Schon 23 Punkte: Der VfL Bochum liegt auf Rekordkurs
Bochum-Trainer Dutt zum Weilandt-Wahnsinn
Bochum.  Der VfL Bochum besiegte Aue mit 2:1 und bleibt in der Zweitliga-Spitzengruppe. Die Fans feiern den ruhigen Trainer Robin Dutt.

So alt kannst du gar nicht werden, dass dich das kalt lässt. Robin Dutt hat schon viel erlebt und gesehen in seinem Berufsleben, hat schöne und weniger schöne Stunden durchgemacht und weiß deshalb die Sonnentage zu schätzen, selbst wenn die Sonne ausschließlich in Form von Fanzuneigung das Herz erwärmt, wie in diesem Fall. Das ganze Stadion hüpft, schallte es am Samstag im Bochumer Ruhrstadion durch das trübe Novembergrau. Tom Weilandt, aktueller Held des Zweitligisten, hatte mit seinem Tor in der Nachspielzeit den 2:1-Erfolg gegen den FC Erzgebirge Aue erzwungen und damit den VfL Bochum in der Spitzengruppe der 2. Bundesliga gehalten. Die Fans lagen sich in den Armen, die Spieler auch.

53 Jahre alt ist Dutt inzwischen, und als er zu Beginn des Jahres kam, befand sich der VfL in akuter Abstiegsgefahr. Seitdem stand der gebürtige Kölner bei 26 Spielen an der Seitenlinie, holte 45 Punkte und musste in dieser Zeit nur fünf Niederlagen seiner Mannschaft verdauen. Hinter dem nüchternen Zahlenwerk verbirgt sich eine Führungsphilosophie, die auf Vertrauen und maximaler Unaufgeregtheit gründet. Nichts wird skandalisiert, nichts über- oder unterbewertet, Nebenkriegsschauplätze und Fettnäpfchen werden bislang elegant umschifft. Welch ein Unterschied zur holländischen Ära unter Trainer Gertjan Verbeek in Bochum, als die andauernde Rauflust der Beteiligten den in seiner Entwicklung schließlich stagnierenden Fußball am Ende zu einem Randereignis degradierte.

VfL Bochum-Profi Tom Weilandt hat die vergangenen drei Treffer des VfL allesamt selbst erzielt und seinem Team sechs Punkte im Alleingang gesichert. Das sagt Trainer Robin Dutt.

Silvere Ganvoula köpfte, Tom Weilandt nahm den Ball an, es lief die Nachspielzeit. Der Rest ist ein Volleyschuss in den Winkel und grenzenloser Jubel im Bochumer Ruhrstadion. Er hat es schon wieder getan: Mit seinem Doppelpack gegen Aue avancierte VfL-Star Tom Weilandt zum Matchwinner. Dadurch hat der Mittelfeldmann die vergangenen drei Treffer der Bochumer allesamt selbst erzielt und dem Team von Robin Dutt damit sechs Punkte aus den vergangenen zwei Spielen gesichert. Der Stadionsprecher taufte Weilandt zum Mr. Zuverlässig – Dutt verriet sein Erfolgsgeheimnis im Umgang mit Weilandt.Ich versuche, ihm seinen Freiraum zu lassen und nur ein paar gezielte Hinweise zu geben, sagte Dutt auf der Pressekonferenz nach dem 2:1-Erfolg über Erzgebirge Aue: Er ist harmoniebedürftig, ein sensibler Spieler und braucht nicht zu viele Ansprachen. Im Moment fühle sich Weilandt einfach wohl: Unser System ist wie gemalt für ihn. Auch Weilandt selbst erklärte sein Rezept für seine – schon jetzt – erfolgreichste Saison in seiner gesamten Profikarriere.

Für die VfL-Fans in dieser Saison ein gewohntes Bild: Tom Weilandt dreht jubelnd nach einem Treffer ab (sieben Saisontore), kreuzt seine Arme und formt seine Hände vermeintlich zum Symbol für die Zahl zwei – das Geheimnis um diesen Torjubel wollte er noch immer nicht lüften. Sein Rezept für seine Leistungsexplosion formulierte er so wie schon beim 1:0-Erfolg gegen Darmstadt, als Weilandt den Sieg mit einem Traumsolo sicherte: Vielleicht spielt das Selbstvertrauen eine Rolle. Ich fühle mich einfach gut, bekomme das Vertrauen und das zahle ich zurück.Nach zwölf Einsätzen in dieser Saison in der Zweiten Liga hat Weilandt bereits sieben Tore erzielt und zwei weitere Treffer vorbereitet – persönliche Bestmarke im Profibereich. Mit dem VfL Bochum geht es für Weilandt am kommenden Spieltag gegen den 1. FC Magdeburg, danach wartet das Duell im eigenen Stadion gegen den FC St. Pauli: Wir schauen nur auf Magdeburg, danach kommen auch ein paar Brocken. Wenn wir den Schwung mitnehmen, dann haben wir eine Chance.  Autor: Christian Hoch