Großer Flashmob am Bielefelder Hauptbahnhof
Deutscher Umsturz 1918: “Steh auf, es ist Revolution!”
Erfolgreich, schnell, unblutig – die Novemberrevolution vor hundert Jahren sieht Robert Gerwarth als großen Aufbruch. Im Interview erklärt der Historiker, wie die Weimarer Republik zunächst stabil startete und dennoch scheiterte.

Jahrgang 1972, Absolventin der Axel-Springer-Journalistenschule, seit 2007 bei einestages. Studierte Geschichte und Romanistik, promovierte in Rom über Feminismus im Ersten Weltkrieg.

All das ereignete sich Wochen, bevor Anfang 1919 mit dem Spartakus-Aufstand doch noch Straßenkämpfe einsetzten, die jedoch den Prozess der Demokratisierung – in Weimar trat am 6. Februar die Nationalversammlung zusammen – nicht aufhalten oder auch nur graduell verändern konnten. Ebert, so Gerwarth, war geradezu paralysiert von seiner Furcht vor den Roten: Er wollte mit allen Mitteln vermeiden, dass sich die Ereignisse von Petrograd in Berlin wiederholten. An der verheerenden Wirkung des selbsternannten Bluthundes Gustav Noske von der MSPD, der den Generalstreik vom März 1919 mit dem Befehl, jeden, der mit der Waffe in der Hand, gegen die Regierungstruppen kämpfend angetroffen wird, (…) sofort zu erschießen, lässt Gerwarth keinen Zweifel. Doch weil er hinausblickt bis zur Stabilisierung der Republik, kann er ein eindrucksvoll positives Fazit ziehen: Am Ende des Jahres 1923 ließ sich schwer bestreiten, dass sich die Republik unter widrigsten Umständen behauptet hatte, urteilt er. Von einer ,gescheiterten oder auch nur ,halbherzigen Revolution zu sprechen, erscheint aus der Perspektive am Ende dieses Jahres unangemessen.

“Die größte aller Revolutionen hat wie ein plötzlich losbrechender Sturmwind das kaiserliche Regime mit allem, was oben und unten dazu gehörte, gestürzt. Man kann sie die größte aller Revolutionen nennen, weil niemals eine so fest gebaute, mit soliden Mauern umgebene Bastille so in einem Anlauf genommen wurde.” Theodor Wolff, Chefredakteur des “Berliner Tageblatts”, 10. November 1918

Den eigentlichen Verlauf der Revolution zeichnen in allen farbigen Details Keil und Kellerhoff. Sie können sich auf eine reiche Quellenlage von Protokollen, Briefen, Tagebüchern und Zeitungsartikeln stützen. Am Ende urteilen sie, man könne die Revolution 1918/19 also nicht als misslungen, stecken geblieben oder unvollendet bezeichnen. Im Gegenteil: Sie ist noch dazu in einer denkbar schwierigen politischen Situation, trotz insgesamt mehrerer Tausend Opfer bei Straßenkämpfen, die Geburt der Demokratie in Deutschland. Dieser Sieg des Fortschritts verdient es, gewürdigt zu werden. Das tut auch Gerwarth, wenn er die Errungenschaften dieser wohl einzigen erfolgreichen Revolution in einem hochindustriellen Staat vor 1989 durchaus beachtlich nennt: Innerhalb kurzer Zeit wurde Deutschland auf ungewöhnlich friedliche Weise von einer konstitutionellen Monarchie mit begrenzter politischer Teilhabe des Parlaments zur wohl fortschrittlichsten Republik der Zeit.

100 Jahre Novemberrevolution: Die Republik behauptet sich

Vor hundert Jahren ebneten Matrosen den Weg in die Demokratie. An die Novemberrevolution von 1918 wird derzeit mit Flashmobs auf Bahnhöfen erinnert. Auch in Altenburg fand jetzt auch eine solche Aktion statt.

Vor einhundert Jahren erbebte Deutschland unter der Ereignissen der Novemberrevolution . Wie das wohl gewesen ist, als Matrosen zu den Bürgern sprachen und sie aufforderten, sich zu wehren? Das möchte der Verein Weimarer Republik e.V. erlebbar machen. Deshalb fahren zurzeit vier Schauspieler durch Deutschland. Sie halten an den Bahnhöfen und stellen innerhalb eines Flashmobs die Revolution von damals nach.

Ein ganz normaler Dienstagnachmittag am Altenburger Bahnhof: Reisende kommen vom Bahnsteig und laufen in Richtung Ausgang. Nach und nach sammeln sich jedoch immer mehr Leute im Eingangsbereich. Ein Banner wird aufgestellt, mehrere Menschen halten Plakate in die Höhe. Nieder mit dem Krieg und Freie Wahlen stehen auf diesen drauf. Ein Mann in einer altertümlichen Matrosenuniform stellt geräuschvoll einen Hocker vor die Masse. Mit lauter Stimme erzählt er, dass er zusammen mit den anderen Matrosen von Bahnhof zu Bahnhof reise, um eine Revolution einzufordern. Nieder mit dem Kaiser! Wir wollen frei sein, brüllt er mit lauter Stimme.

Das Scharnier zwischen Kriegsende und Republik bildet die Revolution. Sie ist seit jeher schlecht beleumundet. Hitler hasste die November-Verbrecher. Auch in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg fand sich kaum ein Verteidiger von 1918. In der DDR ohnehin nicht, die die alte Propaganda der KPD aufnahm und die Sozialdemokraten des Verrats an der Revolution bezichtigte; und in der jungen Bundesrepublik auch nur halb, insofern es damals gelungen sei, die drohende bolschewistische Revolution abzuwenden. Erst mit der 68er-Bewegung erwachte im Westen ein vorübergehendes Interesse an der Rätebewegung. Für die Revolutionäre von 1918, die sich nach Lenins bekanntem Diktum erst eine Bahnsteigkarte kaufen, bevor sie den Bahnhof stürmen, blieb insgesamt nur Verachtung übrig.

In 50 Bahnhöfen findet das Schauspiel statt Zum hundertjährigen Jubiläum der Novemberrevolution findet dieser Flashmob deutschlandweit an den Bahnhöfen statt. Die Weimarer Republik e.V. möchte mit Die Revolution rollt daran erinnern, dass 1918 der Funke der Revolution von der Küste her über die Bahnhöfe rollte. Viele haben diese Revolution vergessen. Dabei hat es zu so vielem geführt, wie zum Beispiel das Wahlrecht, erklärt der Schauspieler Ronald Mernitz. Er und drei weitere Schauspieler fahren seit dem 3. und noch bis zum 9. November durch Deutschland, um die Novemberrevolution wieder in das Gedächtnis der Bürger zu rufen. Sie fordern das Ende des Ersten Weltkrieges und ihre Rechte ein.

Bielefeld. Vor 100 Jahren, im Herbst 1918, begehrte das deutsche Volk auf gegen das Regime des Kaiserreichs, gegen den seit 1914 tobenden Krieg, gegen Armut, Unfreiheit, Unterdrückung und soziale Benachteiligung. Die Fürsten dankten ab, an ihre Stelle trat als höchster Souverän das Volk selbst. Es war Deutschlands Aufbruch in die Demokratie. Der Funke der Revolution zündete zuerst an der Küste, bei den Matrosen in Wilhelmshaven und Kiel. In wenigen Tagen sprang er auf alle Teile des Landes über – insbesondere durch die Eisenbahn. Die Revolutionäre reisten von Bahnhof zu Bahnhof, um den Sturz der alten Machthaber voranzutreiben. “Rollende Revolution” macht Station in Bielefeld Diese Ereignisse werden in der Aktion „Die Revolution rollt” nachgestellt, die der Verein “Weimarer Republik” mit Unterstützung des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz, der Deutschen Bahn Station & Service AG und zahlreicher Partner vor Ort an 47 Bahnhöfen in ganz Deutschland nachstellt. Es handelt sich dabei um 15-minütige Flashmobs mit Schauspielern und Komparsen, die einen Eindruck davon geben, wie vor 100 Jahren die Demokratie erkämpft wurde. Am Dienstag, dem 6. November, macht die „rollende Revolution” Station in Bielefeld: Um 13 Uhr findet der Flashmob im Hauptbahnhof statt. Alle Bielefelder sind laut Veranstalter “herzlich eingeladen, die Aktion mitzuerleben”.

Am 9. November treffen sie sich zu viert in Berlin, wo sie zum letzten Mal Szenen der Revolution nachstellen. Es war keine organisierte Revolution, sie entstand einfach, erzählt Mernitz. Die Matrosen und viele weitere Menschen aus der Arbeiterklasse seien müde vom Krieg gewesen und haben so den Weg in die Demokratie geebnet, die mittlerweile selbstverständlich für uns geworden ist.

Jeden Mittwoch ist in Altenburg Markttag, stehen die Stände der Händler dicht an dicht in der guten Stube der Skatstadt. Die OVZ stellt in loser Folge einige der Anbieter vor. Heute geht es an den Stand des Obsthofes Martin.

Auf der Straße durch den Leinawald an der thüringisch-sächsischen Landesgrenze hat sich am Montagabend ein schwerer Verkehrsunfall ereignet. Die Strecke musste deshalb längere Zeit gesperrt bleiben.

Ab dem 1. Januar 2019 sind Rauchmelder Pflicht in Thüringens Wohnungen. Wie ist der Zwischenstand in Altenburg und Umgebung – wir haben uns umgehört.