Ein Marsmaulwurf aus Bremen
Gefährliches Manöver: Nasa-Roboter “InSight” ist auf dem Mars gelandet
Millionen von Kilometern entfernt arbeitet jetzt ein von Menschen gebauter Roboter, um für uns die Geheimnisse des Roten Planeten zu lüften.

Die Nasa-Sonde InSight ist erfolgreich auf dem Mars gelandet. Nach einem halben Jahr Anflug (rund 485 Millionen Kilometer) glückte das hochkomplizierte etwa sechsminütige Landemanöver in der Ebene Elysium Planitia nördlich des Mars-Äquators.

Die MPI-Wissenschaftler erhoffen sich erstmals aussagekräftige geophysikalische und seismologische Daten vom Mars, die Einblick in das Innenleben des Nachbarplaneten ermöglichen. “Wir wollen verstehen, wie sich der Mars seit seiner Entstehung entwickelt hat – und warum er sich heute so deutlich von der Erde unterscheidet”, sagt Ulrich Christensen, Direktor des beteiligten MPI und Mitglied des dortigen Seismometer-Teams. Es ist das erste Mal seit der Astronauten-Mission Apollo 17 im Jahr 1972, dass Wärmefluss-Messungen auf einem anderen Himmelskörper durchgeführt werden. Die Daten sollen nicht nur dazu beitragen, den Aufbau des Planeten Mars besser zu verstehen, sie ermöglichen nach Auskunft der Wissenschaftler auch Rückschlüsse auf die frühe Entwicklung der Erde.

Bei jedem kleinen Schritt auf ihrer letzten Etappe – dem Abkoppeln vom Antrieb, dem Eindringen in die Mars-Atmosphäre, dem Entfalten des Fallschirms und dem Zünden der Bremsraketen – klatschten die Wissenschaftler in der Kommando-Zentrale in Pasadena (Kalifornien) Beifall. Am Ende ertönte dann Riesenjubel, als klar war, dass der Roboter die Oberfläche des Roten Planeten planmäßig erreicht hat.

Die NASA hatte die Landung am Montagabend per Livestream aus dem Kontrollzentrum in Washington übertragen. Im MPI in Göttingen fieberten zahlreichen Interessierte bei einem Public Viewing mit – ehe um kurz vor 21 Uhr die Bestätigung für die erfolgreiche Landung der Sonde nördlich des Mars-Äquators, nur rund 500 Kilometer vom noch aktiven NASA-Rover “Curiosity” entfernt, folgte. Wenige Minuten später folgte der nächste Applaus, als das erste von “InSight” übertragene Bild vom Mars auf den Bildschirmen zu sehen war.

Leben auf dem Mars: Warum bist du so gottverdammt tot?

Was ein wunderbarer Tag für die Nasa, sagte der Chef der US-Raumfahrtbehörde, Jim Bridenstine, der im Kontrollzentrum dabei war. Es war so intensiv, man konnte die Emotionen fühlen. US-Vizepräsident Mike Pence gratulierte per Telefon.

Nasa-Mission InSight: Mars-Landung jetzt im Live-Stream

Nur wenige Minuten nach dem Aufsetzen erreichte die Kommandozentrale das erste Foto der Sonde. Zu sehen ist nicht viel, denn die verschmutzte Schutzkappe bedeckt noch die Linse. Für die Forscher ist es aber von höchstem Wert. Es bedeutet: Die Kamera funktioniert, die Funkverbindung arbeitet einwandfrei – und das alles in vielen Millionen Kilometern Entfernung von der Erde.

So aber scheint der Mars tot zu sein, obwohl die Nasa den Roten Planeten einen Zwilling der Erde nennt. Denn vor vier Milliarden Jahren waren beide gleich, so der Stand der Forschung. Die Zwillinge waren warm und nass und hatten eine dicke Atmosphäre. Auf der Erde entstanden in den Ozeanen erste einfältige, einzellige Lebensformen. Auch der Mars hatte reichlich Wasser, noch heute ziehen sich Adern von ausgetrockneten Strömen über den Planeten, die in kahle Ebenen münden, womöglich einst Meere. Dort könnte eine von der Erde unabhängige, zweite Geburt des Lebens stattgefunden haben.

Toll für Fans: InSight, dessen Mission die beteiligten Nationen etwa 900 Millionen Euro kostet, soll nicht nur Wissenschaftler mit Informationen füttern, sondern auch die Raumfahrt-Fans in aller Welt. Der Roboter hat dafür seinen eigenen Twitter-Kanal.

Im Gegensatz zu Schmidt meißelt Grott natürlich nicht selbst. Er forscht am Institut für Planetenforschung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt in Berlin und besteigt keine Raumschiffe. Aber Grott hat einen Bohrer samt Labor mitentwickelt, das am Montagabend um 21 Uhr deutscher Zeit auf dem Mars ankommt, an Bord der Nasa-Raumsonde Insight. Geht alles gut, wird im Januar ein Roboterarm der Insight Grotts Marsmaulwurf genanntes Labor HP3 auf den Boden vor sich platzieren – damit steht dann ein komplett in Deutschland gebautes Ding auf dem Roten Planeten.

Landung am Montag – Mars-Maulwurf auf der Zielgeraden

Die Forscher warten nun darauf, dass der Roboter innerhalb der nächsten Stunden seine Solar-Schirme entfaltet und seinen eigenen Strom produzieren kann – die Voraussetzung für seinen Messarbeiten.

Raumfahrt – Ein Bohrer für den Mars

Denn InSight soll mit zahlreichen wissenschaftlichen Instrumenten über einen Zeitraum von zwei Jahren den Mars untersuchen und vor allem mehr über den Aufbau des Planeten und die Dynamik unter seiner Oberfläche in Erfahrung bringen. Sobald der Lander sicher steht, soll im direkten Umfeld die Suche nach passenden Standorten für die mitgebrachten Messgeräte beginnen. Ein Roboterarm soll sie an die optimale Position heben.

Ein in Deutschland entwickeltes Gerät, eine Art Marsmaulwurf, soll sich dann fünf Meter tief in den Boden bohren. Die insgesamt rund 650 Millionen Euro teure Mission ist auf zwei Jahre angelegt.

Für die entsprechenden Messungen sind Geräte des Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der französischen Raumfahrtagentur Cnes an Bord: Das DLR hat für die Mission den Maulwurf HP3 entwickelt, der sich nach der Landung bis zu fünf Meter tief in den Boden graben soll, um dort Temperatur und Wärmeleitfähigkeit zu erforschen. Gelingt die Operation, dann wäre es das tiefste Loch, das bislang mit menschengemachter Technik auf einem fremden Himmelskörper entstand.

Nächste Woche wird ein Maulwurf auf dem Mars ausgesetzt. Er soll sich in den Boden graben und dort Messungen durchführen.

Ticker zur InSight-Mission: InSight ist auf dem Mars gelandet

Wachsen Pflanzen eigentlich auch unter verminderter Schwerkraft? Am Montag starten deutsche Forscher einen Tomaten-Test im Weltraum.

Feuriger Eintritt: Ein Hitzeschild bewahrt Mars InSight beim Eintritt in die Marsatmosphäre vor dem Verglühen.

▶︎ Zuletzt hatte die Nasa 2012 den Rover Curiosity erfolgreich auf den Mars gebracht. Landungen auf dem roten Planeten gelten als extrem schwierig – nur rund 40 Prozent aller bisher weltweit gestarteten Mars-Missionen waren der Nasa zufolge erfolgreich. Die USA sind das bisher einzige Land, das es geschafft hat, funktionierende Forschungsrover auf dem Mars abzusetzen.

Die letzten Sekunden: Nach Reibung und Fallschirm sorgen Bremsdüsen für eine weiche Landung von Mars InSight.

Computeranimation von “InSight”: Der stationäre Roboter soll mehr über Aufbau und Dynamik der Marsoberfläche herausfinden. (Quelle: dpa)

Zu sehen auf der Videoplattform Youtube unter dem Suchbegriff Mission Control Live: NASA InSight Mars Landing. Die Sonde soll sich langsam in bis zu fünf Meter Tiefe eingraben und Daten sammeln, die helfen sollen, den Aufbau des Mars besser zu verstehen und Rückschlüsse auf die frühe Entwicklung der Erde zu ermöglichen. Die Mission kostet rund 650 Millionen-Euro-Mission.

Jubel und Freudentränen bei der Nasa: Nach dem Rover “Curiosity” im Jahr 2012 ist nun auch der Roboter “InSight” erfolgreich auf dem Mar gelandet. Mit an Bord ist ein deutscher “Marsmaulwurf”.

Der Nasa-Roboter “InSight” ist auf dem Mars gelandet. Nach einer rund 485 Millionen Kilometer langen Reise setzte der im Mai gestartete Lander “InSight” am Montag in der Ebene Elysium Planitia nördlich des Mars-Äquators auf dem roten Planeten auf. “Landung bestätigt” klang es aus den Lautsprechern im Kontrollzentrum im kalifornischen Pasadena – und die allesamt in dunkelrote Hemden gekleideten Wissenschaftler der US-Raumfahrtbehörde Nasa brachen in Klatschen, Jubel, Umarmungen und Freudentränen aus. Nach dem Eintritt in die Mars-Atmosphäre war der Roboter mithilfe von Bremsraketen und einem Fallschirm in einem äußerst komplizierten Manöver abgesenkt worden.

Der Countdown läuft: Der am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) entwickelte und gebaute Marsmaulwurf HP3 ist im Anflug.

“Was ein wunderbarer Tag für die Nasa”, sagte der Chef der US-Raumfahrtbehörde, Jim Bridenstine, der im Kontrollzentrum dabei war. “Es war so intensiv, man konnte die Emotionen fühlen.” Nur Sekunden nach der Landung habe ihm US-Vizepräsident Mike Pence per Telefon gratuliert. Der Roboter schickte unterdessen bereits ein erstes Foto, auf dem ein Stück der Oberfläche des Planeten und des Horizonts zu sehen sind – und ziemlich viel Staub auf der Linse. Ob “InSight” (“Interior Exploration using Seismic Investigations, Geodesy and Heat Transport”) voll funktionsfähig ist, wird sich in den kommenden Tagen herausstellen.

Patrick Illinger, geboren 1965, studierte Physik in München. Nach einer Promotion über Antimaterie am Europäischen Forschungszentrum Cern bei Genf wandte er sich dem Journalismus zu. Beim Bayerischen Rundfunk absolvierte er ein Hörfunk- und Fernsehvolontariat, wo er unter anderem einen Dokumentarfilm über den Bosnien-Krieg drehte. Daraufhin arbeitete er zwei Jahre als Redakteur für Forschung und Technik beim Magazin Focus. 1997 kam Illinger zur Süddeutschen Zeitung, wo er zunächst für Computer- und Technikthemen verantwortlich war. Nachdem er von 1999 bis 2001 als Chefredakteur von sueddeutsche.de den Online-Auftritt der SZ aufgebaut hatte, übernahm er 2002 die Leitung des Ressorts Wissen der SZ.

Ingenieur Kris Bruvold jubelt im Jet Propulsion Laboratory der NASA, als der InSight-Lander auf dem Mars landet. Der Nasa-Roboter InSight ist auf dem Mars gelandet. (Quelle: dpa)

Warum die Mars-Landung nicht live übertragen wird

Der 360 Kilogramm schwere Roboter kann nicht rollen, sondern bleibt an einem Ort. Der Landeplatz liegt in einer Region, die weitgehend eben und frei von größeren Steinen und Felsen ist. Bisherige Mars-Missionen haben das Gebiet noch nicht vom Boden aus erkundet.

Mit zahlreichen wissenschaftlichen Instrumenten soll der Roboter nun den Mars untersuchen und vor allem mehr über den Aufbau des Planeten und die Dynamik unter seiner Oberfläche in Erfahrung bringen. Sobald der Lander sicher steht, soll im direkten Umfeld die Suche nach passenden Standorten für die mitgebrachten Messgeräte beginnen. Ein Roboterarm soll sie an die optimale Position heben.

Der InSight Lander der NASA soll am heutigen Montag um ca. 15 Uhr EST (21 Uhr deutscher Zeit) auf dem Mars landen. Die Live-Übertragung der InSight-Marslandung durch NASA-TV beginnt um 20 Uhr deutscher Zeit und kann live online verfolgt werden. Zum einen gibt es einen extra Stream für die Landung und zum anderen den üblichen Stream von NASA TV. Beide Streams habe ich euch unten in diesem Beitrag eingebunden.

Die Nasa-Sonde "InSight" – Aufbau, Ablauf der Landung und Arbeitsweise auf dem Mars: Die Sonde soll um ca. 20:47 Uhr auf dem Mars landen. (Quelle: dpa)

Der Kommentar zur Live-Landung startet etwa eine halbe Stunde vor der Landung. Die Einstiegs-, Abstiegs- und Landephase an sich soll dann etwa sechs Minuten dauern und den Lander sicher an die Oberfläche des Roten Planeten bringen.

Ein in Deutschland entwickeltes Gerät, eine Art Marsmaulwurf, soll sich in den Boden bohren. Der Roboter mit dem offiziellen Namen HP3 (“Heat Flow and Physical Properties Package”) wurde vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) entwickelt. Das 40 Zentimeter lange, spitz zulaufende Gerät wird bis in fünf Meter Tiefe vordringen und dort den Wärmefluss messen. Die insgesamt rund 650 Millionen Euro teure “InSight”-Mission ist auf zwei Jahre angelegt.

Zuletzt hatte die Nasa 2012 den Rover “Curiosity” erfolgreich auf den Mars gebracht. Landungen auf dem roten Planeten gelten als extrem schwierig – nur rund 40 Prozent aller bisher weltweit gestarteten Mars-Missionen waren der Nasa zufolge erfolgreich.

Zuletzt hatte die Nasa 2012 den Rover "Curiosity" erfolgreich auf den Mars gebracht. Landungen auf dem roten Planeten gelten aber als extrem schwierig – nur rund 40 Prozent aller bisher weltweit gestarteten Mars-Missionen waren der Nasa zufolge erfolgreich.

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Nach einer rund 485 Millionen Kilometer langen Reise soll der im Mai gestartete Lander "InSight" in der Ebene Elysium Planitia nördlich des Mars-Äquators auf dem roten Planeten aufsetzen. Die Landung wird am Montag um etwa 21 Uhr MEZ erwartet.

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