Verdächtiger von Chemnitz: Deutschland schaltet Irak ein - tagesschau.de
Prozess zu Messerangriff von Chemnitz: Angeklagter wirft Pflichtverteidiger raus
Im Tötungsfall von Chemnitz ist ein verdächtiger Iraker bis heute auf der Flucht – nun fahnden offenbar auch irakische Sicherheitsbehörden nach ihm. Laut ARD-Recherchen hat die Bundesrepublik das Land um Hilfe gebeten.

Auf der Suche nach einem der Verdächtigen im Chemnitzer Totschlagsfall erhält die deutsche Justiz nun Hilfe durch den Irak. In Bagdader Regierungskreisen hieß es, die Sicherheitsbehörden fahndeten nach Farhad A., einem irakischen Flüchtling, der unter dem Verdacht steht, Ende August 2018 am Rande des Chemnitzer Stadtfests den Deutschen Daniel H. mit einem Messer getötet zu haben. In deutschen Regierungskreisen hieß es auf Anfrage von NDR, MDR, WDR und “Süddeutscher Zeitung”, die Bundesrepublik habe bereits ein entsprechendes Rechtshilfeersuchen an den Irak gerichtet.

Tötungsdelikt in Chemnitz – Polizei im Irak fahndet nach mutmaßlichem Täter

Am Montag beginnt in Dresden der Strafprozess gegen einen der Verdächtigen in dem Chemnitzer Kriminalfall. Dabei handelt es sich um den Syrer Alaa S., der wegen gemeinschaftlich begangenen Totschlags angeklagt ist. Allerdings deuten die bisherigen Ermittlungsergebnisse darauf hin, dass Farhad A. einen erheblichen Anteil an der Tat gehabt haben dürfte. Er galt als notorisch aggressiv, mehrmals soll er auch durch Messerangriffe aufgefallen sein. Wegen etlicher Straftaten war er polizeibekannt. Der Strafprozess in Dresden würde ohne Farhad A. also unvollständig sein.

Tötungsdelikt Chemnitz: Deutschland bittet Irak um Hilfe

Ein 35-Jähriger wird getötet, als Verdächtige werden zwei Asylbewerber verhaftet. Dem Tötungsdelikt von Chemnitz folgen rechtsradikale Ausschreitungen und scharfe politische Debatten. | mehr

Dabei soll sich Farhad A. zunächst noch in der Stadt versteckt haben. Einer seiner Bekannten, der Iraker Azad S., erklärte in einem Interview mit SZ, NDR, MDR und WDR, er habe Farhad A. kurz nach der Tat für eine Nacht bei sich aufgenommen. Er habe A. angesehen, dass dieser in Schwierigkeiten steckte. Die Ermittlungen haben ergeben, dass sich Farhad A. womöglich von einem Bekannten per Auto nach Leipzig fahren ließ, danach verliert sich seine Spur. Es gilt als wahrscheinlich, dass sich Farhad A. im Ausland versteckt. Die Staatsanwaltschaft wollte sich auf Anfrage zu alledem nicht äußern.

Der Umgang deutscher Behörden mit Farhad A. wirft zudem etliche Fragen auf. A., der aus den Kurdengebieten des Irak stammt, stellte 2016 einen Asylantrag. Als dieser Anfang 2017 abgelehnt wurde, klagte A. beim Verwaltungsgericht. Das Gericht urteilte gegen ihn, allerdings erst Ende 2018, also mehr als anderthalb Jahre später. In der Zwischenzeit soll Farhad A. in Chemnitz etliche Straftaten begangen haben, unter anderem fiel er der Polizei auf wegen Drogenhandels, gefährlicher Körperverletzung und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte. Strafrechtlich verurteilt wurde er aber nur in einem Fall, wegen eines Betäubungsmitteldeliktes.

Auf der Suche nach einem der Verdächtigen im Chemnitzer Totschlagsfall erhält die deutsche Justiz nunmehr Hilfe durch den Irak. In Bagdader Regierungskreisen hieß es, die Sicherheitsbehörden fahndeten nach Farhad A., einem irakischen Flüchtling, der unter dem Verdacht steht, Ende August 2018 am Rande des Chemnitzer Stadtfests den Deutschen Daniel H. mit einem Messer getötet zu haben. In deutschen Regierungskreisen hieß es auf Anfrage von Süddeutscher Zeitung, NDR, MDR und WDR, die Bundesrepublik habe bereits ein entsprechendes Rechtshilfeersuchen an den Irak gerichtet.

Möglicherweise ist es auch nach dem Tod von Daniel H. in den Morgenstunden des 26. August zu Pannen gekommen. Kurz nach der Tat im Chemnitzer Stadtzentrum nahm die Polizei zwei Verdächtige fest: Alaa S., der jetzt vor Gericht steht, sowie Yousif A., der inzwischen wieder freigelassen wurde. Yousif A. berichtete bei seiner richterlichen Beschuldigtenvernehmung am 27. August, dass sein Bekannter Farhad A. an der Auseinandersetzung beteiligt gewesen sei und nach eigener Aussage ein Messer dabei gehabt habe. Trotz dieser Information suchte die Polizei erst fünf Tage später, am 1. September 2018, gezielt nach Farhad A. Zwei weitere Tage später, am 3. September, beantragte die Staatsanwaltschaft Chemnitz einen Haftbefehl gegen ihn.

Nach Veröffentlichung des Haftbefehls zum Chemnitzer Tötungsdelikt ermitteln die Behörden. Die Weitergabe sei “ungeheuerlich”, so Sachsens Vize-Regierungschef Dullig. AfD-Chef Gauland zeigte Verständnis für die Krawalle. | mehr

Nach der Tat wurde in der Nähe des Tatorts ein Messer mit Blutspuren des Opfers Daniel H. gefunden. Spuren des nunmehr Angeklagten Alaa S. finden sich daran nicht. S. wird vor allem von einem Zeugen belastet, der ihn bei stichartigen Bewegungen beobachtet haben will. Allerdings hat der Zeuge erklärt, er habe kein Messer sehen können. Alaa S. beteuert seine Unschuld; er sei gar nicht unmittelbar am Tatort gewesen.

Dabei soll sich Farhad A. zunächst noch in der Stadt versteckt haben. Einer seiner Bekannten, der Iraker Azad S., erklärte in einem Interview mit NDR, MDR, WDR und “SZ”, er habe Farhad A. kurz nach der Tat für eine Nacht bei sich aufgenommen. Er habe A. angesehen, dass dieser in Schwierigkeiten steckte. Die Ermittlungen haben ergeben, dass sich Farhad A. womöglich von einem Bekannten per Auto nach Leipzig fahren ließ, danach verliert sich seine Spur. Es gilt als wahrscheinlich, dass sich Farhad A. im Ausland versteckt. Zu den Umständen der Flucht wollte sich die Staatsanwaltschaft auf Anfrage nicht äußern.

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Nach der Tat wurde in der Nähe des Tatorts ein Messer mit Blutspuren des Opfers Daniel H. gefunden. Spuren des nunmehr Angeklagten Alaa S. finden sich daran nicht. S. wird vor allem von einem Zeugen belastet, der ihn bei stichartigen Bewegungen beobachtet haben will. Allerdings hat der Zeuge erklärt, er habe kein Messer sehen können. Alaa S. beteuert seine Unschuld; er sei gar nicht unmittelbar am Tatort gewesen.

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Möglicherweise ist es auch nach dem Tod von Daniel H. in den Morgenstunden des 26. August zu Pannen gekommen. Kurz nach der Tat im Chemnitzer Stadtzentrum nahm die Polizei zwei Verdächtige fest: Alaa S., der jetzt vor Gericht steht, sowie Yousif A., der inzwischen wieder freigelassen wurde. Yousif A. berichtete bei seiner richterlichen Beschuldigtenvernehmung am 27. August, dass sein Bekannter Farhad A. an der Auseinandersetzung beteiligt gewesen sei und nach eigener Aussage ein Messer dabei gehabt habe. Trotz dieser Information suchte die Polizei erst fünf Tage später, am 1. September 2018, gezielt nach Farhad A. Zwei weitere Tage später, am 3. September, beantragte die Staatsanwaltschaft Chemnitz einen Haftbefehl gegen ihn.

Kurz vor dem am Montag beginnenden Prozess um den tödlichen Messerangriff von Chemnitz im Sommer 2018 hat sich der angeklagte Syrer Alaa S. überraschend von seinem Pflichtverteidiger getrennt. Offenbar war es zwischen den beiden zu Differenzen gekommen.

Der Umgang deutscher Behörden mit Farhad A. wirft zudem etliche Fragen auf. A., der aus den Kurdengebieten des Irak stammt, stellte 2016 einen Asylantrag. Als dieser Anfang 2017 abgelehnt wurde, klagte A. beim Verwaltungsgericht. Das Gericht urteilte gegen ihn, allerdings erst Ende 2018, also mehr als anderthalb Jahre später. In der Zwischenzeit soll Farhad A. in Chemnitz etliche Straftaten begangen haben, unter anderem fiel er der Polizei auf wegen Drogenhandels, gefährlicher Körperverletzung und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte. Strafrechtlich verurteilt wurde er aber nur in einem Fall, wegen eines Betäubungsmitteldeliktes.

Rund sieben Monate nach dem gewaltsamen Tod eines 35-jährigen Deutsch-Kubaners in Chemnitz und den anschließenden Ausschreitungen beginnt am kommenden Montag der Prozess gegen einen der beiden Tatverdächtigen. Dem 22-jährigen Syrer Alaa S. wird gemeinschaftlicher Totschlag vorgeworfen. Ein weiterer Beschuldigter, der 22-jährige Iraker Farhad A., ist nach wie vor auf der Flucht.

Dabei soll sich Farhad A. zunächst noch in der Stadt versteckt haben. Einer seiner Bekannten, der Iraker Azad S., erklärte in einem Interview mit NDR, MDR, WDR und “SZ”, er habe Farhad A. kurz nach der Tat für eine Nacht bei sich aufgenommen. Er habe A. angesehen, dass dieser in Schwierigkeiten steckte. Die Ermittlungen haben ergeben, dass sich Farhad A. womöglich von einem Bekannten per Auto nach Leipzig fahren ließ, danach verliert sich seine Spur. Es gilt als wahrscheinlich, dass sich Farhad A. im Ausland versteckt. Zu den Umständen der Flucht wollte sich die Staatsanwaltschaft auf Anfrage nicht äußern.

Wie FOCUS Online exklusiv erfuhr, hat der Angeklagte Alaa S. kurz vor Beginn des Verfahrens überraschend seinen Pflichtverteidiger ausgetauscht. Demnach trennte er sich wegen unüberbrückbarer Meinungsverschiedenheiten von dem Berliner Rechtsanwalt Oliver Marson. Das bestätigte eine Sprecherin des Landgerichts Chemnitz dem Nachrichtenportal am späten Nachmittag.

Auf der Suche nach einem der Verdächtigen im Chemnitzer Totschlagsfall erhält die deutsche Justiz nun Hilfe durch den Irak. In Bagdader Regierungskreisen hieß es, die Sicherheitsbehörden fahndeten nach Farhad A., einem irakischen Flüchtling, der unter dem Verdacht steht, Ende August 2018 am Rande des Chemnitzer Stadtfests den Deutschen Daniel H. mit einem Messer getötet zu haben. In deutschen Regierungskreisen hieß es auf Anfrage von NDR, MDR, WDR und “Süddeutscher Zeitung”, die Bundesrepublik habe bereits ein entsprechendes Rechtshilfeersuchen an den Irak gerichtet.

Laut der Sprecherin habe die Vorsitzende Richterin der 1. Strafkammer, Simone Herberger, am 28. Februar 2019 verfügt, dass auf Wunsch des Angeklagten ein neuer Pflichtverteidiger bestellt wird. Dabei handelt es sich um den Rechtsanwalt Frank Wilhelm Drücke aus Crimmitschau (Sachsen).

Am Montag beginnt in Dresden der Strafprozess gegen einen der Verdächtigen in dem Chemnitzer Kriminalfall. Dabei handelt es sich um den Syrer Alaa S., der wegen gemeinschaftlich begangenen Totschlags angeklagt ist. Allerdings deuten die bisherigen Ermittlungsergebnisse darauf hin, dass Farhad A. einen erheblichen Anteil an der Tat gehabt haben dürfte. Er galt als notorisch aggressiv, mehrmals soll er auch durch Messerangriffe aufgefallen sein. Wegen etlicher Straftaten war er polizeibekannt. Der Strafprozess in Dresden würde ohne Farhad A. also unvollständig sein.

Neben Drücke wird Alaa S. von einer Wahlverteidigerin vertreten, der renommierten Münchner Rechtsanwältin Ricarda Lang, die unter anderem einen Angeklagten im Terrorverfahren gegen die sogenannte Sauerland-Gruppe verteidigt hatte.

Nach der Tat wurde in der Nähe des Tatorts ein Messer mit Blutspuren des Opfers Daniel H. gefunden. Spuren des nunmehr Angeklagten Alaa S. finden sich daran nicht. S. wird vor allem von einem Zeugen belastet, der ihn bei stichartigen Bewegungen beobachtet haben will. Allerdings hat der Zeuge erklärt, er habe kein Messer sehen können. Alaa S. beteuert seine Unschuld; er sei gar nicht unmittelbar am Tatort gewesen.

Bis Mitte dieser Woche hatte Alaa S. noch einen zweiten Wahlverteidiger. Doch nach FOCUS-Online-Informationen hat Professor Bernd Max Behnke aus Löffingen (Baden-Württemberg) am Mittwoch sein Mandat niedergelegt.

Lesen Sie mehr: FOCUS Online exklusiv – Mutter des in Chemnitz erstochenen Daniel H.: "Habe keinen Hass auf Flüchtlinge" 

Alaa S. und der zweite Angeklagte sollen am Morgen des 26. August 2018 während eines Streits in der Chemnitzer Innenstadt mit einem Messer auf Daniel H. eingestochen haben. Der Tischler erlitt einen Herzstich sowie einen Lungendurchstich und starb kurz danach in einem Krankenhaus. Ein zweiter Mann, den die beiden Ausländer ebenfalls angegriffen haben sollen, wurde durch einen Stich in den Rücken schwer verletzt.

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