Juroren loben ein „hochamüsantes Debüt“ und weisen besonders darauf hin, dass Jecker „regionale und alltagssprachliche Elemente zu einer fingierten Mündlichkeit verdichtet, die intensiver Ausdruck eines Schwebezustandes ist, bei dem Schmerz und Freude, Abgeklärtheit und Kindlichkeit von Moment zu Moment und von Satz zu Satz umschlagen“.

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Manja Präkels und Flurin Jecker erhalten die Kranichsteiner Jugendliteratur-Stipendien 2018 des Deutschen Literaturfonds’ und des Arbeitskreises für Jugendliteratur.

Manja Präkels wird für ihren Roman “Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß” (Verbrecher Verlag) und Flurin Jecker für sein Debüt “Lanz” (Nagel & Kimche) ausgezeichnet, wie die Preisstifter informieren. Beide Autoren erhalten ein jeweils sechsmonatiges Stipendium in Höhe von 12.000 Euro.

Manja Präkels wurde 1974 im brandenburgischen Zehdenick geboren. Ihre Heimat Brandenburg macht sie auch zum Schauplatz ihres Romans “Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß”. In diesem, so die Jury, “schildert sie die Umbrüche in den Jahren vor und nach der Wende von 1989/90 am Beispiel einer kleinen ostdeutschen Gemeinde nicht weit von Berlin. […] Zunächst sieht der Leser eine recht überschaubare kleinstädtische Welt, in die die Umbrüche tief eingreifen, in der Zusammengehörigkeit aber noch gelebt wird. Mit der Auflösung der sozialistischen Gesellschaft und den draus folgenden Friktionen zerbricht diese Gemeinsamkeit, es entstehen Leerräume, in denen sich ‘Glatzen und ‘Springerstiefelträger’ breitmachen und den öffentlichen Raum terrorisieren.” Die Jury hebt hervor: “Manja Präkels erzählt davon, aber sie stellt ihr Buch nicht in den Dienst schlichter Thesen. Ihr Roman verwandelt persönliche Erfahrung in die ‘dichte Beschreibung’ der Prozesse in einem sich wandelnden gesellschaftlichen System.”

Der Schweizer Flurin Jecker, geboren 1990 in Bern, erzählt in “Lanz” von dem gleichnamigen, 14-jährigen Jungen, der in einer Projektwoche ein Blog über ein persönliches Thema schreiben soll. Erst sträubt er sich, aber dann öffnet er sich rückhaltlos in einer Art Selbstgespräch. “Lanz spielt mit der Form: Aus dem Blog wird ein Blog über das Blogschreiben und über die altersgemäße Kunst, sich selbst unglücklich zu machen. Über das Selbstbild eines Jungen, der sich als ‘Nichts’ fühlt. Über einen Halbwüchsigen, für den jedes Geschehen aufgeladen ist mit Erwartungen, und der, was misslingt, mit dem Wort ‘lustig’ kommentiert, weil er damit vielleicht souveräner wirkt, als er ist”, begründet die Jury und lobt den Autor, wie er “in seinem hochamüsantem Debüt regionale und alltagssprachliche Elemente zu einer fingierten Mündlichkeit verdichtet, die intensiver Ausdruck eines Schwebezustandes ist, bei dem Schmerz und Freude, Abgeklärtheit und Kindlichkeit von Moment zu Moment und von Satz zu Satz umschlagen.”

Der Jury gehören Susanne Helene Becker (Vorsitzende des Arbeitskreises für Jugendliteratur), Birgit Müller-Bardorff (Vorsitzende der Kritikerjury zum Deutschen Jugendliteraturpreis) und Michael Schmitt (3sat/Kulturzeit) an.

Der Deutsche Literaturfonds und der Arbeitskreis für Jugendliteratur überreichen die Kranichsteiner Jugendliteratur-Stipendien am 15. März um 14.00 Uhr im Saal 1 des Congress Centers auf der Leipziger Buchmesse (15.−18. März).

Juror Michael Schmitt präsentiert die beiden Stipendiaten am Freitag, dem 16. März 2018, um 10.00 Uhr auf der Leipziger Buchmesse am 3sat-Messestand (Glashalle).

Die Kranichsteiner Jugendliteratur-Stipendien werden seit 2006 jährlich vergeben. Sie dienen dazu, deutschsprachige Jugendbuchautoren, die bereits erste überzeugende Titel veröffentlicht haben und eine positive literarische Entwicklung erkennen lassen, in ihrer Position zu stärken. Unabhängig von den Anforderungen des Marktes und unter finanziell gesicherten Lebensumständen ermöglichen sie ihnen, ein nächstes Buchprojekt zu verwirklichen.

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