Lieferengpässe an Tankstellen spitzen sich zu
Massive Lieferengpässe in Deutschland: Tankstellen geht das Benzin aus
Köln: Ein nur halb beladenes Tankschiff fährt auf dem Rhein bei Köln. Die Fahrt zur Tankstelle wird in diesen Tagen für viele Autofahrer zum Ärgernis – nicht nur wegen der hohen Spritpreise. (Quelle: dpa)

Eine Tankstelle ohne Benzin? Was in Deutschland lange undenkbar war, ist für manche Autofahrer nun Realität. Eine Explosion in einer Raffinerie in Bayern verschärft die Situation zusätzlich.

Die Fahrt zur Tankstelle wird in diesen Tagen für viele Autofahrer zum Ärgernis – nicht nur wegen der hohen Spritpreise. Denn einzelne Tankstellen mussten den Verkauf von Benzin oder Diesel zeitweise sogar ganz einstellen, weil ihnen der Sprit ausgegangen war, wie Stephan Zieger, Geschäftsführer des Bundesverbands Freier Tankstellen (BFT) in Bonn, sagte. Meist bekomme die Tankstelle aber nach einigen Stunden oder am nächsten Tag Nachschub.

Deutschen Tankstellen gehen Benzin und Diesel aus | Auto

Welche Tankstelle es treffe, sei nicht vorhersehbar. “Das ist wie bei einem Gewitter. Da weiß man auch nicht, wo der Blitz einschlägt”, sagte Zieger.

Auch andere Wirtschaftsbereiche macht das Niedrigwasser in deutschen Flüssen zu schaffen, wie Merkur.de berichtete. In Ludwigshafen musste der Chemiekonzern BASF die Produktion drosseln, in Ostdeutschland fahren seit Monaten keine Binnenschiffe und Ausflugsdampfer mehr und auch auf der Donau können einige Schiffe nicht mehr fahren.

Köln: Ein nur halb beladenes Tankschiff fährt auf dem Rhein bei Köln. Die Fahrt zur Tankstelle wird in diesen Tagen für viele Autofahrer zum Ärgernis – nicht nur wegen der hohen Spritpreise. (Quelle: dpa)

Einer der Gründe, warum der Kraftstoff in Deutschland knapp wird, ist laut Bild.de das Niedrigwasser des Rheins. Denn der Fluss gelte als Haupttransportstrecke für den so wichtigen Treibstoff. Aufgrund der langanhaltenden Trockenheit können die Transportschiffe aber nicht mehr voll beladen werden.

Grund für die Lieferengpässe sei vor allem der niedrige Rheinpegel, sagte ein Sprecher des Tankstellen-Branchenführers Aral in Bochum. “In den Tanklagern entlang des Rheins kommt nicht genug Treibstoff an, weil die Tankschiffe nur noch halb so viel oder noch weniger Benzin und Diesel transportieren können.” Die Transportkapazität der Schiffe sei nur zu einem Teil durch Lastwagen zu ersetzen.

Zieger ruft Autofahrer dazu auf, nicht "sinnlos in der Gegend" herumzufahren. Es gebe kein Mengenproblem, sondern nur ein Lieferproblem. Sollte an einer Tankstelle kein Treibstoff auf Lager sein, solle man am nächsten Tag wieder vorbeikommen bzw. sich im Vorfeld beim Tankwart erkundigen.

Der Reformationstag und Allerheiligen in der vergangenen Woche hätten die Situation zusätzlich erschwert, weil Feiertagsfahrverbote für Lastwagen gegolten hätten, sagte der Sprecher weiter. Aral arbeite mit Hochdruck an der Lösung der Logistik-Probleme.

Auch das Tankverhalten der Autofahrer spielt nach Angaben von BFT-Geschäftsführer Zieger eine Rolle beim Spritmangel. “Sie tanken aus Furcht vor einem leeren Tank früher als üblich.” Dadurch würden auch die Tanks der Tankstellen schneller leer. “Das löst dann oft einen Dominoeffekt aus”, sagte Zieger. “Wer an der ersten Tankstelle kein Benzin bekommt, fährt zu nächsten weiter. Und die kann dann auch leerlaufen.”

Der Mineralölwirtschaftsverband nennt einen weiteren Grund für die Versorgungslücken: die Explosion in einer Raffinerie im bayerischen Vohburg an der Donau im September. Der dortige Produktionsausfall verschärfe die Situation in Süddeutschland, sagte ein Sprecher. Die Freigabe von Kraftstoff aus der deutschen Erdölreserve habe zu keiner durchgreifenden Verbesserung der Lage geführt. Der Erdölbewirtschaftungsverband hatte unter anderem 150.000 Tonnen Dieselkraftstoff aus den Reserven angeboten. In Deutschland werden pro Monat etwa 3 Millionen Tonnen Diesel abgesetzt.

Erste Tankstellen müssen bereits schließen, weil kein Kraftstoff mehr in den Tanks ist. Schuld sei der Klimawandel – doch auch das Verhalten der Autofahrer.

Eine durchgreifende Entspannung bei der Versorgung der Tankstellen mit Benzin und Diesel werde es nur bei steigenden Wasserständen geben. Vorher sei auch wegen der derzeit deutlich höheren Transportkosten kaum mit einem Rückgang der Preise zu rechnen.

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Derzeit kommt der Sprit zwar wieder aus der Zapfsäule. Am Montagabend musste Ute Wörmann ihre Tankstelle in Stockum aber vorzeitig schließen.

Witten.  Eine Tankstelle in Witten musste am Montag bereits vorzeitig schließen. Auch die Preise für Benzin und Diesel sorgen für Ärger.

Am Montagabend ging nichts mehr. Die SB Tankstelle an der Hörder Straße in Stockum war im wahrsten Sinne des Wortes leergelaufen. Kein Diesel, kein Super mehr. Ute Wörmann musste bereits um 18 Uhr – drei Stunden früher als üblich – schließen.

Seit 1975 arbeitet die Betreiberin der Tankstelle bereits dort. Das habe ich aber noch nicht erlebt, erzählt sie auch von finanziellen Einbußen, die die vorzeitige Schließung mit sich bringt. Dass es eng werden könnte, hatte Wörmann allerdings schon am Wochenende geahnt.

Aufgrund des niedrigen Wasserpegels im Rhein können die aus Rotterdam kommenden Frachtschiffe nicht mehr die üblichen Mengen an Kraftstoff beladen. Ein Tribut des ungewöhnlich warmen und trockenen Sommer – das nun vor allem bei kleineren Tankstellen für Versorgungsengpässe sorgt.

Bei dem ein oder anderen Kunden sorgte die Nachricht des fehlenden Sprits am Montagabend für Kopfschütteln und Unverständnis. Wie die Tankstellen Diesel und Benzin überhaupt beziehen, scheint mancher gar nicht auf dem Schirm zu haben. Wieso ist das Wasser ein Problem?, durfte sich Ute Wörmann häufiger anhören.

In den nächsten Tagen könnte es zu weiteren Engpässen kommen. Am Mittwochvormittag ist der Tank mit dem Super-Benzin bei Ute Wörmann nur noch zu 18 Prozent gefüllt, das sind rund 5340 Liter. In die Behälter passen üblicherweise 30.000 Liter. Diesel ist noch reichlich da, quält sich die Betreiberin zu einem Lächeln. Wann neue Lieferung eintritt? Das weiß sie selber nicht. Wenn ein Tanklaster kommt, werden die Behälter zurzeit allerdings auch nicht vollgemacht, sondern der Sprit auf verschiedene Tankstellen verteilt.

Andere Wittener Tankstellen blieben bisher vom Kraftstoffmangel weitestgehend verschont. Gerade die großen Ketten wie Shell oder Aral sind noch nicht in Gefahr, trocken zu laufen. Wir haben das Thema natürlich im Blick, aber wir werden ganz normal beliefert, sagt Shell-Mitarbeiterin Yvonne Bencic. Die Probleme werden anderswo deutlich – nämlich beim Preis.

Nach Einschätzung des Automobilclubs ADAC war der Oktober der teuerste Tankmonat seit Jahren. Preise von über 1,50 Euro pro Liter Benzin sind die Regel. An der Bochumer Straße kletterte der Zähler am Mittwochmittag sogar bis auf 1,62 Euro, der Dieselpreis stand bei 1,48 Euro. Natürlich meckern die Kunden, sagt Yvonne Bencic, die keinen Einfluss auf die Preisgestaltung hat. So geht es auch Ute S. von der Aral-Tankstelle an der Sprockhöveler Straße. Wer tanken muss, bezahlt die Preise. Wer warten kann, kommt zu anderen Zeiten wieder, hat sie festgestellt.

Preise von über 1,50 Euro sind schon happig, findet auch Ute Wörmann, aber es geht um Angebot und Nachfrage. Trotz der hohen Preise herrscht in ihrer Tankstelle am Mittwoch reger Publikumsverkehr. Die Kunden tanken teilweise zur Sicherheit voll, erklärt sie. Denn eines ist klar: Ohne Regen gibt es erst einmal auch keine Entspannung.

Aufgrund der niedrigen Pegelstände auf Transportstrecken wie dem Rhein, hat Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) die strategischen Ölreserven bereits vor rund zwei Wochen freigegeben.

Das geschah erst zum vierten Mal. Die Reserven sollen im Krisenfall eine Vollversorgung für 90 Tage gewährleisten.