Landespokal-Finale Brandenburg: Cottbuser Krise - Rathenows Chance? - rbb|24
Alarmstufe Rot: Wollitz will Klarheit beim FCE
Zweimal in Folge hat Energie Cottbus zuletzt das Pokalfinale gewonnen. Auch in diesem Jahr sind die Lausitzer Favorit – nach dem Abstieg in die Regionalliga sind sie allerdings mental angeschlagen. Ist das die große Chance für Außenseiter Optik Rathenow? Von Andreas Friebel

Eines ist schon vor dem Anpfiff am Samstag (14:15 Uhr, live in der ARD) klar: In dieser Formation wird Energie Cottbus wohl nie wieder auflaufen. Nach dem bitteren Abstieg in die Regionalliga ist ein Großteil der Mannschaft nicht zu halten. Die ersten Angänge sind schon bekannt – Torjäger Streli Mamba wechselt in die Bundesliga nach Paderborn und Marcelo de Freitas kehrt wohl in seine brasilianische Heimat zurück. "Der Frust nach dem Abstieg ist da. Aber ich glaube, es ist wichtig, vernünftig aus dieser Saison zu gehen. Erst recht, wenn fast alle Spieler unseren Klub verlassen sollten", so Trainer Claus-Dieter Wollitz.

Es könnte ein erfolg­reicher, aber zugleich auch schmerzhafter Tag für Energie Cottbus werden. Im Landespokalfinale am Samstag bei Optik Rathenow (14.15 Uhr/LR-Liveticker) wird die aktuelle Mannschaft zum letzten Mal zusammenspielen, ehe sie nach dem Abstieg aus der 3. Fußball-Liga auseinanderfällt.

Die vor dem Absprung stehenden Spieler können allerdings einen großen Beitrag dafür leisten, dass der FCE auch für die kommende Saison in der Regionalliga Nordost einen schlagkräftigen Kader zusammenstellen kann – indem sie den Pokalsieg holen! Der Einzug in die 1. Runde des DFB-Pokals würde etwa 200 000 Euro in die klammen Kassen spülen.

Trainer Claus-Dieter Wollitz machte am Donnerstagmittag bei der Pressekonferenz im Stadion der Freundschaft keinen Hehl aus der großen Sorge, die ihn umtreibt. Die Sorge, ob es dem Verein gelingt, einen konkurrenzfähigen Kader für die Mission Wiederaufstieg zusammenzustellen. Davon hat er auch seinen persönlichen Verbleib abhängig gemacht. Wollitz drängt auf Klarheit über den Finanzrahmen. Ich kann den Spielern nicht sagen, wir verhandeln über Erbsen. Ich will ihm sagen: Wir verhandeln über die Perspektive, in der nächsten Saison Erster zu werden. Diese Rahmenbedingungen muss aber der Klub stellen, betont der FCE-Trainer.

Er schlägt also Alarm. Einerseits weiß der Coach um die vielen Gespräche, die in diesen Tagen hinter den Kulissen von der Vereinsführung um Präsident Werner Fahle geführt werden. Andererseits würde er am liebsten sofort loslegen, um den neuen Kader zu bauen.

Zwei bis 2,5 Millionen sind aus Sicht von Wollitz nötig – also so viel wie in der Aufstiegssaison 2017/18. Davon ist der Verein dem Vernehmen nach aber noch weit entfernt. Diverse Sponsoren haben zwar bekundet, dass sie weitermachen – aber zu ­Regionalliga-Konditionen. Ein weiterer Baustein ist der Verkauf von Tickets für das fiktive Heimspiel am 31. Januar 2020, dem 54. Geburtstag des FCE.  Nur einen Tag nach dem Start der Benefizaktion FC Energie vs. Bedeutungslosigkeit waren am Donnerstag bereits 2000 Karten verkauft.

Alles positive Signale, aber die Zeit drängt. Am liebsten würde ­Wollitz um erfahrene Spieler wie ­Kapitän Dimitar Rangelov, Robert Müller und vor allem Jürgen Gjasula genau wie vor drei Jahren wieder eine junge, hungrige Mannschaft aufbauen. Aber unser Etat steht noch nicht. Deshalb ist es schwer, solche Spieler zu überzeugen, bekennt Wollitz. Er sagt klipp und klar: Mit dem der­zeitigen Etat ­können wir nicht oben angreifen. Wenn sich die Möglichkeiten nicht verbessern, dann ­können wir keine großen Ziele nach außen kommunizieren.

Zumal das aktuelle Team in den nächsten Tagen auseinander­fallen dürfte. Mit Streli Mamba steht der erste Abgang fest. Der Torjäger wechselt wie erwartet zum SC Paderborn und damit in die 1. Bundesliga. Mamba erhielt einen Dreijahres-Vertrag in Paderborn. Auch Marcelo de Freitas steht vor dem Absprung. Er hat den Verein bereits über seine Wechselabsichten informiert. Laut Trainer Wollitz kehrt Marcelo  eventuell in seine Heimat nach Brasilien zurück: Es gibt dort wohl einen Interessenten.

Weitere Spieler werden folgen. Auch Fabio Viteritti, Kevin Weidlich und José-Junior Matuwila dürften in der 3. Liga unterkommen. ­Daniel Bohl steht zwar auf dem Wunschzettel von Wollitz, weil er mit ­seiner Kampfstärke in der Regionalliga Nordost ein wichtiger Faktor sein könnte. Den gebürtigen Saarländer, der im Januar aus Halle nach Cottbus wechselte, zieht es allerdings zurück in seine Heimat. Es ist schwer. Meine Familie kommt aus dem Saarland. Auch Halle war weit weg. Ich persönlich hatte dort eine schwierige Zeit. Ich habe mich danach zwar in Cottbus sehr gut eingelebt, trotzdem bleibt aber die Entfernung zu  meiner Freundin und zu meiner Familie, sagt Bohl gegenüber der RUNDSCHAU. Das macht die ­Sache dann doch ein wenig schwieriger. Ich habe bisher noch gar nicht so sehr darüber nachgedacht. Es war einfach nur Leere im Kopf.

Aktuell haben nur sieben Spieler einen Vertrag für die 4. Liga. Dazu könnten Avdo Spahic und Felix Geisler kommen. Bei beiden kann der Verein eine Option ziehen. Zum Vergleich: 2016 fiel die Abstiegsmannschaft beinahe komplett auseinander. Übrig blieben damals nur die Cottbuser Eigengewächse. Allerdings wurde die damalige Mannschaft ihrem Namen auch nur selten gerecht. Umso schmerzlicher ist es, dass nun eine gut funktionierende Einheit auseinandergerissen wird, weil in Braunschweig dieses verdammte eine Tor (Wollitz) fehlte.

Der Trainer machte zwei Tage vor dem Endspiel gegen Rathenow erst gar keine ­Anstalten, die Finanz­lage schön zu reden. Entweder wir kriegen zusätzliche  Möglichkeiten oder wir können keinen Kader zusammenstellen, der um den Aufstieg mitspielen kann, bekennt der Coach.

Der Pokalsieg am Samstag im ­Stadion Vogelsang in ­Ra­thenow – es wäre der dritte in Serie – ist dabei schon fest eingepreist. Ohne die 200 000 Euro aus dem DFB-­Pokal dürfte es für ­Energie Cottbus in den nächsten Wochen noch deutlich schwerer werden.

Endspurt im Kampf um den Klassenerhalt in der 3. Liga – und Energie Cottbus ist noch mit dabei. RUNDSCHAU-Reporter Jan Lehmann bewertet im Wort zum Spieltag die Konstellation schon jetzt als Erfolg für den FCE. Vor allem, wenn er den Vergleich zu Gegner Braunschweig zieht.mehr