Bestmöglicher Saisonauftakt für die Eisbären Bremerhaven
Crailsheim: Viel Lehrgeld im dritten Viertel
Entgegen der letzten Spielzeit gewannen die Eisbären Bremerhaven ihr erstes Punktspiel in der Basketball-Bundesliga gegen den Aufsteiger HAKRO Merlins Crailsheim mit 93:80 (38:44).

Was für ein Ausrufezeichen des Australiers Ben Madgen in seinem ersten Punktspiel für die Hakro Merlins Crailsheim und seiner ersten Partie in der deutschen Bundesliga überhaupt. 31 Punkte erzielte der Shooting Guard in Bremerhaven, traf dabei sieben seiner zwölf Dreierversuche. Zum Vergleich: Der Punktebestwert in der vergangenen BBL-Saison lag bei 38 Zählern. Der Gießener John Bryant, am Mittwoch mit seinem Team Gegner der Merlins, war gegen Oldenburg heiß gelaufen. Aber: Das hatte nicht zum Sieg gereicht (95:99). Und auch am Freitagabend hatte die Mannschaft mit dem Topscorer letztlich das Nachsehen. Die Crailsheimer Basketballer fanden im dritten Viertel kein Mittel, die Eisbären Bremerhaven zu stoppen, und verloren die Partie mit 80:93. Zur Halbzeit hatten die Merlins noch mit 44:38 geführt.

Der Crailsheimer Coach Tuomas Iisalo hatte in der Startformation Frank Turner, Ben Madgen, Michael Cuffee, Joe Lawson und Philipp Neumann ins Rennen geschickt. Konrad Wysocki, der einzige verbliebene Merlin aus der BBL-Saison 2015/16, nahm zunächst auf der Bank Platz. Bei Bremerhaven war ebenfalls noch ein Akteur aus dieser Spielzeit an Bord. Fabian Bleck war beim letzten Aufeinandertreffen der beiden Klubs, das die Eisbären am 24. April 2016 72:64 gewonnen hatten, damals aber nicht zum Einsatz gekommen.

Am Freitagabend verlief das Spiel zunächst ausgeglichen. Zwei Dreier von Madgen und einer von Frank Turner sowie ein Floater des Merlins-Spielmachers sorgten dafür, dass Bremerhavens Trainer Arne Woltmann nach knapp fünf Minuten die Auszeit nahm (9:11). Die zeigte Wirkung: Die Hausherren zogen auf 17:11 davon, hielten bis Ende des Viertels eine Fünf-Punkte-Führung (21:16). Vor allem unter dem Korb hatte Bremerhaven Vorteile, kam oft mit Bodenpässen in die Zone zum Erfolg. Crailsheim verlegte sich auf Würfe von außen (vier von elf Dreiern), musste nach zehn Minuten aber schon fünf Ballverluste verschmerzen.

Center Sherman Gay, vergangene Saison in der Pro A der beste Punktesammler der ganzen Liga, kam gar nicht ins Spiel, verlegte einfache Bälle und hatte defensiv große Probleme mit Keith Benson, der mit 23 Punkten und acht Rebounds erfolgreichster Korbjäger der Eisbären war. Trotzdem kamen die Merlins wieder ran, gingen nach knapp 14 Minuten nach zwei Dreiern von Michael Cuffee sogar mit 29:25 in Führung. Woltmann bat seine Mannschaft erneut zur Auszeit und tobte an der Bande, warf sein Taktikbrett wutentbrannt auf den Boden. Ben Madgen trug seinen Teil dazu bei, dass der Trainer wütend war. Nach 15 Minuten stand der Australier in Diensten der Merlins schon bei 14 Punkten, zur Halbzeit waren es 18 (vier von sieben Dreiern). Er war damit hauptverantwortlich dafür, dass Crailsheim mit 44:38 in die Pause ging – zwei tolle Blocks von Philipp Neumann und Joe Lawson nicht zu vernachlässigen.

Das Zusammenspiel klappt bislang, der Ball läuft gut. Das hat uns letzte Saison schon ausgezeichnet, sagte der sportliche Leiter Ingo Enskat in der Halbzeit am Telefon. Wir haben am Anfang ein bisschen gebraucht, um ins Spiel zu kommen. Ben hat eine tolle Wurfauswahl, wird auch gut freigespielt von der Mannschaft. In der Verteidigung ist noch Luft nach oben. Wir lassen in einigen Aktionen zu einfache Körbe zu. Wir müssen besser rebounden, besser die Penetration stoppen, die einfachen Aktionen wegnehmen.

Aus der Pause kamen die Hausherren deutlich besser. Chris Warren, der am Ende 22 Punkte und acht Assists auf dem Konto hatte, erzielte sechs Zähler und verkürzte damit auf 44:46. Frank Turners Dreier konterte Bremerhaven direkt. Fabian Bleck brachte die Seinen mit einem Zweier mit 50:49 in Führung. Auszeit Merlins. Doch die Eisbären erhöhten auf 55:49. Das Spiel schien Crailsheim zu entgleiten. Scharfschütze Brion Rush, vergangene Saison in Göttingen mit 97 verwandelten Dreiern in dieser Kategorie bester Spieler in der gesamten BBL, blieb völlig kalt an diesem Tag (nur drei Punkte), leistete sich zudem fünf Ballverluste. Bremerhaven kam insgesamt nur auf sechs Turnover, Crailsheim auf 15. Auch ein Schlüssel zum Erfolg beziehungsweise Misserfolg.

Jordan Brangers traf den Dreier (58:49). Nach einem weiteren Dreier von Elston Turner hieß es eine Minute vor Viertelende sogar 65:53 für Bremerhaven. Letztlich stand nach 30 Minuten ein 67:56 auf der Anzeigetafel. Mit 29:12 gewannen die Eisbären das dritte Viertel, in dem sie Ben Madgen völlig aus dem Spiel nehmen konnten (null Punkte).

Im Schlussabschnitt verkürzten Neumann und Cuffee mit erfolgreichen Würfen auf 63:67. Die Wende schien greifbar. Aber Bremerhaven hielt dagegen und zog bei noch fünf Minuten wieder auf elf Punkte davon (78:67), angetrieben von Chris Warren und Keith Benson. Beim Stand von 81:67 bei noch vier Minuten auf der Uhr nahm Iisalo noch einmal eine Auszeit. Doch nach dem Dreier von Elston Turner zum 88:69 war die Partie entschieden (2.28 Minuten). Sie endete mit 93:80 für Bremerhaven.

Das schwache dritte Viertel hat uns den Sieg gekostet, sagte Ingo Enskat nach dem Spiel. Chris Warren und Keith Benson seien in Kombination heiß gelaufen in diesem Spielabschnitt. Da haben wir noch Lehrgeld gezahlt. Wir konnten keine Lösung finden, sie zu stoppen. Dadurch ist auch unsere Offensive ins Stocken geraten, so Enskat. Wir haben es im dritten Viertel auch vermissen lassen, Ben weiter ins Spiel einzubeziehen. Da hätten wir ihn noch besser nutzen müssen.

Insgesamt sei es eigentlich kein schlechter Start gewesen, erklärte Enskat. Dadurch, dass wir den Gegner im dritten Viertel aber nicht stoppen konnten, haben wir verdient verloren. Gegen Gießen im Heimspiel am Mittwoch müssen wir uns noch einmal deutlich steigern.

Bremerhaven: Benson (23 Punkte, 8 Rebounds), Bleck (4), Brangers (14), Breitlauch (4), Canty, Jackson (8), Jenkins (3), E. Turner (13, 3 von 5 Dreiern), Warren (22, 2 von 2 Dreiern, 8 Assists), Wimberg (2)

Crailsheim: Gay (6), Wysocki, F. Turner (16), Herrera (5), Neumann (8, 9 Rebounds), Cuffee (11), Ferner, Rush (3, 6 Assists), Madgen (31, 7 von 12 Dreiern, 6 Rebounds), Lawson

Niederlagen in Folge haben die Hakro Merlins Crailsheim in der Basketball-Bundesliga nun kassiert. Der letzte Sieg datiert vom 27. Dezember 2015 (89:80 gegen Hagen).

Merlins-Coach Tuomas Iisalo, mit 36 Jahren der jüngste Trainer in der Basketball-Bundesliga, wartet noch immer auf seinen ersten Sieg in der BBL. Die zehn Spiele unter seiner Regie in der deutschen Eliteklasse in der Saison 2015/16 hatten die Crailsheimer allesamt verloren. Nun kam Nummer 11 hinzu. Für die Merlins war es im fünften BBL-Aufeinandertreffen mit Bremerhaven die vierte Niederlage. Der einzige Sieg gelang am 4. Dezember 2015 (81:66). jom

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