Stimmungsbild vor Besuch von Kanzlerin Merkel in Chemnitz
Merkel spricht über die Wut in Chemnitz – Bürger widerspricht ihrer Erklärung
Es war ein mit Spannung erwarteter Besuch: Am Freitag ist Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nach Chemnitz gekommen – Monate nach dem gewaltsamen Tod eines 35-Jährigen und den rechtsradikalen Ausschreitungen in der Stadt. 

Schon vorab gab es Kritik an ihrem Besuch. In einem Gespräch mit Bürgern, organisiert von der “Freien Presse”, erklärte Merkel am Freitagnachmittag, was sie sich von ihrer Reise nach Chemnitz erhofft. 

Chemnitz – 2002 nahm Bundeskanzlerin Angela Merkel (64, CDU) ein Bad in der Menge: Vorm Rathaus plauderte sie mit Chemnitzern, damals war sie “nur” CDU-Vorsitzende. Das ist sie auch jetzt noch – von Volksnähe ist sie aber weiter entfernt denn je.

Und: Der Besuch in Chemnitz kommt zu spät. Als die Flutkatastrophe rund um Frankfurt/Oder die Region erschütterte, stand Oppositionsführer Gerhard Schröder sofort in Gummistiefeln mitten in der Katastrophe. Chemnitz ist seit dem 26. August auch ein Krisengebiet – die Bluttat rund ums Stadtfest und die Folgen sind eine gesellschaftliche Katastrophe.

Große Führungspersönlichkeiten zeichnet auch ein gutes Krisenmanagement aus. Genau das hat hier aber gefehlt. Das Rathaus wirkte hilflos, versuchte aber wenigstens, der Situation Herr zu werden. Die Landesregierung war da schon ein ganzes Stück souveräner. Von ganz oben kam aber gar nichts.

Den Ausgangspunkt der Krise – den Tatort – hat Merkel gestern nicht gesehen. Was sie gesehen hat, waren junge, gut integrierte Sportler. Was sie gesehen hat, waren von der Stadt auserwählte Bürger und Politiker. Und am Ende durften ausgewählte Leser einer Tageszeitung einige Fragen stellen.

Der Besuch von Angela Merkel am Freitag war auf seine Art auch eine Katastrophe. Und er war vor allem eins: viel zu spät.