Ryanair zieht sich aus Bremen zurück. Wie Ryanair am Montag bestätigte, wird die Basis in Bremen geschlossen und beide Flugzeuge vom Standort abgezogen.

Ryanair fährt nach Frankfurt und am Hahn auch die Winterkapazitäten anderorts zurück. Die Basis in Bremen macht sie komplett dicht – und auch am Niederrhein zieht sie Jets ab.

Die irische Billigairline hat einige turbulente Monate hinter sich. Immer wieder kam es bei Ryanair zu Streiks, die wiederum zu Flugstreichungen führten. Und das hat sich offenbar auch auf die Buchungen ausgewirkt. In den anstehenden Herbstferien und auch für die Weihnachtszeit buchten weniger Passagiere als erwartet wurde. Das Vertrauen der Kunden sei angeschlagen, so Ryanair-Chef Michael O’Leary in einer Pressemitteilung.

Billigairline mit Gewinnwarnung: Ryanair schließt Basis in Bremen und kappt Weeze

Ryanair wird ihre Basis am Flughafen Bremen zum Winter schließen. Beide Flugzeuge würden abgezogen, kündigte Airline-Chef Michael OLeary an. Und auch am Airport Weeze zieht der Low-Coster Maschinen ab – drei von fünf.

Das zwang die Fluggesellschaft jetzt, die Gewinnerwartungen für das laufende Geschäftsjahr herunterzuschrauben. Statt zwischen 1,25 und 1,35 Milliarden Euro dürfte der Gewinn nur noch zwischen 1,10 und 1,20 Milliarden liegen, heißt es. Als zusätzliche Gründe für den Schritt nennt das Management höhere Kosten für Kompensationen nach EU-Verordnung 261 bei Verspätungen und die gestiegenen Treibstoffpreise.

An beiden Standorten sollen alle bisherigen Routen grundsätzlich weiterbedient werden – mit Flugzeugen von anderen Basen. Ob es dabei jedoch zu einer Frequenzausdünnung kommen werde, beantworteten die Iren auf airliners.de-Nachfrage nicht.

Zusätzlich müsse man die Kapazität herunterschrauben, heißt es. Daher schließt die Fluggesellschaft auch zwei Basen in Europa: die in Eindhoven und die in Bremen. In der niederländischen Stadt sind vier Flugzeuge stationiert, in Bremen zwei. Die Basis in Weeze wird zudem verkleinert. Derzeit sind dort noch fünf Flugzeuge stationiert, ab dem Winter werden es nur noch drei sein.

In Frankfurt kommen ab November nur noch sieben Ryanair-Jets zum Einsatz statt der aktuell zehn Boeing 737-800-Jets. Auch in Frankfurt-Hahn bieten die Iren rund 20 Prozent weniger Kapazitäten im Vergleich zum vergangenen Winter an. Ob damit auch der erneute Abzug eines Flugzeugs verbunden ist, wollte die Airline nicht sagen.

In einem Schreiben an die Angestellten schließt die Fluglinie weitere Anpassungen nach unten oder Schließungen nicht aus. Sollte der Ölpreis weiter so hoch liegen und die Einnahmen aus dem Flugbetrieb weiter so tief, dann sei man zu weiteren Schritten gezwungen.

Die betroffenen Piloten sollen sich nach Wunsch des Billigfliegers auf freie Stellen an anderen Standorten bewerben. Dem Kabinenpersonal wolle man unbezahlten Urlaub anbieten und andere Möglichkeiten finden, um den Arbeitsplatzverlust so gering wie möglich zu halten.

In den kommenden Tagen werde man die betroffenen Crews kontaktieren, um Jobverluste so gering wie möglich zu halten.  Die Angestellten sind dennoch sauer. Piloten reden von Angstmacherei. Die Airline habe schon länger vorgehabt, die Basen zu schließen.

Im Winter bieten die Iren neun Routen am Flughafen Bremen an. Diese sollen von Flugzeugen geflogen werden, die nicht in Deutschland stationiert sind. Noch im August zeigte sich Bremens Flughafenchef Elmar Kleinert im Interview mit airliners.de zuversichtlich, dass der Billigflieger sein Engagement in der Hansestadt weiter ausbauen werde. Ryanair würde in Bremen “wichtige Anforderungen und Ansprüche, die sie stellen”, auch geliefert bekommen.

Derzeit läuft es alles andere als rund bei Ryanair. Die Fluggesellschaft musste eine Gewinnwarnung herausgeben und schließt Standorte. Die Piloten sind sauer.

Ein Sprecher des Flughafens Weeze zeigte sich gegenüber airliners.de überrascht ob der Ankündigung, Jets abzuziehen. So habe man von den Plänen erst durch die Pressemitteilung erfahren. Nach dem Aus der Eurowings-Strecke nach München ist Ryanair die einzig verbliebene Kundin am Niederrhein. Aktuell bietet die Airline Flüge zu 44 Destinationen an.

Bereits Anfang September teilte Ryanair mit, dass man im Winter weniger Maschinen in Deutschland stationieren werde. Das sei aber laut Aussage eines Sprechers normal. So sagte dieser damals zu airliners.de: “Wie in jedem Jahr betreiben Fluggesellschaften weniger Flüge im Winter – das entspricht den üblichen saisonalen Schwankungen in den Flugplänen”.

Zeitgleich mit den Plänen, Flugzeuge abzuziehen, kommunizierte der Low-Coster am Montag auch eine Gewinnwarnung. So erwarte man für das Geschäftsjahr nicht mehr bis zu 1,4 Milliarden Euro Überschuss, sondern lediglich 1,1 bis 1,2 Milliarden. Dies führen die Iren auf den gestiegenen Ölpreis und auf die vielen Streiks zurück.

Eben erst mit Mallorca-Flügen am Airport Düsseldorf eingestiegen, plant Ryanair dort offenbar schon den Ausbau: Die Iren wollen auch innerdeutsche Flüge anbieten – konkret geht es um eine ehemalige Air-Berlin-Route.