Berlin: An den rosa Linien offenbart sich das Drogen-Dilemma - WELT
Stehplätze für den Drogenverkauf: Berlin streitet über Dealer-Zonen im Görlitzer Park
Sechs unauffällige, rosafarbene Rechtecke auf einem Gehweg im Görlitzer Park haben in Berlin eine Debatte über den richtigen Umgang mit Drogenkriminalität entfacht. Denn es sind nicht einfach nur Linien, und der Park ist nicht irgendeine Grünfläche. Der Görli, wie die Berliner ihn oft nennen, ist vor allem als Ort für Drogenhandel bekannt. Und die Linien, vor wenigen Tagen gesprüht, sollen aufzeigen, wo sich die Dealer hinstellen sollen – so die Idee von Parkmanager Cengiz Demirci. Wenn schon illegal, dann wenigstens ordentlich – so könnte man die Verkaufszonen interpretieren.

Wohl jeder, der schon mal im Görli war, kennt die Szenerie: Gruppen von jungen Männern, meist afrikanischer Herkunft, stehen nebeneinander, sprechen potenzielle Kunden an. Öffentlicher Drogenhandel, für jeden zugänglich, fest mit dem Namen Görlitzer Park verknüpft. Die Drogenbeauftragte des Bundes Marlene Mortler (CSU) spricht von einer Kapitulation des Rechtsstaates. Der Fraktionsvorsitzende der CDU in Berlin, Burkard Dregger, bezeichnet die Areale als Einladung zum Rechtsbruch.

Deal or No Deal?Im Fernsehen hat Demirci über seine absurd anmutende Aktion gesprochen. Der rbb-Abendschau sagte er, dass er den Drogen-Verkauf im Görli nicht legalisieren wolle. Er will lediglich eine räumliche Trennung schaffen, damit Unbeteiligte nicht ständig gestört werden.Maximal zwei Leute können an einer Fläche sein, so Demirci. Wenn wir Systeme schaffen, können wir das Problem lösen.

Wenn dem so ist, haben die Dealer am Donnerstagmorgen die Einladung zumindest nicht verstanden. Der Eingang an der Forster Straße ist weitestgehend leer. Nur zwei junge Männer – das ist vergleichsweise wenig – halten sich dort auf, geben sich erst einmal ahnungslos und fragen, was denn so interessant sei an den Zeichnungen auf dem Asphalt. Erst nach einigen Minuten gibt einer von den beiden zu: Ja, er verkaufe hier im Park Drogen, allerdings nur Marihuana. Er komme aus Gambia und rauche normalerweise auch – aber jetzt ist Ramadan, da darf ich nicht. Seinen Namen möchte er nicht nennen. Was, wenn meine Eltern das sehen, sagt er.

Zu den Verkaufszonen zuckt er die Schultern. Es führe nur dazu, dass Journalisten kämen, sagt er und erklärt damit auch den verwaisten Eingang. Normalerweise stünden hier zehn bis 15 Dealer. Die seien jetzt alle an den anderen Eingängen.

Kein Scherz: Im Görli haben die Dealer jetzt feste Park-Plätze! Und obwohl sie dafür nicht mal zahlen müssen, wollen sie die pink-markierten Stellen offenbar nicht nutzen …Die irre Idee zu den Drogen-Verkaufs-Zonen hatte Cengiz Demirci (45), Angestellter des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg und seit zweieinhalb Jahren Parkmanager im Görli.

Nur einige Gehminuten entfernt befindet sich der Arbeitsplatz von Demirci in einem bunten Eisenbahnwaggon. Warum der Parkmanager die Verkaufsflächen markiert hat, darüber darf er nicht mehr mit der Presse reden – Anweisung von seinem Arbeitgeber, dem Bezirksamt Kreuzberg-Friedrichshain. Dem RBB erzählte er noch diese Woche, es gehe darum, größere Abstände zwischen den Männern zu schaffen. Dies bedeute keine Legalisierung. Und überhaupt: Der Drogenhandel könne nur bekämpft werden, wenn die Männer eine Arbeitserlaubnis erhielten. Dann würden hier 90 Prozent sofort aufhören, zeigte sich Demirci überzeugt.

So, wie ich Herrn Demirci verstehe, ist das sein Versuch, die Bedrängung durch Verkäufer einzuschränken, sagt die Sprecherin des Bezirksamts, Sara Lühmann. Das heißt, seine Motivation sind durchaus die Ziele im Handlungskonzept. Über die Maßnahmen selbst muss diskutiert werden.

Das Handlungskonzept Görlitzer Park von 2016 ist der Grund, , warum es in dem Park im Nordosten Kreuzbergs nicht nur einen Parkmanager, sondern auch sogenannte Parkläufer gibt, die für Ordnung und eine sichere Atmosphäre sorgen sollen. Ein Blick in das 52-seitige Dokument zeigt auch, warum Demircis Job anspruchsvoll ist: Wir fördern Maßnahmen, die bewirken, dass sich alle sicherer fühlen können, ohne auf Law and Order zu setzen, heißt es da im Leitbild. Und: Wir wollen keine Vertreibung von Menschen in sozial schwierigen Lebenslagen, sondern kümmern uns um sie.

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Dregger findet diesen Ansatz falsch. Der links-grüne Bezirk will den Park nicht den Menschen zurückgeben, sondern den Drogendealern überlassen. Anwohner und Besucher fühlen sich durch die aggressive Ansprache der Händler belästigt und meiden ihn. Nur die, die die Situation ertragen, gehen dort noch hin, sagt er WELT. Das Bezirksamt und seine politische Führung haben nicht einmal die Absicht, Recht und Ordnung durchzusetzen, sondern sie machen sich zum Handlanger der organisierten Kriminalität. Der frühere CDU-Innensenator Frank Henkel hatte bis zum Regierungswechsel 2016 eine Null-Toleranz-Politik im Görlitzer Park verfolgt. Es sei ein fataler Fehler gewesen, dies einzustellen, sagt Dregger.

Und auch Politiker sind entsetzt. Unser Staat kooperiert mit Drogendealern. Das ist eine Kapitulation vor den Verbrechern, schimpft Timur Husein (38), Kreuzberger CDU-Fraktionsvorsitzender.

Die Fraktionsvorsitzende der Grünen Antje Kapek hält dagegen: Die Probleme hätten sich einfach in andere Parks verlagert. Die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Antje Kapek, hält dagegen: Die Probleme hätten sich einfach in andere Parks verlagert. Auch die Polizeipräsenz hätte nicht gewirkt. Das alles hat nicht dazu geführt, dass der Drogenhandel weniger geworden ist. Dennoch gesteht sie ein: Die Wirkung der Zonen halte ich für nicht produktiv. Die Botschaft nach außen ist, wir führen hier pinke Zonen für Drogenhandel ein.

Nahe dem Eingang an der Wiener Straße sprühte er neun zwei Meter lange pinkfarbene Rechtecke an den Wegesrand, sogenannte Deal-Zonen. Ein paar Meter weiter hat er No-Deal-Zonen gekennzeichnet.

Auch am Morgen spazieren Eltern mit Kindern durch den Park, laufen Jogger die Wege entlang und führen Menschen ihre Hunde aus. So wie Christof Wagner, der am Görli wohnt und den Park oft mit seiner zweieinhalb Jahre alten Tochter besucht. Für ihn sind die aufgemalten Zonen ein Skandal. Ich bin hier jeden Tag mit meiner Familie, und mir ist noch nie was passiert, sagt er. Der Effekt von diesen Zonen ist, dass Sie Angst bekommen und sich vor dem Fremden fürchten, anstatt sich damit auseinanderzusetzen. David Köster, 29, ist mit seinem drei Jahre alten Sohn im Park unterwegs. Das wird nichts bringen, sagt er über die Zonen, zieht jedoch einen anderen Schluss als Wagner: Es braucht einfach mehr Polizei. Die Kinder würden durchaus mitbekommen, was im Park passiere. Er sieht das Potenzial, dass Kinder und Jugendliche so auf die schiefe Bahn geraten könnten.

Berlin – 140 000 Quadratmeter hat der Görlitzer Park in Kreuzberg. Seit Kurzem sind ein paar davon offiziell für den Drogenverkauf reserviert!

Die Gewerkschaft der Polizei in Berlin sieht die Politik in der Pflicht. Die Verantwortlichen müssen entscheiden, was für einen Park sie wollen. Wenn er drogen- und damit kriminalitätsfrei werden soll, bedarf es dauerhaften polizeilichen Drucks, juristischer Entschlossenheit und politischer Rückendeckung, fordert Sprecher Benjamin Jendro. Wenn man Kriminelle als Nutzer des Parks neben spielenden Kindern integrieren wollen würde, seien rosafarbene Striche zur genauen Positionierung, um Cannabis, Heroin und andere Drogen zu verticken, sicher eine gute Beihilfe. 

Der Görli ist als Berliner Schandfleck bekannt. Die Probleme mit Dealern bestehen nach wie vor. Nun sollen es Parkläufer richten. 

Nach Angaben des Bezirksamts gibt es seit der Einführung des Parkmanagers Grundregeln für die Dealer: keine Kinder ansprechen, keine Frauen bedrängen, nicht die Eingänge zustellen. So soll der Spagat zwischen einem Raum für alle, auch Dealer, und einem sauberen und sicheren Park für Familien gelingen. Für das Bezirksamt ein Erfolgskonzept. Die Kleinkriminalität und die Beschwerden über Lärm und Verschmutzung haben abgenommen. Die gefühlte Sicherheitslage und die Aufenthaltsqualität haben sich verbessert, sagt Lühmann.

Ob die aufgemalten Areale im Görlitzer Park bleiben, will das Bezirksamt nun mit allen Beteiligten diskutieren. Vielleicht löst sich die Diskussion auch von selbst: Die pinke Farbe ist nicht wasserfest.

Die Drogenbeauftragte des Bundes, Marlene Mortler, hat die markierten Stehplätze für Drogendealer im Görlitzer Park in Berlin kritisiert. Wenn das so stimmt, dann ist das eine Kapitulation des Rechtsstaates, sagte die CSU-Politikerin den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Man dürfe den Dealern keinen Freibrief zum Handel erteilten. Auch der Berliner Innensenator Andreas Geisel (SPD) hält den Vorschlag des Parkmanagers Cengiz Demirci, den Drogenhandel im Park auf festen Plätzen zuzuweisen, für “nicht hilfreich”. Drogenkriminalität zu bekämpfen sei dagegen der richtige Ansatz. Gerade deshalb gebe es “eine dauerhafte Präsenz von Polizeikräften” am Görlitzer Park, sagte Geisel am Donnerstag in der Fragestunde des Abgeordnetenhauses.

0 Anzeige Sechs unauffällige, rosafarbene Rechtecke auf einem Gehweg im Görlitzer Park haben in Berlin eine Debatte über den richtigen Umgang mit Drogenkriminalität entfacht. Denn es sind nicht einfach nur Linien, und der Park ist nicht irgendeine Grünfläche. Der Görli, wie die Berliner ihn oft nennen, ist vor allem als Ort für Drogenhandel bekannt. Und die Linien, vor wenigen Tagen gesprüht, sollen aufzeigen, wo sich die Dealer hinstellen sollen – so die Idee von Parkmanager Cengiz Demirci. Wenn schon illegal, dann wenigstens ordentlich – so könnte man die Verkaufszonen interpretieren.

Hintergrund der Debatte ist die Idee, dass Drogendealer in dem Kreuzberger Park in kleinen Bereichen stehen sollen, die mit rosa Sprühfarbe markiert sind. Das Vorhaben des Parkmanagers löste am Mittwoch ein empörtes Echo bei den Berliner Oppositionsparteien CDU und FDP aus. Die Zuweisung von Flächen sei eine Einladung zum Rechtsbruch, teilte CDU-Fraktionschef Burkard Dregger mit. FDP-Abgeordneter Marcel Luthe sprach von einer Farce.

Wohl jeder, der schon mal im Görli war, kennt die Szenerie: Gruppen von jungen Männern, meist afrikanischer Herkunft, stehen nebeneinander, sprechen potenzielle Kunden an. Öffentlicher Drogenhandel, für jeden zugänglich, fest mit dem Namen Görlitzer Park verknüpft. Die Drogenbeauftragte des Bundes Marlene Mortler (CSU) spricht von einer Kapitulation des Rechtsstaates. Der Fraktionsvorsitzende der CDU in Berlin, Burkard Dregger, bezeichnet die Areale als Einladung zum Rechtsbruch.

Weniger erfolgreich seien wie in der rot-schwarzen Legislaturperiode Einsätze von Hundertschaften, die regelmäßig Kontrollen im Park machten, aber danach die Dealer wieder in den Görlitzer Park gingen. Gerade deshalb gibt es eine dauerhafte Präsenz von Polizeikräften im Park.  Die Parks müssten für alle da sein. “Das gehört zur Attraktivität von Berlin. Deshalb ist es wichtig, Begleitkriminalität zu bekämpfen.

Wenn dem so ist, haben die Dealer am Donnerstagmorgen die Einladung zumindest nicht verstanden. Der Eingang an der Forster Straße ist weitestgehend leer. Nur zwei junge Männer – das ist vergleichsweise wenig – halten sich dort auf, geben sich erst einmal ahnungslos und fragen, was denn so interessant sei an den Zeichnungen auf dem Asphalt. Erst nach einigen Minuten gibt einer von den beiden zu: Ja, er verkaufe hier im Park Drogen, allerdings nur Marihuana. Er komme aus Gambia und rauche normalerweise auch – aber jetzt ist Ramadan, da darf ich nicht. Seinen Namen möchte er nicht nennen. Was, wenn meine Eltern das sehen, sagt er.

Auf die Frage des CDU-Abgeordneten Kurt Wansner, wann Geisel von diesen Plänen erfahren habe, antwortete Geisel, er habe am Mittwoch davon erfahren. Er gehe davon aus, dass diese Ideen nicht vom Bezirksamt aufgegriffen werden. Der Bezirk zeigte sich sehr verärgert über den Alleingang des Parkmanagers. Geisel sagte, Drogenkriminalität und die Begleitkriminalität zu bekämpfen sei der richtige Ansatz.

Zu den Verkaufszonen zuckt er die Schultern. Es führe nur dazu, dass Journalisten kämen, sagt er und erklärt damit auch den verwaisten Eingang. Normalerweise stünden hier zehn bis 15 Dealer. Die seien jetzt alle an den anderen Eingängen.

Zuvor hatte die RBB-Abendschau berichtet. Dort sagte der zuständige Baustadtrat Florian Schmidt (Grüne), Drogenverkauf könne immer nur verschoben werden. Man müsse mit den Realitäten umgehen. (dpa)

Nur einige Gehminuten entfernt befindet sich der Arbeitsplatz von Demirci in einem bunten Eisenbahnwaggon. Warum der Parkmanager die Verkaufsflächen markiert hat, darüber darf er nicht mehr mit der Presse reden – Anweisung von seinem Arbeitgeber, dem Bezirksamt Kreuzberg-Friedrichshain. Dem RBB erzählte er noch diese Woche, es gehe darum, größere Abstände zwischen den Männern zu schaffen. Dies bedeute keine Legalisierung. Und überhaupt: Der Drogenhandel könne nur bekämpft werden, wenn die Männer eine Arbeitserlaubnis erhielten. Dann würden hier 90 Prozent sofort aufhören, zeigte sich Demirci überzeugt.

So, wie ich Herrn Demirci verstehe, ist das sein Versuch, die Bedrängung durch Verkäufer einzuschränken, sagt die Sprecherin des Bezirksamts, Sara Lühmann. Das heißt, seine Motivation sind durchaus die Ziele im Handlungskonzept. Über die Maßnahmen selbst muss diskutiert werden.

Das Handlungskonzept Görlitzer Park von 2016 ist der Grund, , warum es in dem Park im Nordosten Kreuzbergs nicht nur einen Parkmanager, sondern auch sogenannte Parkläufer gibt, die für Ordnung und eine sichere Atmosphäre sorgen sollen. Ein Blick in das 52-seitige Dokument zeigt auch, warum Demircis Job anspruchsvoll ist: Wir fördern Maßnahmen, die bewirken, dass sich alle sicherer fühlen können, ohne auf Law and Order zu setzen, heißt es da im Leitbild. Und: Wir wollen keine Vertreibung von Menschen in sozial schwierigen Lebenslagen, sondern kümmern uns um sie.

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Dregger findet diesen Ansatz falsch. Der links-grüne Bezirk will den Park nicht den Menschen zurückgeben, sondern den Drogendealern überlassen. Anwohner und Besucher fühlen sich durch die aggressive Ansprache der Händler belästigt und meiden ihn. Nur die, die die Situation ertragen, gehen dort noch hin, sagt er WELT. Das Bezirksamt und seine politische Führung haben nicht einmal die Absicht, Recht und Ordnung durchzusetzen, sondern sie machen sich zum Handlanger der organisierten Kriminalität. Der frühere CDU-Innensenator Frank Henkel hatte bis zum Regierungswechsel 2016 eine Null-Toleranz-Politik im Görlitzer Park verfolgt. Es sei ein fataler Fehler gewesen, dies einzustellen, sagt Dregger.

Video-Reportage Polizei machtlos – Die Drogenparks von Berlin Die Fraktionsvorsitzende der Grünen Antje Kapek hält dagegen: Die Probleme hätten sich einfach in andere Parks verlagert. Die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Antje Kapek, hält dagegen: Die Probleme hätten sich einfach in andere Parks verlagert. Auch die Polizeipräsenz hätte nicht gewirkt. Das alles hat nicht dazu geführt, dass der Drogenhandel weniger geworden ist. Dennoch gesteht sie ein: Die Wirkung der Zonen halte ich für nicht produktiv. Die Botschaft nach außen ist, wir führen hier pinke Zonen für Drogenhandel ein.

Auch am Morgen spazieren Eltern mit Kindern durch den Park, laufen Jogger die Wege entlang und führen Menschen ihre Hunde aus. So wie Christof Wagner, der am Görli wohnt und den Park oft mit seiner zweieinhalb Jahre alten Tochter besucht. Für ihn sind die aufgemalten Zonen ein Skandal. Ich bin hier jeden Tag mit meiner Familie, und mir ist noch nie was passiert, sagt er. Der Effekt von diesen Zonen ist, dass Sie Angst bekommen und sich vor dem Fremden fürchten, anstatt sich damit auseinanderzusetzen. David Köster, 29, ist mit seinem drei Jahre alten Sohn im Park unterwegs. Das wird nichts bringen, sagt er über die Zonen, zieht jedoch einen anderen Schluss als Wagner: Es braucht einfach mehr Polizei. Die Kinder würden durchaus mitbekommen, was im Park passiere. Er sieht das Potenzial, dass Kinder und Jugendliche so auf die schiefe Bahn geraten könnten.

Lea, 14 Jahre alt Das ist das Einzige, was ich will – Drogen Die Gewerkschaft der Polizei in Berlin sieht die Politik in der Pflicht. Die Verantwortlichen müssen entscheiden, was für einen Park sie wollen. Wenn er drogen- und damit kriminalitätsfrei werden soll, bedarf es dauerhaften polizeilichen Drucks, juristischer Entschlossenheit und politischer Rückendeckung, fordert Sprecher Benjamin Jendro. Wenn man Kriminelle als Nutzer des Parks neben spielenden Kindern integrieren wollen würde, seien rosafarbene Striche zur genauen Positionierung, um Cannabis, Heroin und andere Drogen zu verticken, sicher eine gute Beihilfe. 

Nach Angaben des Bezirksamts gibt es seit der Einführung des Parkmanagers Grundregeln für die Dealer: keine Kinder ansprechen, keine Frauen bedrängen, nicht die Eingänge zustellen. So soll der Spagat zwischen einem Raum für alle, auch Dealer, und einem sauberen und sicheren Park für Familien gelingen. Für das Bezirksamt ein Erfolgskonzept. Die Kleinkriminalität und die Beschwerden über Lärm und Verschmutzung haben abgenommen. Die gefühlte Sicherheitslage und die Aufenthaltsqualität haben sich verbessert, sagt Lühmann.

Ob die aufgemalten Areale im Görlitzer Park bleiben, will das Bezirksamt nun mit allen Beteiligten diskutieren. Vielleicht löst sich die Diskussion auch von selbst: Die pinke Farbe ist nicht wasserfest.

Kokain ist nicht mehr nur eine Luxus-Droge der Schickeria, mittlerweile nehmen Menschen aus allen Schichten das weiße Pulver zu sich: Bauarbeiter, Angestellte oder Studenten.

Ein pragmatischer Ansatz – oder eine Kapitulation des Rechtsstaats? An einem berüchtigten Drogenumschlagplatz in Berlin sollen aufgemalte Linien Dealern ihren Platz zuweisen. Die Empörung ist groß.

Seit Jahren streitet Berlin über die offene Drogenszene im “Görli”, dem Görlitzer Park im Stadtteil Kreuzberg. Nun hat ein neuer Vorstoß große Aufregung ausgelöst: Mit rosaroten Linien sollen künftig Stehplätze für Dealer markiert werden, um deren Aktivitäten zumindest räumlich zu begrenzen.

Die Stehplätze seien nicht mit dem zuständigen Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg abgestimmt, teilte die Behörde mit. Der Verstoß des Parkmanagers sollte zunächst einmal gut bedacht und in den zuständigen Gremien diskutiert werden, hieß es.

Kritiker halten von der Idee des Parkmanagers wenig – so auch die Drogenbeauftragte des Bundes, Marlene Mortler. “Wenn das so stimmt, dann ist das eine Kapitulation des Rechtsstaates”, sagte die CSU-Politikerin den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Man dürfe den Dealern keinen “Freibrief zum Handel” erteilen.

Das Vorhaben des Parkmanagers löste auch bei den Berliner Oppositionsparteien CDU und FDP Empörung aus. Die Zuweisung von Flächen sei eine Einladung zum Rechtsbruch, teilte CDU-Fraktionschef Burkard Dregger mit. Der FDP-Abgeordnete Marcel Luthe bezeichnete die Vorgänge als Farce.

Der zuständige Baustadtrat Florian Schmidt (Grüne) hatte zuvor dem RBB gesagt, Drogenverkauf könne immer nur verschoben werden. Man müsse mit den Realitäten umgehen.

Der Görlitzer Park zählt zu den größten Drogenumschlagplätzen Berlins, selbst Razzien änderten an der Situation kaum etwas. Der Verkauf von Rauschmitteln dort beschäftigt seit Jahren die lokale Politik und erregt immer wieder Aufsehen (lesen Sie hier mehr über das Thema). 2013 etwa plante das Bezirksamt, den illegalen Drogenhandel durch das Einrichten eines Coffeeshops im Park einzudämmen.