Toter Jäger aus Bochum: Polizei schoss in die Schulter - WAZ News
Bochum: Getöteter 77-Jähriger hatte Jagderlaubnis für Friedhof
Beamte der Polizei suchen nach den Schüssenauf dem Friedhof in Gerthe nach Spuren zwischen und auf den Gräbern. Die Ermittlungen werden jetzt aus Neutralitätsgründen von der Polizei Essen geführt. Foto: Justin Brosch

Bochum.   Der 77-Jährige, der auf einem Friedhof von der Polizei tödlich verletzt worden ist, durfte dort jagen. Ob auch zu dieser Zeit, ist aber unklar.

Essen/Bochum (dpa/lnw) – Im Fall der mutmaßlich tödlichen Schüsse von Polizisten auf einen 77-Jährigen auf einem Bochumer Friedhof überprüfen die Ermittler, ob dieser als Jäger dort unterwegs war. "Er hatte eine Jagderlaubnis. Er hatte auch eine Erlaubnis, auf dem Friedhof zu jagen unter ganz engen Voraussetzungen", sagte Oberstaatsanwalt Christian Kuhnert von der Staatsanwaltschaft Bochum am Montag. "Es wird geprüft, ob er berechtigt war, zum fraglichen Zeitpunkt die Jagd auszuüben." Die Erlaubnis gebe einen anderen Zeitraum und auch zu beachtende Sicherheitsbedingungen vor.

Der 77-jährige Bochumer, der auf dem städtischen Friedhof in Gerthe von einer Polizeiwaffe tödlich getroffen worden ist, hatte einen Jagdschein und auch speziell für diesen Friedhof eine Erlaubnis zum Jagen gehabt. Das hat die Staatsanwaltschaft am Montag erklärt. Er durfte jagen, sagte Oberstaatsanwalt Christian Kuhnert der WAZ. Er fügte hinzu: aber unter ganz strengen Voraussetzungen. Und ob diese Voraussetzungen zur fraglichen Zeit erfüllt waren, wird gerade geprüft. Das Jagen ist nur außerhalb der Nutzungszeit, ganz früh morgens oder spät abends, erlaubt.

Nachdem sie ihn angesprochen hatten, soll es plötzlich zu einer Bedrohungssituation gekommen sein, bei der auf den bewaffneten Mann geschossen wurde. "Eine Schussabgabe durch den Jäger erfolgte nicht", hieß es. Eine Polizistin habe unmittelbar darauf die stark blutende Schussverletzung an der Schulter des Mannes behandelt. Später übernahmen Rettungssanitäter die Versorgung. Der Mann erlag am Karsamstag seinen Verletzungen. Aus Neutralitätsgründen ermittelt die Polizei Essen gegen die beiden Beamten. Ermittelt wird wegen Körperverletzung mit Todesfolge.

Nordrhein-Westfalen:Erschossener 77-Jähriger hatte Jagderlaubnis für Friedhof

Ein waffenkundiger Augenzeuge aus Bochum hatte am Gründonnerstag gegen 18 Uhr die Polizei angerufen: Er soll gesehen haben, dass der Rentner soeben beim Betreten des Friedhofs ein Gewehr durchgeladen und eine Frau bei sich habe. Die Polizei eilte mit mehreren Streifenwagen herbei. Ihren Angaben zufolge warnten die Beamten unbeteiligte Friedhofsbesucher vor der möglichen Gefahr, dann sprachen zwei Polizisten den Waffenträger an. Was dann genau geschah, teilte die Polizei am Montag aus ermittlungstaktischen Gründen nicht mit.

Die Polizei veröffentlichte am Montag Einzelheiten des Einsatzes am Gründonnerstag. Demnach hatte ein waffenkundiger Bochumer und Jäger die Polizei darüber informiert, dass ein ihm unbekannter Mann in Begleitung einer Frau soeben den Friedhof betreten habe. Er solle ein scharfes Gewehr mitführen, welches er zuvor durchgeladen habe. Sofort fuhren mehrere Streifenwagen zum Friedhof. Beamte warnten zunächst unbeteiligte Friedhofsbesucher. Auf dem Gelände trafen zwei Polizisten dann auf den 77-jährigen Mann, der mit einem Jagdgewehr bewaffnet war.

Bisher hatte sie dazu nur erklärt, dass der Rentner die Polizei bedroht hätte, woraufhin diese dann zum eigenen Schutz geschossen hätte. Insgesamt fielen zwei Schüsse aus zwei Polizeipistolen, mindestens einer traf die Schulter des Mannes, wie Oberstaatsanwalt Kuhnert sagt. Zwei Tage danach erlag der Jäger im Bergmannsheil seinen schweren Verletzungen. Er selbst gab auf dem Friedhof keinen Schuss ab. Jene Frau, stellte sich heraus, war seine Ehefrau.

Es seien inzwischen etliche Zeugen vernommen worden, darunter auch Augenzeugen des tragischen Geschehens, hieß es weiter. Zum genauen Ablauf des Geschehens machte die Polizei keine Angaben und verwies auf ermittlungstaktische Gründe.

Ein anonymer Hinweisgeber erklärte später, dass der Rentner habe jagen wollen und die Beamten keineswegs bedroht haben soll. Er sei den Aufforderungen der Beamten gefolgt, habe die Waffe weggelegt und sich sogar hingekniet. Diese Darstellung wird jetzt aber nicht durch die Ergebnisse der Obduktion bestätigt. Kuhnert: Nach dem bisherigen Stand der Ermittlungen hat der Geschädigte zum Zeitpunkt der Schussabgabe nicht gekniet. Die Obduktion hat Gegenteiliges nicht ergeben.

Unter welchen Umständen haben Polizeibeamte am Gründonnerstag auf einem Bochumer Friedhof auf einen 77-Jährigen geschossen? Fest steht, der Mann war Jäger und hatte ein Jagdgewehr dabei.

Vieles in diesem Fall ist noch ungeklärt. Etwa die Frage, warum der Rentner bei hellem Tageslicht und zu einer Zeit, zu der noch Menschen ihre verstorbenen Angehörigen besuchen, mit einem geladenen Gewehr unterwegs war. Die Stadt als Untere Jagdbehörde machte am Montag mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen keine Angaben, ob der 77-Jährige am Gründonnerstag auf dem Friedhof Kaninchen oder andere Tiere, die bei Überpopulation nennenswerte Schäden anrichten, schießen wollte und ob sie an dem Tag darüber auch informiert war.

Allerdings teilte die Stadt mit, dass auf 19 Friedhöfen tatsächlich gejagt werde. Auch auf dem Friedhof in Gerthe darf gejagt werden.

Für zwei der eingesetzten Polizeibeamten sei das Erlebnis traumatisch gewesen, sagt Polizeisprecher Peter Elke. Sie würden betreut und behandelt und seien zurzeit nicht dienstfähig.

Unmittelbar nach den Polizeischüssen hatte eine Polizistin die stark blutende Schussverletzung an der Schulter des Jägers behandelt. Dabei setzte sie auch ein neues polizeiliches Notfallsystems ein, welches speziell für Schussverletzungen entwickelt wurde.

Eine Essener Mordkommission hat bereits etliche Zeugen vernommen, darunter auch Augenzeugen des tragischen Geschehens, so die Polizei.

Teilen Weiterleiten Tweeten Weiterleiten Drucken 29. April 2019 um 15:11 Uhr Polizei tötet Rentner in Bochum : Erschossener 77-Jähriger hatte Jagderlaubnis für Friedhof Bochum Unter welchen Umständen haben Polizeibeamte am Gründonnerstag auf einem Bochumer Friedhof auf einen 77-Jährigen geschossen? Fest steht, der Mann war Jäger und hatte ein Jagdgewehr dabei.

Teilen Weiterleiten Tweeten Weiterleiten Drucken Im Fall der mutmaßlich tödlichen Schüsse von Polizisten auf einen 77-Jährigen auf einem Bochumer Friedhof überprüfen die Ermittler, ob dieser als Jäger dort unterwegs war. Er hatte eine Jagderlaubnis. Er hatte auch eine Erlaubnis, auf dem Friedhof zu jagen unter ganz engen Voraussetzungen, sagte Oberstaatsanwalt Christian Kuhnert von der Staatsanwaltschaft Bochum am Montag. Es wird geprüft, ob er berechtigt war, zum fraglichen Zeitpunkt die Jagd auszuüben. Die Erlaubnis gebe einen anderen Zeitraum und auch zu beachtende Sicherheitsbedingungen vor.

Die Polizei veröffentlichte am Montag Einzelheiten des Einsatzes am Gründonnerstag. Demnach hatte ein waffenkundiger Bochumer und Jäger die Polizei darüber informiert, dass ein ihm unbekannter Mann in Begleitung einer Frau soeben den Friedhof betreten habe. Er solle ein scharfes Gewehr mitführen, welches er zuvor durchgeladen habe. Sofort fuhren mehrere Streifenwagen zum Friedhof. Beamte warnten zunächst unbeteiligte Friedhofsbesucher. Auf dem Gelände trafen zwei Polizisten dann auf den 77-jährigen Mann, der mit einem Jagdgewehr bewaffnet war.

Nachdem sie ihn angesprochen hatten, soll es plötzlich zu einer Bedrohungssituation gekommen sein, bei der auf den bewaffneten Mann geschossen wurde. Eine Schussabgabe durch den Jäger erfolgte nicht, hieß es. Eine Polizistin habe unmittelbar darauf die stark blutende Schussverletzung an der Schulter des Mannes behandelt. Später übernahmen Rettungssanitäter die Versorgung. Der Mann erlag am Karsamstag seinen Verletzungen. Aus Neutralitätsgründen ermittelt die Polizei Essen gegen die beiden Beamten. Ermittelt wird wegen Körperverletzung mit Todesfolge.

Es seien inzwischen etliche Zeugen vernommen worden, darunter auch Augenzeugen des tragischen Geschehens, hieß es weiter. Zum genauen Ablauf des Geschehens machte die Polizei keine Angaben und verwies auf ermittlungstaktische Gründe.