Auch andere Bäckereien in OWL setzen bei der Bezahlung inzwischen auf EC- und Kreditkarten. Eine Rolle spielt dabei auch der hygienische Aspekt.

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Bielefeld. Egal ob im kleinen Tante-Emma-Laden um die Ecke oder beim Bäcker: Im europäischen Ausland kann man fast überall mit Karte oder gar mit seinem Smartphone bezahlen. In Deutschland ist das noch lange nicht überall der Fall. Wer kleine Beträge mit “Plastik” zahlen will, wird noch immer komisch angeguckt. Und vor allem die Bäcker-Branche setzte bislang vor allem auf eins: Bargeld.

Das ändert sich jetzt. In Bielefeld haben die ersten Bäckereien und Backshops die Kartenzahlung eingeführt. Darunter auch die Filialen von Lechtermann-Pollmeier. Beispielsweise an der Filiale am Jahnplatz können Kunden jetzt ganz selbstverständlich kleine Centbeträge mit EC- oder Kreditkarte bezahlen.

Grund für das Umdenken sind laut Geschäftsführer Thomas Pollmeier die neuen technischen Voraussetzungen der Kassensysteme. “Das ganze System ist inzwischen sicher und einfach”, erklärt er. In sämtlichen Filialen von Pollmeier und Lechtermann können Brötchen und Gebäck bis 25 Euro inzwischen allein durch Auflegen der Karte und ohne PIN schnell bezahlt werden – das sogenannte NFC-Verfahren machts möglich.

“Ab 25 Euro ist die PIN-Eingabe erforderlich”, erklärt der Geschäftsführer. Neben allen gängigen EC- und Kreditkarten können Kunden inzwischen sogar mit American Express bezahlen.

Auch die Konkurrenz in Bielefeld rüstet auf: Im Backshop “Back-Factory” ist ebenfalls die Kartenzahlung möglich. Bei anderen Bäckerein sieht das anders aus: Die Bielefelder Bäckerei Olsson beispielsweise erklärt auf Anfrage, dass man derzeit nicht plane, EC-Geräte in den Filialen einzuführen.

Bei der Bäckerei Lange aus Salzkotten, die im ganzen Paderborner Land und im Sauerland Filialen hat, ist die Einführung von EC-Karten-Geräten nicht mehr ganz neu. Schon vor etwa einem Jahr habe man begonnen, in den ersten Geschäften entsprechende Geräte zu installiert. “Inzwischen gibt es nur noch sechs Filialen, in denen die Nachrüstung fehlt”, erklärt Harald Laufs.

Auch er argumentiert mit dem technischen Fortschritt: “Ausschlaggebend war vor allem das kontaktlose Bezahlen per Karte”, so Laufs. “Das ist auch aus hygienischen Aspekten ein großer Vorteil.” Mitarbeiterinnen müssten schließlich kein Bargeld mehr in die Hand nehmen, das durch zich Hände wandert.

Aber auch die Gebühren für die Kartenzahlung seien in den vergangenen Jahren stark gesunken. “Früher hat sich das für uns schlichtweg nicht gelohnt”, erklärt er. Das sei heute anders.

Die Zahlung mit dem Smartphone hingegen ist sowohl bei Pollmeier als auch bei Lange noch kein großes Thema. Der Technikkonzern Apple hatte vor einigen Tagen angekündigt, sein Bezahlsystem “Apple Pay” in Kürze nach Deutschland zu bringen. “Wenn es eine vernünftige Regelung über die Gebühren gibt, sind wir da offen”, erklärt Harald Laufs.

Das Bezahlen mit dem Android-System sei etwas einfacher und in den Lange-Filialen bereits möglich. Thomas Pollmeier erklärt: “Zunächst spielt Apple Pay keine Rolle für uns. Immer erst dann, wenn der Ablauf für unsere Kunden sicher und einfach ist. Dann werden auch wir das umsetzen.”

Eine Studie des Finanzunternehmens EOS Holding hatte erst kürzlich gezeigt, dass digitales Bezahlen in Europa noch immer kein Standard ist. In Dänemark läuft auf neun von zehn Smartphones die Banking-App “MobilePay”, mit der man von unterwegs nahezu alles bezahlen kann. Im Europavergleich stehen die Dänen mit diesem Modell jedoch ziemlich alleine da.

In Sachen Kartenzahlung ist uns das Ausland weiter voraus: Gerade in den skandinavischen Ländern oder Großbritannien kann auch in kleinen Geschäften fast alles mit Karte bezahlt werden. Im Süden setzt man hingegen weiterhin lieber aufs gute alte Bargeld.

Laut einer Befragung der Deutschen Bundesbank, die sich auf das Jahr 2017 bezieht, wurden 74 Prozent der Transaktionen in Deutschland bar getätigt. Auch wenn das einen Rückgang von fünf Prozentpunkten gegenüber dem Vergleichswert aus dem Jahr 2014 bedeutet, ist es immer noch das am häufigsten genutzte Zahlungsmittel. Gemessen am gesamten Umsatz macht das Bargeld einen Anteil von 48 Prozent aus.