Der 1. FC Union kann in Bochum aufsteigen - The Final Countdown mit Fischerhut - rbb|24
Fischer: Wir müssen das auf den Punkt bringen
Mit 5.000 Fans im Stadion geht der 1. FC Union in die Partie beim VfL Bochum. Das Team von Trainer Urs Fischer hat die Chance, direkt in die Bundesliga aufzusteigen, muss aber auf eine Niederlage des SC Paderborn hoffen. Ein Wimpernschlagfinale. Von Stephanie Baczyk

Urs Fischer ist kein guter Schauspieler. "Da wäre ich zu schlecht", sagt der Trainer des 1. FC Union, lacht und zuckt entschuldigend mit den Schultern. Fischer schäumt nicht über vor Emotionen an der Seitenlinie. Er beobachtet, er gibt auch mal Anweisungen, aber in erster Linie strahlt er eine Bierruhe aus. "Weil ich doch in meiner Karriere den einen oder anderen Trainer erlebt habe, der für mich – so empfunden – ein bisschen zu wild war."  

VFL-GEGNER UNION BERLIN Union Berlin will den letzten Schritt tun Ein wenig sagte dieses Plakat schon aus über die mentale Verfassung vieler Union-Anhänger. Alles kann, nichts muss war da zu lesen, bevor die Mannschaft mit dem 3:0-Erfolg gegen Magdeburg das Tor zur Bundesliga weit aufstieß. So viel Gelassenheit und Augenmaß auf Fanseite ist selten im schrillen, oft auch hysterischen Fußball-Getriebe. Und jetzt, auf den letzten Metern, wollen sicher auch alle eisernen Köpenicker unbedingt als Gewinner die Ziellinie überqueren.

Wild ist Coach Urs Fischer nicht. Aber wer genau hinschaut – vor diesem Spiel in Bochum, diesem Fernduell mit dem SC Paderborn – der sieht, wie die Augen des Schweizers größer werden, wie sie zu leuchten beginnen, während er über das bevorstehende Duell spricht. "Ja, also ganz ruhig bleibt ja auch der Trainer nicht", sagt er. "Eine gewisse Anspannung, eine gewisse Vorfreude ist auch beim Trainer da. Ich habe es zwanzig Jahre selber erlebt, darum weiß ich, was das heißt."

Das St. Pauli des Ostens, so wird Union auch genannt, hat sich professionalisiert in den letzten Jahren und dennoch nicht seine Strahlkraft verloren. 22.000 Mitglieder hat der Klub inzwischen, das sind mehr Menschen, als derzeit ins Stadion an der Alten Försterei passen. Geht es nach oben, soll das Stadion auf 37.000 Plätze erweitert werden. Größtes Problem in der etwas abseits gelegenen Wuhlheide ist die Verkehrsanbindung. Doch das betrifft die Zukunft.

Am Sonntag könnte der 1. FC Union Berlin mit einem Dreier beim VfL Bochum sogar den direkten Aufstieg in die Bundesliga feiern – dazu müsste allerdings der SC Paderborn mitspielen. Mit einer früheren Anreise und mehr Spielern als üblich gehen die Eisernen die Aufgabe an. Trainer Urs Fischer stellte in der Vorbereitung auf das Finale eine “Mischung aus Lockerheit und Spannung” bei seinen Spielern fest.

Am Freitagnachmittag – einen Tag früher als sonst bei Auswärtsspielen an einem Sonntag üblich – ist der Tross des 1. FC Union Berlin in Richtung Bochum aufgebrochen. Mit dabei sind dieses Mal 20 Spieler, weil Trainer Urs Fischer einen dritten Torhüter und einen zusätzlichen Feldspieler ins Aufgebot berufen hat. Im Ruhrstadion von Bochum wird am Sonntag dann wohl der gesamte Kader der Eisernen anwesend sein, denn: Das letzte Spiel der Zweitliga-Saison 2018/19 beim VfL Bochum (15.30 Uhr, LIVE! auf kicker.de) ist ein besonderes. Geht es nach den Unionern, soll die Dienstreise nach Westfalen vom großen Wurf gekrönt sein – dem erstmaligen Aufstieg in die Bundesliga. 5100 Anhänger der Eisernen werden in Bochum im Stadion erwartet, und auf dem Vorplatz des Stadions an der Alten Försterei nochmal mehr als doppelt so viele Unioner zum Public Viewing.

Das passt zur Saison: Vor dem letzten Auftritt 2018/19 gegen Aufstiegs-Anwärter Union Berlin gehen dem VfL Bochum die Spieler aus. Dennoch hofft der Trainer, dass wir uns mit einem positiven Gefühl vor vollem Haus aus der Saison verabschieden.

Um am Sonntag bereits ans Ziel der Träume zu gelangen, braucht Fischers Mannschaft in Bochum einen Sieg, und der SC Paderborn darf gleichzeitig bei Dynamo Dresden nicht gewinnen. Bereits am Montag kündigte Fischer indes an, dass sein Stab die Spieler auf dem Feld nicht über Zwischenstände in Dresden informieren werde, weil der Fokus der Union-Profis ganz auf Bochum liegen soll. Denn die Partie im Ruhrstadion sieht der Coach nicht als Selbstläufer an für sein Team, das im bisherigen Saisonverlauf lediglich drei Auswärtssiege landen konnte (aber auch nur viermal verloren hat, bei neun Remis). “In Bochum gewinnt man nicht so einfach”, sagte Fischer auf der Spieltags-Pressekonferenz am Freitag, “wir brauchen eine Top-Einstellung und eine konzentrierte Leistung.” Denn wenn man aufsteigen wolle, “müssen wir unsere Aufgabe erstmal erledigen”, so der Schweizer, der bis auf Mittelfeldakteur Eroll Zejnullahu (muskuläre Probleme) und den langzeitverletzten Verteidiger Fabian Schönheim (Knie) auf seinen kompletten Kader bauen kann.

Was die mentale Verfassung seiner Spieler angeht, ist der 53-Jähirge zuversichtlich. Seinen Akteuren nach dem 3:0-Heimsieg am vergangenen Sonntag gegen den 1. FC Magdeburg zwei Tage freigegeben zu haben, hat sich nach Ansicht Fischers gelohnt. Beim ersten Training in dieser Woche am Mittwoch “war die Mannschaft ab dem ersten Moment, an dem das Training begonnen hat, bereit”, so der Trainer, der innerhalb seines Kaders eine – aus seiner Sicht einer starken Leistung am Sonntag zuträgliche – “Mischung aus Lockerheit und Spannung” ausgemacht hat, “am Sonntag müssen wir das auf den Punkt bringen.”

Bochum.   Der VfL Bochum hechelt personell über die Ziellinie dieser Saison. Gegen Union Berlin fallen unter anderem die Linksverteidiger aus.

Fischer selbst wird den Blick an diesem Wochenende schon mal über die Partie in Bochum hinaus richten. Am Samstagnachmittag wird der Union-Trainer der Bundesligapartie Schalke 04 gegen den VfB Stuttgart im Stadion beiwohnen, um den VfB als potenziellen Relegations-Gegner in Augenschein zu nehmen. Aber alle in Berlin-Köpenick hoffen, dass Union die beiden Spiele gegen die Schwaben nicht mehr nötig hat, um erstmals in der Bundesliga vertreten zu sein.

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