Werder feiert Heimsieg:Bremen ballert Schalke tiefer in die Krise - n-tv NACHRICHTEN
Werder – Schalke 4:2! Domenico Tedesco darf trotz Pleite bleiben
Schalke 04 nähert sich rasant den Abstiegsplätzen der Fußball-Bundesliga. Die Königsblauen warten nun seit sieben Spielen auf einen Sieg, weil auch bei Werder Bremen nichts zu holen ist für das Team von Trainer Tedesco, der weiter um seinen Job zittern muss.

Das Spiel verloren, aber mit einer zeitweise starken Leistung möglicherweise die Position des angeschlagenen Trainers Domenico Tedesco gestärkt: Trotz einer über weite Strecken ordentlichen Auftritts hat Schalke 04 auch bei Werder Bremen nicht punkten können. Der Vize-Meister musste sich an der Weser unglücklich mit 2:4 (1:1) geschlagen geben, sammelte aber zumindest in Hälfte eins Argumente für eine Weiterbeschäftigung seines Coaches.

Die Führung war verdient, Schalke machte ein gutes Auswärtsspiel und hätte beinahe noch nachgelegt: Skrzybski verfehlte den Kasten nur knapp (30.). Umso schmerzhafter dürfte dann die 31. Minute die Knappen getroffen haben: In dieser flankte der umtriebige Kruse von links nach innen und fand Rashica, der mit Glück und Geschick zum 1:1 traf. Bei der Entstehung des Treffers gab es jedoch eine knifflige Szene, denn der wohl haarscharf im Abseits stehende Pizarro hatte Nastasic gebunden und war obendrein aktiv zum Ball gegangen – passives Abseits oder nicht? Aus Köln kam keine Intervention und der Treffer zählte.

Nach furiosem Beginn gingen die Gäste durch Breel Embolo, der das entscheidende Laufduell gegen Ludwig Augustinsson gewann (26.), in Führung. Fünf Minuten später konnten die Hanseaten ausgleichen, Milot Rashica traf mit einem Flachschuss. Sechs Minuten nach Wiederbeginn traf Werder-Kapitän Max Kruse nach Videobeweis per Foulelfmeter, ehe erneut Rashica erfolgreich war (73.). Breel Embolo (85.) konnte noch einmal für die Gäste verkürzen, ehe Martin Harnik (90.+4) für den Endstand sorgte.

Nach einer ausgeglichenen Viertelstunde bekamen die Königsblauen jedoch zusehends besseren Zugriff auf das Spiel. S04 trat beherzt auf, trug den Ball rasch nach vorne und hatte durch Nastasic den nächsten Hochkaräter auf dem Fuß. Bremens Schlussmann Pavlenka parierte jedoch glänzend (20.), war etwas später dann aber machtlos, als McKennie einen langen Ball zielgerichtet in den Lauf von Embolo verlängerte, dieser dann Augustinsson narrte und sicher zum 1:0 vollendete (26.).

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Ein Lichtblick war aber vor allem für Tedesco der durchaus engagierte Auftritt seines Teams, das nach einer bislang ganz schwachen Rückrunde bis auf Platz 14 abgestürzt ist. Der Coach reagierte schon mit seiner Aufstellung auf die seit Wochen schwachen Vorstellungen seiner Profis und verbannte Mark Uth, Hamza Mendyl und Amine Harit aus dem Kader.

Insgesamt machte Werder in dieser Phase den stabileren Eindruck und durfte nach 73 Minuten ein weiteres Mal jubeln: Eggestein verlängerte eine Kruse-Flanke von rechts gekonnt zu Rashica, der sich bedankte und seinen Doppelpack schnürte. Das 3:1 war keineswegs die Entscheidung. Zunächst hielt Nübel seine Farben mit starken Paraden gegen Kruse (79.) und Veljkovic (80.) weiter im Spiel, ehe Embolo bei einer Ecke per Kopf noch einmal den Anschlusstreffer verkürzte (85.).

"Wir haben uns für diesen Kader entschieden. Es geht nicht darum, dass wir mit dem Finger auf jemanden zeigen und sagen, das sind die falschen Jungs. Die aktuelle Situation ist wichtig und wir haben uns nun für den aktuellen Kader entschieden", sagte der neue Sportvorstand Jochen Schneider vor dem Anpfiff bei Eurosport. Vor den Augen des Nachfolgers von Christian Heidel präsentierten sich die Westdeutschen von der ersten Minute an hellwach und hätten schon früher in Führung gehen müssen. Werder-Torwart Jiri Pavlenka war in der Anfangsphase mehrfach gefordert, die Bremer Abwehr wackelte bedenklich.

Da hatte Bremens Bartels nach langer Verletzungspause sein Comeback gegeben – letztmals hatte er am 9. Dezember 2017 beim 2:1 in Dortmund auf dem Platz gestanden. Ein anderer Joker sorgte jedoch für den Schlusspunkt in diesem mitreißenden Spiel: Harnik, in der 67. Minute gekommen, köpfte in der 90. Minute zunächst noch knapp vorbei, ehe er in der vierten Minute der Nachspielzeit doch noch ins Schwarze traf und den 4:2-Endstand markierte.

Das 100. Bundesligaduell zwischen diesen beiden Traditionsklubs war auf jeden Fall eines der besseren Sorte. Denn spätestens nach dem zu diesem Zeitpunkt eher glücklichen Ausgleich fanden auch die Gastgeber besser ins Spiel und sind weiterhin die einzige Mannschaft mit mindestens einem Torerfolg in jedem Match. Das ohnehin schon hohe Tempo ließ auch nach dem Seitenwechsel nicht nach. Tedesco trieb seine Schützlinge immer wieder nach vorne, ganz gezielt wurden die Schalker Angriffe über die Bremer Schwachstelle Augustinsson vorgetragen. Beide Teams wollten die den Sieg unbedingt, die 42.100 Zuschauer im ausverkauften Weserstadion bekamen ein Spektakel geboten.

Die Partie wogte hin und her, mehrfach lagen weitere Treffer in der Luft. Auch Tedescos Kollege Florian Kohfeldt war bis in die Schlussphase hinein auf Offensive aus und ersetzte Oldie Claudio Pizarro durch den kopfballstarken Martin Harnik. Bremen bestimmte die zweite Hälfte klar, auch wenn es am Ende noch mal spannend wurde. In der 84. Minute feierte zudem Fin Bartels nach 448 Tagen sein Bundesliga-Comeback bei Werder.

Die Schalker Hoffnung auf eine Trendwende in Bremen platzte letztlich – und das trotz eines couragierten Auftritts. In einem chancen- und torreichen Spiel lieferten die Knappen dem SV Werder einen packenden Fight, standen am Ende aber mit leeren Händen da, auch weil knifflige Situationen gegen sie entschieden wurden.

Das Job-Endspiel in Bremen verliert Tedesco mit 2:4. Der neue Sportvorstand Jochen Schneider (48) fordert vor dem Spiel bei Eurosport: Es muss eine Trendwende in der Leistung sein. Das kann man nicht am Ergebnis festmachen.

Danach sagt er: Ja, wir wollten eine Trendwende in der Leistung – die haben wir bis zum 1:2 gesehen.

S04 musste fortan mal wieder einem Rückstand hinterherjagen, steckte den Kopf aber nicht in den Sand und blieb bemüht. Gegen clevere Bremer taten sich die Gelsenkirchener jedoch im weiteren Verlauf offensiv schwer, sorgten kaum noch für Gefahr – lediglich Skrzybski prüfte Pavlenka (62.).

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Aufsichtsrats-Boss Clemens Tönnies (62) sitzt in Bremen auf der Tribüne, geht noch vor dem Schlusspfiff ins Innere des Stadions. Eine Stunde nach Spielende gibt es für Tedesco dann die vorläufige Job-Garantie. Kommende Woche geht es in der Champions League gegen Manchester City, dann in der Liga gegen Leipzig.

Für Werder geht es am Sonntag, den 17. März, ab 13.30 Uhr bei Bayer 04 Leverkusen weiter. Schalke ist bereits am Dienstag (21 Uhr) in der Champions League bei Manchester City gefordert, ehe am Samstag darauf (15.30 Uhr) das Heimspiel gegen Leipzig wartet.

Was Tedesco gerettet hat: Seine Mannschaft spielt vor allem in der ersten Halbzeit ordentlich, sieht nicht so aus, als wolle sie den Trainer loswerden. Mendyl, Harit und Uth schmeißt Tedesco nach dem 0:4 vergangene Woche gegen Düsseldorf aus dem Kader.

Bremens Trainer Florian Kohfeldt wechselte gegenüber dem 1:1 in Wolfsburg zweimal: Veljkovic verteidigte für Langkamp (Schulterverletzung), vorne stürmte der erfahrene Pizarro anstelle von Johannes Eggestein (Bank).

Er will nur Spieler, die für ihn, für Schalke und gegen den Abstieg kämpfen. Gegen Werder gewinnt Schalke 55 Prozent Zweikämpfe, feuert 15 Torschüsse ab.

Woran er jetzt arbeiten muss: Der letzte Sieg liegt schon 48 Tage zurück. In den letzten drei Ligaspielen kassierten die Gelsenkirchner elf Gegentore. Schalke spielt die schlechteste Saison seit 26 Jahren.

Das Spiel gegen Bremen entscheiden Kleinigkeiten. Und Schalke hat nach seinem Führungstor durch Embolo (26.) bei Gegentoren zweimal Pech mit den Schiri-Entscheidungen.

► 31. Minute: Rashica lässt den Ball geschickt ins Tor tropfen – 1:1. Diskussionswürdig – weil Pizarro mehr aktiv als passiv im Abseits steht.

► 49. Minute: Rashica bringt den Ball flach vor das Schalker Tor, Kruse kommt ins Stolpern – weil ihm Bruma in die Hacken läuft? Schiedsrichter Martin Petersen entscheidet nach Video-Check auf Elfmeter. Kruse verwandelt zum 2:1 (51.).

Werder dreht das Spiel und gibt die Führung nicht mehr aus der Hand. Rashica legt seinen zweiten Treffer drauf (73.), auch Embolo macht einen Doppelpack (85.). Harnik setzt mit einem Konter den Schlusspunkt (90.+4).

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