Berlin & Brandenburg: Fahrradklimatest: Brandenburger wollen bessere Radwege - n-tv NACHRICHTEN
ADFC-Stimmungsbild: Fahrradfahrer fühlen sich unsicherer
Radfahrer in Deutschland scheinen den Spaß am Radeln zu verlieren: Sie fühlen sich zunehmend unsicher!

Für ein Stimmungsbarometer (keine repräsentative Umfrage) hat der Radverband ADFC 170 000 Rückmeldungen aus dem Alltag ausgewertet – zum Beispiel, ob Radfahren Spaß macht oder eher Stress bedeutet und wie sicher sich Radler fühlen.

Scheuer betonte, zur Verbesserung des Radklimas seien vor allem die Kommunen gefragt: Um ein weit verbreitetes Missverständnis auszuräumen: Die Städte und Kommunen sind für die Kontrolle und die Radwege vor Ort zuständig, betonte er in Berlin. Das Bundesverkehrsministerium fördere Radwege an Bundestraßen, Radschnellwege, innovative Modellprojekte wie zum Beispiel zur Erprobung von Lastenrädern in Logistikketten, Abbiegeassistenten oder Stiftungsprofessuren für die Forschung und die Ausbildung von Fachpersonal. Das Bundesverkehrsministerium stelle allein 2019 allein rund 200 Millionen Euro Fördermittel für den Radverkehr bereit.

Eines der Ergebnisse: Die Zufriedenheit beim Radfahren geht zurück! Mit der Schulnote 3,9 war der Wert schlechter als in den Jahren 2014 (3,7) und 2016 (3,8). Das Sicherheitsgefühl fiel auf die Note 4,2 zurück. Zwei Jahre zuvor lag dieser Wert noch bei 3,9.

Ebenfalls sehr schlecht bewertet werden ungünstige Ampelschaltungen für Radfahrer und die fehlende Breite der Radwege (beides Note 4,4). Besonders alarmierend ist aus Sicht des ADFC, dass die Menschen sich immer unsicherer beim Radfahren fühlen (Note 4,2 gegenüber 3,9 in 2016). Das fehlende Sicherheitsgefühl kommt von schlechten oder zu schmalen Radwegen und der Nähe zum schnellem Autoverkehr, meint Peters. 81 Prozent der Befragten sagen, es sei wichtig oder sehr wichtig, vom Autoverkehr getrennt zu sein – unter den Frauen sind es sogar 86 Prozent.

▶︎ Erstaunlich: Selbst die Sieger unter den Großstädten erhielten von Radfahrern keine besseren Gesamtnoten als eine Drei.

ADFC-Bundesvorständin Rebecca Peters forderte, Deutschland brauche gute und breite Radwege, die getrennt von stark befahrenen Straßen verliefen.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) will den Radverkehr mit gesetzlichen Änderungen attraktiver und nutzerfreundlicher machen. Er kündigte am Dienstag Vorschläge für eine Novelle der Straßenverkehrsordnung bis Pfingsten an.

Vor zwei Jahren hatte Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne) das desaströse Berliner Ergebnis so kommentiert: Die Radinfrastruktur lässt viele Wünsche offen. Weil immer mehr Menschen aufs Rad steigen und aus Verantwortung für ihre Sicherheit, müssen wir mehr in die Radinfrastruktur investieren. Vor zwei Jahren durfte sie das gelassen sehen, Rot-Rot-Grün war zum Zeitpunkt der Umfrage ja gerade gestartet.

Die geplante Verordnung für die Zulassung von Elektro-Rollern in Deutschland sorgt für Ärger – besonders bei Fußgängern!

Gute Fahrrad-Infrastruktur erkennt man daran, dass Leute von 8 bis 88 Fahrrad fahren, sagt Heiko Nickel, Sprecher des Landesverbands Hessen im Verkehrsclub Deutschland und Mitinitiator der Frankfurter Radentscheids.In verkehrsbelasteten Städten führen eher junge, gesunde, sportliche Menschen mit dem Rad. Der Lackmustest ist: Würden Sie ein kleines Kind alleine auf dieser Straße fahren lassen? Wenn Sie das mit Ja beantworten, ist die Fahrrad-Infrastruktur gut. Und wenn Sie es mit Nein beantworten, ist sie schlecht, sagt Nickel.Man müsse von A nach B mit dem Fahrrad fahren können, ohne dass der Radweg endet. Generell sei die häufigste Ursache von Radunfällen, dass Auto- oder Lastwagenfahrer Radfahrer beim Abbiegen an Kreuzungen übersähen. Zweithäufigste Unfallursache seien parkende Autofahrer, die die Türe aufrissen.

Berlin musste ja zuletzt auch viel Spott über Zickzack-Radwege oder im an Absperrgitter endende Radwege hinnehmen. Wo man gut abschneidet ist das Thema Leifahrräder. Daran gibt es weniger Mangel als an vom Autoverkehr klar getrennten Radstrecken. Fast nirgendwo kann man in Berlin, so wie in der dänischen Fahrrad-Metropole Kopenhagen, ohne Kreuzungen und Ampeln auf eigenen Schnellwegen ins Zentrum fahren.

Parkverbote an Hauptstraßen, wie sie in Kopenhagen eingeführt worden seien, seien ein ungeheuerer Sicherheitsgewinn, sagte Nickel: Der fahrende Autofahrer habe die Radfahrer und auch die Fußgänger so gut im Blick. Und dort, wo die Parkstreifen waren, kann man den Fahrradstreifen hinmachen.

Vorgestellt wurde die Studie im Bundesverkehrsministerium, dessen Hausherr, Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU), zumindest eins geschafft hat. Über seine Kampagne mit weiblichen und männlichen Models, die sich knapp bekleidet mit Fahrradhelm räkeln, dazu der Spruch “Looks like shit”. But saves my life” (übersetzt: “Sieht etwas scheiße aus, rettet aber mein Leben”), wurde viel diskutiert.

Der eine will den Rad-Entscheid ab 28. März ins Rollen bringen. Der andere die Autos auf Münchens Straßen.

Der Spaß am Radfahrern nimmt kontinuierlich ab, meint ADFC-Bundesvorstand Rebecca Peters. Am stärksten wird der zu lasche Umgang mit Falschparkern in Städten und Kommunen bemängelt, die immer wieder Radwege blockieren (Note 4,5). Für die bundesweite, alle zwei Jahre durchgeführte Erhebung wurden im Herbst 2018 per Online-Umfrage 32 Fragen zur Fahrradfreundlichkeit gestellt.

Technik-Offensive: Immer mehr Dinge, die bisher nur Autos hatten, halten beim Drahtesel Einzug. Es gibt bereits ABS, Automatik, Hupe.

Doch nun, nach über zwei Jahren grüner Verkehrspolitik, ist das Ergebnis nicht einen Millimeter besser geworden. Tatsächlich entstanden in den vergangenen beiden Jahren ja so gut wie keine modernen Radwege, abgesehen von einigen hundert Metern in der Holzmarktstraße in Mitte (nur einseitig) und der Hasenheide in Kreuzberg (noch für ein Jahr durch Baustelle unterbrochen).

In sechs Kategorien hat der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) die fahrradfreundlichsten Städte Deutschlands gekürt, die von der Größe der Kommune abhängen. Radfahrer konnten für ihr Urteil Schulnoten vergeben.

Insgesamt wächst aber der Frust unter den Millionen Radfahrern in Deutschland – wenngleich auch Autofahrer sich über zunehmend aggressive Ramboradler beklagen. Eine Befragung unter 170.000 Radlern für die neue ADFC-Studie ergab, dass sich die Gesamtnote auf 3,9, also gerade mal ein Ausreichend, verschlechtert hat, bei der letzten Umfrage 2016 gab es eine 3,8.

Bremen, Hannover und Leipzig sind laut einer Umfrage die fahrradfreundlichsten deutschen Städte mit mehr als 500 000 Einwohnern. Bocholt und Reken, beide im Münsterland, sowie Baunatal in Hessen belegten die Spitzenplätze in ihren Einwohnerkategorien. ★ Großstädte mit mehr als 500 000 Einwohnern:

Bei der zentralen Frage Konflikte mit Kfz ist Berlin mit Note 5,1 dagegen bundesweites Schlusslicht. Glatte Fünfen gab es auch für Fahrraddiebstahl, Breite der Radwege und Falschparker-Kontrollen auf Radwegen. Wie berichtet, bemängeln Aktivisten und ADFC seit langem die Untätigkeit der Behörden gegen illegale Parker auf Radwegen.

1. Platz: Bremen – Note 3,552. Platz: Hannover (Niedersachsen) – Note 3,773. Platz: Leipzig (Sachsen) – Note 3,85Aufholer: Berlin – Note 4,27

Möglicherweise haben diese Vorzeige-Projekte zu einer leichten Verbesserung bei Detailfrage 6 (Fahrradförderung in jüngster Zeit) geführt. Hier verbesserte sich die Stadt von 4,5 auf 4,2. Die einzige Note Gut gab es für die vielen Leihräder, die zweitbeste Note ist eine 3,1 für Erreichbarkeit des Stadtzentrums.

1. Platz: Karlsruhe (Baden-Württemberg) – Note 3,152. Platz: Münster (Nordrhein-Westfalen) – Note 3,253. Platz: Freiburg im Breisgau (Baden-Württemberg) – Note 3,42Aufholer: Wiesbaden (Hessen) – Note 4,42

Berlin erreichte insgesamt die Note 4,3 – wie vor zwei Jahren. Nimmt man alle Städte über 200.000 Einwohner, liegt Berlin auf Platz 32 von 39. Beim Test 2016 lag Berlin auf Platz 36, 2014 auf Platz 30 und 2012 noch auf Platz 24. Das aktuelle Ergebnis ist vor allem eines: Eine Klatsche für die Verkehrsverwaltung des Senats.

1. Platz: Göttingen (Niedersachsen) – Note 3,352. Platz: Erlangen (Bayern) – Note 3,393. Platz: Oldenburg (Niedersachsen) – Note 3,54Aufholer: Offenbach am Main (Hessen) – Note 3,63

1. Platz: Bocholt (Nordrhein-Westfalen) – Note 2,392. Platz: Nordhorn (Niedersachsen) – Note 2,623. Platz: Konstanz (Baden-Württemberg) – Note 3,10Aufholer: Konstanz

In Kreuzberg fanden sich an Bushaltestellen dazu Aufkleber auf der Helm-Werbung mit dem Slogan: Sexistische Kackscheiße. Berliner Dialogkultur. Das Verkehrsministerium hat die Kampagne, die rund 400.000 Euro kostet, in Zusammenarbeit mit der Fernsehsendung “Germanys Next Topmodel” aufgelegt.

1. Platz: Baunatal (Hessen) – Note 2,672. Platz: Ingelheim am Rhein (Rheinland-Pfalz) – Note 2,713. Platz: Rees (Nordrhein-Westfalen) – Note 2,95Aufholer: Emmendingen (Baden-Württemberg) – Note 3,50

1. Platz: Reken (Nordrhein-Westfalen) – Note 1,972. Platz: Wettringen (Nordrhein-Westfalen) – Note 1,983. Platz: Heek (Nordrhein-Westfalen) – Note 2,37Aufholer: Oschatz (Sachsen) – Note 3,97

Panoramablick auf die Frankfurter Skyline: Was hat Hessen den Fahrradfahrern sonst zu bieten? Bild: Marcus Kaufhold

Radfahrer aus über 70 hessischen Städten haben den Kommunen die Meinung gesagt: Worüber sie sich ärgern, was ihnen Angst macht und was sie sich wünschen. Wer sind die Gewinner und Verlierer der Umfrage?

Das Klima für Fahrradfahrer in Hessen hat sich einer Umfrage zufolge verschlechtert. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) hatte Radfahrer gebeten, das Radeln in ihrer Stadt anhand von 32 Fragen mit Schulnoten zu bewerten. Im Vergleich zu den Vorjahren zeige sich dabei eine klare Tendenz zu schlechteren Noten, berichtete der ADFC am Dienstag in Frankfurt.

Immer mehr Menschen wollen Radfahren, sagte ADFC-Landesgeschäftsführer Norbert Sanden, gleichzeitig fühlen sich viele unbehaglich im Straßenverkehr. Die Erwartungen der Radfahrer stiegen schneller, als die Kommunen diese erfüllen könnten – das sei die Ursache, dass die Noten schlechter würden, obwohl die Städte sich durchaus anstrengten: Wo Verbesserungen eingeleitet wurden, sind Tempo und Umfang der Maßnahmen noch viel zu gering.

Nur sieben hessischen Kommunen gelang es, ihre Noten leicht zu verbessern. Dagegen haben sich elf leicht und zehn sogar deutlich verschlechtert. Die Befragung ist nicht repräsentativ, sei aber als subjektives Stimmungsbarometer sehr hilfreich, sagte Sanden. Teilgenommen haben rund 12.700 Menschen in Hessen. Ausgewertet wurden die Ergebnisse aus 71 Städten. Zur besseren Vergleichbarkeit wurden die Städte in Größenklassen sortiert. In Berlin wurde parallel der bundesweite Radklima-Test 2018 vorgestellt. Die Befragung wurde zum achten Mal durchgeführt.

Die besten Noten in Hessen bekamen kleinere Städte, die Großstädte schnitten tendenziell schlechter ab. Über alle Größenklassen hinweg waren die drei am besten bewerteten Kommunen Baunatal (Kreis Kassel, Note 2,67), Kriftel (Main-Taunus-Kreis, Note 3,09) und Mörfelden-Walldorf (Kreis Groß-Gerau, Note 3,17).

Baunatal belegte auch deutschlandweit Platz eins bei Kommunen zwischen 20.000 und 50.000 Einwohnern. Der ADFC lobte die fahrradfreundliche Verkehrspolitik: Es gebe eine gute Wegweisung, viele Abstellmöglichkeiten und seit der Fertigstellung einer Bahnhofsunterführung auch eine direkte Radverbindung nach Kassel.

Die schlechtesten Noten über alle Größenklassen hinweg waren Bad Homburg (Hochtaunuskreis, Note 4,54), Wiesbaden (Note 4,42) und Kelsterbach (Kreis Groß-Gerau, Note 4,39).

Wiesbaden holte aber auf. Die Landeshauptstadt gab die rote Laterne ab, es gebe einen spürbaren politischen Willen zur Verbesserung des Fahrradklimas, urteilte der ADFC: mehr Haushaltsmittel, ein Radbüro, neue Wegweisung, neue Radstreifen, ein Vermietungssystem und bessere Ampelschaltungen. Das habe auch dazu beigetragen, ein Diesel-Fahrverbot abzuwenden.

Die größte Verbesserung bei den Noten seit der letzten Befragung 2016 gelang Karben (Wetteraukreis), Dreieich (Kreis Offenbach) und Limburg. Klar verschlechtert haben sich Obertshausen (Kreis Offenbach), Schwalbach am Taunus (Main-Taunus-Kreis) und Hanau.

Neben Wiesbaden stufte der ADFC auch Offenbach  als Aufholerstadt ein. Dort habe man ein zugkräftiges Konzept und einen informativen Internet-Auftritt. Das Radeln am Mainufer sei verbessert worden und 20 Pedelecs stünden zum Ausleihen bereit.

Hessens größte Stadt Frankfurt hat sich verschlechtert (3,94), liegt aber bundesweit auf Platz vier aller Städte mit mehr als einer halben Million Einwohner – nach Bremen, Hannover und Leipzig. Positiv finden die Radfahrer die geöffneten Einbahnstraßen, größtes Problem sind die vielen Falschparker und zu schmale Radwege. Darmstadt  (Note 3,8) liegt hessenweit im Mittelfeld, Kassel (Note 4,18) schafft es gerade mal auf Platz 57 von 71 Städten.