Alle Verhandlungen bei Energie liegen auf Eis - Lausitzer Rundschau
Wie gehts weiter bei Energie Cottbus?
Als diese Zeilen hier entstehen, gibt es das aktuelle Team von Energie Cottbus schon nicht mehr. Der 1:0-Sieg im Endspiel des Brandenburger Landespokals bei Optik Rathenow war das traurige Finale ­einer Mannschaft, die in den vergangenen drei Jahren erst in der Regionalliga und dann in der 3. Liga zu einer echten Einheit zusammengewachsen ist.

Am Abend nach dem dritten ­Pokalsieg in Serie traf sich das Team zum letzten Mal in gemüt­licher ­Atmosphäre – der Begriff Abschiedsparty ist in diesem Zusammenhang so unpassend wie der Abstieg aus der 3. Liga. Es haben sich alle Spieler für die Zeit in Cottbus bedankt. Ich gehe nicht davon aus, dass wir viele Spieler hier wiedersehen werden, sagte Trainer Claus-Dieter Wollitz am Sonntag der RUNDSCHAU. Die meisten ­Profis waren zu diesem Zeitpunkt schon in Richtung Heimat unterwegs – und wohl auch zu neuen Arbeitgebern.

Mit seinem Treffer in der 53.Minute in seinem letzten Spiel für den FC Energie Cottbus hat Streli Mamba seinen Verein zum dritten Landespokalerfolg in Folge geschossen. Der Stürmer wechselt zum Erstligaaufsteiger SC Paderborn. Beim Regional-Ligavertreter Optik Rathenow hatten die Cottbuser erhebliche Mühe, die unterklassige Mannschaft zu distanzieren. Zwar hatten die Gäste die Mehrzahl an guten Chancen, dreifach durch Rangelow, Mamba und den eingewechselten Geisler, aber Tore sprangen in Spiel eins nach dem Drittligaabstieg nicht raus. Nach dem bitteren Abstieg am letzten Spieltag der abgelaufenen Saison, tat der Sieg der Seele der Fans und dem Geldbeutel des Vereins gut.

Energie Cottbus Trainer Wollitz: Stand jetzt ist Wiederaufstieg utopisch

Torjäger Streli Mamba, der in ­einem sehr zähen Finale gegen den Regionalligisten Rathenow in der 53. Minute den Siegtreffer erzielte, wechselt zu Bundesliga-Aufsteiger SC Paderborn. Marcelo de Freitas wird die Lausitz ebenfalls verlassen.  Das hat er am Wochenende mit einer Internetbotschaft an die Fans bestätigt (Ich brauche in meinem Leben eine neue Herausforderung).

Der FCE hat diese Partie sehr engagiert in der besten Formation bestritten, lediglich Abwehrchef Müller fehlte mit Rückenproblemen, bei Marcelo machten Zahnproblem ein Mitwirken unmöglich. Vor 2.600 Zuschauern in Rathenow, darunter etwa 1.000 Cottbuser Fans, spielte diese Formation vermutlich das letzte Mal in der Zusammenstellung. Wer bleibt und wer geht, steht noch nicht fest.

Auch die sehr emotionale Verabschiedung von Leistungs­trägern wie Fabio Viteritti, José-Junior Matu­wila und Kevin Weidlich von den 700 mitgereisten FCE-Anhängern in Rathenow sah nach Endgültigkeit aus.

Für den FC Energie Cottbus bedeutet dieses 1:0 den dritten Endspielsieg mit dem gleichen Schlussresultat in Folge nachdem im Vorjahr der SV Babelsberg und in 2017 Union Fürstenwalde ebenso knapp im Finale bezwungen wurden. Durch diesen Erfolg zieht der FCE in die erste DFB-Pokalrunde ein, die samt der Einnahmen aus diesem Spiel den Verein um rund 200.000 Euro entlastet.

Zuvor hatte sich das Team noch einmal zu einem Mannschaftsbild direkt vor der Fankurve versammelt – es war das unwiderruflich letzte Bild dieser Mannschaft. Dabei kam zumindest etwas Jubel auf. Zuvor bei der Medaillen­übergabe durch Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) wirkten viele Spieler nachdenklich. Manche Profis konnten nach dem Schlusspfiff genau wie Trainer Claus-Dieter Wollitz auf dem Rasen ihre Tränen nicht zurück­halten. Die vergangenen Tage waren brutal. Wir alle haben immer noch diese Leere nach dem Abstieg in uns. Alle ­kämpfen mit den Emotionen, alle kämpfen mit den Tränen und der Ent­täuschung, sagte der Coach.

Cottbus spielte mit Spahic – Weidlich, Schneider, Matuwila, Bender (70.Hemmerich) – Bohl, Schlüter – Gjasula, Viteritti (80. Geisler) – Mamba, Rangelov (87. Kruse).

Und jetzt, FC Energie Cottbus? Aktuell hat der Klub kein Team mehr. Verträge für die Regional­liga besitzen nur einige Youngster sowie ­Ergänzungsspieler. 200 000 Euro kassiert der FCE für den Einzug in die 1. Runde des DFB-Pokals, die am 15. Juni ausgelost wird. Für das fiktive Heimspiel am 31. Januar 2020 waren bis zum Sonntagnachmittag knapp 3800 Tickets zum Preis von 19,66 Euro verkauft. Sollte das Stadion der Freundschaft ausverkauft sein, kämen etwa 350 000 Euro an Netto-Einnahme zusammen.

All das sind zwar wichtige Bausteine für den Neuaufbau, doch die ganz großen Weichen müssen erst noch gestellt werden. Der Pokalsieg ist eine Erleichterung, er wird aber nicht die grundlegenden Probleme lösen, erklärte Wollitz und ergänzte: Stand jetzt ist ein Wiederaufstieg utopisch. Das muss man auch den Fans so klar sagen.  Ich möchte nicht den Leuten am 1., 2. und 3. Spieltag erklären: ,Wir entwickeln uns noch, obwohl ich weiß, dass die ent­sprechende Qualität gar nicht vorhanden ist.

Die RUNDSCHAU erfuhr: Wegen der unklaren Rahmenbedingungen gab es in den vergangenen Tagen und auch nach dem Pokalsieg ­keinerlei Vertragsverhandlungen über einen Verbleib der Leistungsträger wie Jürgen Gjasula oder ­Robert ­Müller in Cottbus. Dem FCE droht beim Neuaufbau für die Regional­liga die Zeit davonzulaufen.

Für Energie Cottbus beginnt nun eine schwierige Sommerpause. Der Verein muss sich nach dem Abstieg neu sortieren. Am 14. Juni findet die Mitgliederversammlung statt.

Die ersten Testspiele stehenauch fest. Energie trifft in der Vorbereitung auf Frankfurt (Oder) am 22. Juni, Senftenberg (25. Juni), Aue (29. Juni) und SV Großräschen (3. Juli).

Energie Cottbus trifft im Pokal-Endspiel auf Optik Rathenow. Nach dem bitteren Abstieg ist dieses Finale eine mentale Herausforderung. Aber es gibt noch schlimmere ­­Dinge als Abstieg und Pokal­finale ­in­nerhalb von nur einer Woche. Der RUNDSCHAU-Kommentar zur Lage beim FCE.mehr

Während die Fans feierten, rollten bei einigen Fußballern von Energie Cottbus die Tränen. Am Samstag haben die Lausitzer durch einen 1:0-Erfolg beim Regionalligisten Optik Rathenow zum insgesamt neunten und zum dritten Mal in Folge den Landespokal Brandenburg gewonnen. Es war sicher der traurigste Triumph der Vereinsgeschichte.

Eine Woche zuvor war Cottbus aus der 3. Liga abgestiegen. Der Landespokal konnte den Schmerz nicht stillen. Der Abstieg überwiegt, sagte Mittelfeldspieler Lars Bender. Der Sieg vor 1991 Zuschauern im Stadion Vogelgesang sei zwar ein versöhnlicher Abschluss, der für den Verein eine wichtige Einnahme bedeutet. Aber ich weiß nicht, wie es weitergeht.

2016 war Energie schon einmal aus der 3. Liga abgestiegen, vor einem Jahr gelang die vielumjubelte Rückkehr. Doch ob der Club noch einmal eine Aufbruchstimmung erzeugen und den nötigen Etat aufstellen kann, ist sehr fraglich. Trainer Claus-Dieter Wollitz erwartet von der Vereinsführung ein Budget in Höhe von 2 bis 2,5 Millionen Euro, um eine Chance auf den Wiederaufstieg zu haben.

Mittelmaß ist in Cottbus nicht darstellbar, betonte der 53-Jährige, der vor einem Jahr einen Vertrag bis 2020 unterschrieben hat – auch für die Regionalliga. Unklar ist derweil, ob der Trainer und Sportdirektor in Personalunion diesen erfüllt. Vor einem Jahr hätte er offenbar bereits wechseln können, Wollitz fühlt sich der Lausitz und dem Verein jedoch sehr verbunden. Der Pokalsieg ist eine Erleichterung, er wird aber nicht die grundlegenden Probleme lösen, Stand jetzt ist ein Wiederaufstieg utopisch, bedauerte Wollitz. Ich stelle keine Forderungen, ich möchte einfach nur ehrlich sein.

Damit droht die Mannschaft auseinanderzufallen. Angreifer Streli Mamba, der in der 53. Minute das Siegtor erzielte, spielt künftig für den SC Paderborn in der Bundesliga. Das Tor war mein Abschiedsgeschenk für die letzten drei Jahre, sagte der 24-Jährige, der kein Muffensausen vor der Bundesliga hat. Da wird auch nur mit Wasser gekocht. Marcelo de Freitas liebäugelt offenbar mit der Rückkehr nach Brasilien.