Wölfin reißt Schafe in Bottrop-Kirchhellen
Erster Wolf siedelt sich in NRW in Schermbeck an: Schäfer in Sorge
Schermbeck/Duisburg – Ein totes Schaf liegt auf einer Wiese in Dinslaken. Seine Kehle ist blutig gebissen, am Hinterteil fehlen große Stücke Fleisch.

An solche Bilder werden sich Schafzüchter und Schäfer in NRW wohl gewöhnen müssen. Denn: Der Wolf ist nicht nur zurück in unserem Bundesland. In Schermbeck im Kreis Wesel könnte das erste Tier (eine Wölfin aus Niedersachsen mit der Kennung GW954f) sogar standorttreu geworden sein.

Seit Wochen wird eine Wölfin im Kreis Wesel beobachtet. Das Symbolbild zeigt ein Tier in Niedersachsen.

Schäfer und Züchter dort fühlen sich mit der neuen Situation allein gelassen. Schäfermeister Maik Dünow (44, 800 Mutterschafe) aus Wesel ist Sprecher der Berufsschäfer in NRW. Er sagt: Die Probleme werden von der Politik verdrängt! Wenn es so weitergeht, werden Schafherden aus unserem Landschaftsbild verschwinden.

Er fordert u.a. die Anpassung der Hundeverordnung, damit Herdenschutzhunde auch nachts bei den Schafen innerhalb des Elektrozaunes bleiben dürfen. Immerhin: NRW hat jetzt sein erstes anerkanntes Wolfsgebiet (958 Quadratkilometer groß). Damit bekommen die Schäfer nun eine 80-prozentige Förderung für Schutzmaßnahmen (höhere Zäune, Schutzhunde). Das verkündetet das Umweltministerium.

Umweltministerium verkündet: #NRW hat ab sofort sein erstes anerkanntes Wolfsgebiet (958 Quadratkilometer groß). Schäfer kriegen jetzt Förderung für den Schutz ihrer Herden. pic.twitter.com/FQQ753t4Uc

Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) will die Bürger am Montagabend in Schermbeck über Wolfsmonitoring u.a. durch Wildkameras informieren.

Ein Wolf hat bei Bald Wildbach in der Nacht auf Montag 42 Schafe gerissen. Schäfer Florian Fröschle (22) ist verzweifelt.

Schäfer trauern um ihre Tiere, die Agrarministerin macht sich Sorgen. Was wird aus den Wölfen in Deutschland?

► Aktuell gibts 75 anerkannte Wolfsgebiete in Deutschland – die meisten in Sachsen (21), in NRW noch keins.

► Für tote Nutztiere gibts Entschädigung. In offiziellen Wolfsgebieten nur für geschützte Herden.

► Schutzmaßnahmen (Zäune, Hunde) bezahlt das Land NRW zu 80 Prozent – aber nur in Wolfsgebieten.

Teilen Weiterleiten Tweeten Weiterleiten Drucken Genetische Befunde und Beobachtungen deuteten darauf hin, dass eine Wölfin im Kreis Wesel heimisch geworden ist. Obwohl das halbe Jahr noch nicht um sei, nach dem formal von einem sogenannten standorttreuen Wolf gesprochen werden könne, habe sie sich zur Ausweisung des Gebietes entschlossen, sagte Landesnaturschutzministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) in Düsseldorf. Wird ein Gebiet als Wolfsregion anerkannt, können Schutzmaßnahmen für Nutztiere gefördert werden. Schaf- und Rinderzüchter sowie der Bauernverband im Rheinland hatten sich im Vorfeld bereits besorgt über die Rückkehr des Wolfes gezeigt und Unterstützung eingefordert.

Das Wolfsgebiet umfasst rund 958 Quadratkilometer der Kreise Kleve, Wesel, Borken und Recklinghausen sowie die Städte Bottrop und Oberhausen. Dort können ab sofort Schutzmaßnahmen für Schafe und Ziegen zu bis zu 80 Prozent der Kosten gefördert werden. Entschädigungen für Tierrisse durch Wölfe würden weiterhin zu 100 Prozent gezahlt, erklärte die Ministerin.