Barack Obama begeistert in Berlin junge Europäer - Berliner Morgenpost
Barack Obama in Deutschland: Trotz alledem!
Barack Obama lud 300 engagierte Europäer nach Berlin ein, um sie im Kampf für eine gerechtere Welt zu unterstützen.

Der ehemalige US-Präsident Barack Obama sprach am Sonnabend im früheren Staatsratsgebäude vor jungen Europäern.

Berlin. Barack Obama hat nichts von seiner Ausstrahlung eingebüßt: Wenn der Ex-Präsident der USA die Bühne mit seinem lässig federnden Schritt betritt, dann hat er, zwar deutlich ergraut, die Anwesenden sofort in seinen Bann gezogen. An diesem Sonnabend umso mehr, da die 300 jungen Menschen auf Einladung von Obama nach Berlin gekommen sind, um mit ihm über die Lösung der anstehenden Welt-Probleme zu diskutieren.

Dazu hat die Stiftung des Ex-Präsidenten 300 engagierte Europäer ausgewählt, denen Obama zutraut, in den kommenden Jahren eine wichtige Rolle in der Gesellschaft zu spielen. Es ist schön, wieder zurück im Herzen Europas zu sein, sagte Obama zur Begrüßung. Bis zuletzt hatte es nur spärliche Informationen über das Treffen gegeben, das schließlich im ehemaligen Staatsratsgebäude der DDR und der heutigen European University of Management stattfand, im Internet übertragen wurde und den Abschluss von Obamas Besuch in Deutschland darstellte.

Mit dem Aufzug ging es direkt aus der Tiefgarage in den fünften Stock in die Präsidenten-Suite (185 qm, Jacuzzi, Sauna, Seifen von Molton Brown). Durch die Panzerglasfenster schoss er ein paar Bilder vom Brandenburger Tor, ließ sich dann vom Zimmerservice Essen bringen.

Eine seiner Pläne für die Zeit nach der Präsidentschaft sei es gewesen, mit der nächsten Generation zusammenzuarbeiten und ihr zu helfen, die Herausforderungen der Zukunft zu bewältigen. Deswegen habe er zusammen mit seiner Ehefrau Michelle die Stiftung ins Leben gerufen, die mittlerweile weltweit agiert. Treffen dieser Art hat es bereits in Indonesien, Brasilien, Indien und den Vereinigten Staaten gegeben.

Video: POLITISCHER POPSTAR: Obama besucht Berlin und Kanzlerin Merkel

Auch Philipp von der Wippel war am Sonnabend dabei. Der Berliner hat bereits als 16-Jähriger ein Unternehmen gegründet, das sozial engagierte Menschen zusammenbringt. Es ist aus dem Gefühl der Dringlichkeit heraus entstanden, sagt der heute 23-Jährige. Von dem Treffen mit Gleichgesinnten erhofft er sich Anregungen für seine Arbeit. Ich möchte erfahren, wie es gelingen kann, kleine Sozialunternehmen mit der nationalen und internationalen Politik zu verbinden, sagt von der Wippel.

Kommentar: Großer Schaden für ein bisschen Nostalgie

Obama gab seinen Gästen gleich zu Beginn den wichtigsten Rat: Nicht zu ungeduldig sein – so, wie er es gewesen sei, als er ein junger Mann war. In einer Demokratie bekommst du niemals 100 Prozent, sagte Obama. Es gebe immer auch andere Menschen mit anderen Interessen. Wichtig sei aber, seinen Prinzipien treu zu bleiben.

Merkel hat Obama im Kanzleramt empfangen. Man könnte das einen schweren Fehler nennen, aber Fehler geschehen ohne Absicht.

Hatte Obama zwei Tage zuvor in Köln vor allem auf die Gefahren durch den Klimawandel hingewiesen und die Notwendigkeit einschneidender Reformen angemahnt, so konzentrierte er sich in Berlin darauf, den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu betonen. Obwohl Europa wohlhabend wie nie zuvor sei, sei das friedliche Zusammenleben in Gefahr. Zerstörerische Kräfte versuchten derzeit, die demokratische Grundordnung in Europa anzugreifen. Deshalb sei es wichtig, sich Toleranz und einen respektvollen Umgang zu bewahren, appellierte der Ex-Präsident an die geladenen Gäste.

Sie schauen sich vertraut in die Augen, als wäre es noch immer die große deutsch-amerikanische Liebe …

Das gelte auch für den Umgang mit Regierungen, riet Obama und erzählte eine Geschichte aus seiner Präsidentschaft. Als neuer Präsident habe er den Außenminister um einen Rat für sein Amt gefragt und als Antwort erhalten: Herr Präsident, es arbeiten zwei Millionen Menschen für Sie. Seien Sie versichert, dass zu jeder Sekunde irgendjemand gerade etwas vermasselt. Wichtig sei es im Umgang mit Regierungen, sich Alliierte zu suchen und eine Plattform, um die Regierenden zum Handeln zu zwingen.

Aber er nutzt das auch für das private Geschäft. Die Tickets in Köln kosteten laut Medienberichten 80 Euro bis 5.000 Euro, dann aber mit der Option auf eine Dinner-Teilnahme und Selfies mit Obama.  Die Obamas können sich über fehlenden Einnahmen nach Ende der kraftzehrenden Präsidentschaft nicht beklagen. Laut US-Medienberichten soll die Bertelsmann-Tochter Penguin Random House für einen Deal, der unter anderem Michelle Obamas Bestseller Becoming und ein Buch von Barack Obama umfasst, bis zu 65 Millionen US-Dollar zahlen. Laut New York Times bekommt Barack Obama für Auftritte bis zu 400.000 US-Dollar. Er ist in Geldfragen öffentlich halt nur etwas dezenter als der protzende Donald Trump.

Sich frustriert zurückzuziehen, sei keine Alternative, riet Obama. Stattdessen sollten sie versuchen, sich weiter zu engagieren und so die Welt zu verändern.

Ein Kuss für den Ex:Merkel empfängt Obama wie einen Freund

Dass Obama das Treffen mit den Hoffnungsträgern in Berlin veranstaltete, war kein Zufall. Berlin war in den vergangenen elf Jahren ein wichtiger Anlaufpunkt für den ehemaligen US-Präsidenten. 2008 redete er noch als Präsidentschaftskandidat vor 250.000 Menschen vor der Siegessäule, 2017 stattete er der Hauptstadt auf einer seiner letzten Dienstreisen einen Besuch ab und mit Bundeskanzlerin Angela Merkel verbindet ihn eine enge Freundschaft. Sie traf er am Freitag zu einem privaten Besuch im Kanzleramt.

Der deutsche Blick auf US-Präsidenten ist ja oft etwas holzschnittartig, für viele gilt: hier der Gutmensch Obama (57), da der Schlechtmensch Donald Trump (72). Die Obama-Nostalgie der Deutschen verstellt etwas den Blick darauf, dass Obamas Amtszeit voll von Schatten ist: der massenhafte Einsatz von Drohnen mit vielen Toten, das lange Zuschauen beim Krieg in Syrien, was die gewaltigen Flüchtlingsströme nach Europa mit befördert hat. Und das Lager in Guantanamo wurde nicht geschlossen. Er redete in Prag von der Vision einer atomwaffenfreien Welt, bekam als Vorschusslorbeer den Friedensnobelpreis.

Barack Obama besucht Angela Merkel | Politik

Barack Obama missioniert im Ruhestand: Vor jungen Europäern in Berlin feiert der ehemalige US-Präsident den Pragmatismus als Mittel des Wandels. Und dann gibt es noch einen Tipp an den Nachfolger – sowie die Ghettofaust.

Jahrgang 1978, geboren in Kassel. Studium der Politologie, Geschichte und Kommunikationswissenschaft an den Universitäten München und Göttingen. Ausbildung an der Deutschen Journalistenschule (DJS) in München. Ab Oktober 2006 München-Korrespondent von SPIEGEL ONLINE, seit Dezember 2009 im Berliner Büro. Von August 2011 bis Juli 2015 USA-Korrespondent in Washington. Seit Januar 2016 stellvertretender Ressortleiter im Politik-Ressort mit Sitz im Hauptstadtbüro, seit August 2017 Ressortleiter.

Damals verweigert ihm Kanzlerin Angela Merkel (CDU) bekanntermaßen noch den großen Auftritt am Brandenburger Tor, um die Republikaner nicht zu vergrätzen, später als Präsident darf er dann im Juni 2013 dort reden. Es ist eine schweißtreibende Angelegenheit. Die Tatsache, dass wir heute hier entlang der Verwerfungslinie stehen können, die die Stadt einst teilte, spricht für eine immerwährende Wahrheit: Keine Mauer kann dem Drang nach Gerechtigkeit, dem Drang nach Freiheit, dem Drang nach Frieden, der in den Herzen der Menschen brennt, widerstehen, sagt Obama damals.

Im Kanzleramt: Obama von Merkel empfangen

Barack Obamas Deutschlandtournee endet im Sozialismus. Der frühere US-Präsident ist seit Tagen in Deutschland unterwegs, hat sich – was man eben so macht als Ehemaliger – in einer Kölner Mehrzweckhalle vor kräftig zahlendem Publikum von einem Motivationstrainer interviewen lassen, hat sich mit Angela Merkel im Kanzleramt getroffen und steht nun, am Samstag, im Bankettsaal des ehemaligen DDR-Staatsratsgebäudes in Berlin.

Sein Nachfolger Donald Trump will heute neue Mauern errichten. Es sei doch sehr warm sagt Obama. Ich fühle mich so wohl, dass ich mein Jackett ausziehen werde und jeder, der dies auch tun möchte, ist herzlich dazu eingeladen. Unter Freunden darf man ruhig etwas zwangloser sein. Obama, der große Umarmer, Versöhnen statt Spalten. Heute verstehen sich Obama und Angela Merkel als Freunde. Sie bekam von ihm die Freiheitsmedaille verliehen, ihn beeindruckt die Vita der Frau, die hinter der Mauer aufgewachsen ist und schon fast 14 Jahre Kanzlerin ist.

Ein Herz und eine Seele: Merkel nimmt sich für Obama anderthalb Stunden Zeit

Draußen im Foyer mit der großen Treppe leuchtet noch das drei Stockwerke umgreifende Glasbild mit Szenen aus der Geschichte der Arbeiterbewegung, geziert vom Spruch: “Trotz alledem!”. Erich Honecker und Egon Krenz residierten einst hier, nun hat eine private Management-Hochschule in dem Gebäude Quartier bezogen.

Die Inszenierung ist wie früher, oben erscheint er auf einer großen Videoleinwand. Guten Tag Berlin, ruft Obama lässig auf deutsch, dann gehts auf englisch weiter: Es ist gut zurück zu sein im Herzen Europas. Er sei nun zum zehnten Mal in Deutschland. Und dann ist er bei der Town Hall Europe, einem Treffen mit 300 Studenten aus ganz Europa, schnell bei seinem Herzensthema. Klimawandel ist eine existentielle Herausforderung für alle Menschen, sagt Obama. Seine Aufforderung in Berlin: You can change the world.

In deren Räumlichkeiten spricht Obama also vor rund 300 jungen Leuten aus ganz Europa. Es ist natürlich ein sehr geneigtes Publikum. Die sogenannten “young leaders” sind auf Einladung von Obamas Stiftung zu einer “Town Hall” nach Berlin gekommen, zur Diskussion mit Obama. In Köln war er wohl zum Geldverdienen, in Berlin sucht Obama nach den neuen Obamas.

Denn seine Ziele, sagt er, seien weiterhin der Klimaschutz, mehr Toleranz in der Gesellschaft, die Gleichberechtigung der Geschlechter sowie der Kampf gegen die wachsende Ungleichheit. Wie aber mache seine Arbeit nach der Zeit im Weißen Haus den größten Effekt? Indem er junge Menschen unterstütze und zusammenbringe. Ihn und seine Frau Michelle gebe es eben nur einmal, deshalb gelte es, erst Tausende, dann Hunderttausende, dann Millionen neuer Aktivisten zu gewinnen.

Obama hat sich von Europa abgewendet und Europa massiv geschadet. Ihn jetzt als Maskottchen der guten alten Zeit einzuladen, in der außer Obamas schönen Worten nichts wirklich gut war, und unseren wichtigsten Verbündeten damit vor den Kopf zu stoßen, ist unverantwortlich.

Das wollte Obama schon als Sozialarbeiter im Chicago der achtziger Jahre. Nur: So leicht verändert sich die Welt nicht zum Besseren. In den letzten Jahren schlug das Pendel kräftig in die andere Richtung aus: Brexit, Trump, Putin.

Hinzu kommt: Es war Obama, der durch sein historisch falsches Nicht-Eingreifen in Syrien Europa und Deutschland die Flüchtlingskrise (mit-)bescherte. Es war Obama, der tatenlos zusah, als Putin sich mit der Krim militärisch einen Teil von Europa griff.

So ist aus dem erstmal visionär und dann pragmatischen Kandidaten Obama, der im Jahr 2008 hoffnungssprühend vor 200.000 Menschen an der Berliner Siegessäule sprach, gut zehn Jahre später ein erstmal pragmatischer und dann visionärer Ex-Präsident geworden.

Dafür empfing sie ausgerechnet den Mann, der ihr Handy abhören ließ und gegenüber Deutschland und Europa obendrein viele Positionen vertrat, die deckungsgleich sind mit dem, was Präsident Trump sagt.

Ein junger Nordire fragt Obama, wie man in diesen polarisierten Zeiten denn noch “den Wert des Kompromisses und die Schönheit des Konsenses” zeigen könne?

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Obama am Freitagnachmittag im Kanzleramt empfangen. Man könnte das einen schweren Fehler nennen, aber Fehler geschehen ohne Absicht.

Es gebe keine “perfekte Formel”, sagt Obama, aber man müsse sich damit abfinden, dass man nie 100 Prozent bekomme. Man könne das mitnehmen, was möglich sei – “und später darauf aufbauen”. Gesellschaftlicher Wandel “geht nicht schnell”, vollziehe sich stets in Schritten. Radikale Veränderungen hingegen zeitigten keine guten Ergebnisse, das zeige die Geschichte.

Für ein bisschen irreführende Nostalgie nimmt Kanzlerin Merkel weiteren Schaden im überragend wichtigen deutsch-amerikanischen Verhältnis in Kauf.

Er selbst habe etwa das Pariser Klimaabkommen vorangetrieben, wohl wissend, dass es noch nicht ausreiche. Dass nun ausgerechnet die USA aus diesem Abkommen ausgetreten seien, “das ist eine ganz andere Frage”.

Als ein Schwede mit somalischen Wurzeln von seiner Arbeit als “Brückenbauer zwischen alteingesessenen und neuen Schweden” berichtet, warnt Obama entschieden vor Extrempositionen. Es gebe in jeder Gesellschaft den Trend, die Menschen in Gruppen aufzuteilen, in “wir” und “die”, sagt Obama: “Wir alle tragen diese Verzerrung in uns”.

wer President der vereinigten Staaten von Amerika ist. Ein großer Teil der Deutschen hat die USA als Vorbild und Reiseziel in den letzten Jahrzehnten in sich aufgenommen. Viele Ostdeutsche schauen eher gen Osten und küsst dem die Füße der sie gefangengehalten hat. Überall haben wir in Deutschland amerikanische Technik und Kultur aufgenommen, Bürger,hot Dogs Autos, Filme, Unterhaltung, Toys R us, Walt Disney, Drive through und und und. Und nicht zuletzt ersetzt unsere Jugend, die fast nur noch über amerikanischer Technik kommumiziert, ihre Muttersprache durch Amerikanisch. Ist das nicht nice? Amerika ist ein sehr großer Teil unseres täglichen Lebens es merkt nur anscheinend niemand.

Die Lage am Freitag: Liebe Leserin, lieber Leser,

Das müsse man bedenken und dann den Weg zu einem “humanen, geordneten, bedachten Immigrationsprozess finden”. Einerseits müssten dafür die Ängste der Alteingessenen ernst genommen und abgebaut werden; andererseits sollten die Neuen die Regeln der aufnehmenden Gesellschaft adaptieren.

Trump und Obama liegen mit ihren politischen Zielen gar nicht so weit auseinander. Beiden geht es um "America first" Auch Obama hatte permanent die zu geringen Zahlungen Deutschlands in die Nato kritisiert und auch unsere Nähe zu Russland mit dem wir 20 Jahre lang gute wirtschaftliche und kulturelle Beziehungen pflegten war ihm nicht suspekt. Als begnadeter Rhetoriker war er allerdíngs anders als Trump in der Lage das verbindlicher und freundlicher rüberzubringen. Deshalb mögen ihn die Deutschen mehrheitlich auch heute noch. Sein größtes Manko. Es gelang ihm nicht das Gefangenelager auf Kuba Guantanamo aufzulösen. Das hatte er versprochen.

Angela Merkel und Barack Obama: Vertrauliches Treffen im Kanzleramt

Wenn aber den Alteingesessenen von der rechten Seite nur Angst gemacht werde und sie gleichzeitig wegen ihrer Bedenken von der linken Seite als Rassisten abgestempelt würden, dann “werden diese Leute keine Möglichkeit haben, ihr besseres Selbst zu finden”, so Obama.

ist es Merkels Diplomatie, Öl ins Feuer zu gießen, indem sie Trump brüskiert und Obama einlädt ?. Das Verhältnis USA/Deutschland ist zerüttet genug. Trump schein Merkel bei ihrer ehre gepackt zu haben, indem er sie nicht entsprechend hofiert. Merkel tut Deutschland mit dem Empfang des Herrn Obama keinen Gefallen. Im übrigen ist Merkel in meinen Augen nicht die einflussreichste sondern die spendabelste Frau Europas. Wenn in Deutschland das Geld knapp wird, ist sie hoffentlich von der politischen Bühne abgetreten. Ausbaden können das dann andere, hauptsächlich der deutsche Michel.

Es ist auch die Spaltung der westlichen Gesellschaft, gegen die der Ex-Präsident hier anredet. Trotz aller Widrigkeiten und Rückschritte, gibt es für ihn diesen pragmatischen Weg nach vorn. Dies ist seine Botschaft. Trotz alledem.

Angela Merkel und Barack Obama in Berlin: Die Botschaft des Treffens

Sein als privat deklarierter Besuch bei der Kanzlerin am Vortag setzte ebenfalls dieses Zeichen: Hier treffen sich zwei Pragmatiker, die den Erfolg eher im Kompromiss, statt im lautem Getöse suchen. Obama sieht Merkel als seine eigentliche Nachfolgerin auf der Weltbühne und sucht bei jeder sich bietenden Gelegenheit den direkten Kontakt.

In Köln äußert sich Obama vor mehr als 14 000 Menschen "zuversichtlich und vorsichtig optimistisch", dass die USA im Klimaschutz bald wieder führend sein werden. Ohne Trump beim Namen zu nennen – das tut man nicht mit Nachfolgern im Präsidentenamt – ist unmissverständlich klar, was er von Trumps Klimapolitik hält. Natürlich seien viele frustriert aufgrund der Haltung der derzeitigen US-Regierung. Aber man dürfe nicht vergessen, dass etwa der US-Staat Kalifornien das Pariser Klimaabkommen konsequent umsetze. Ein schwacher Trost für Klimaaktivisten.

Für Merkel ist die Sache ein bisschen schwieriger, sie ist noch aktive Politikerin. In Folge des Treffens mit Obama entspann sich unter Berliner Politauguren dann auch sogleich die sehr deutsche Debatte, ob es dem nationalen Interesse des Landes schade, wenn sich die Kanzlerin mit einem von Trump Verfemten treffe. Merkels Regierungssprecher jedenfalls sagte auf die Frage, ob das Treffen ein Zeichen an Trump gewesen sei: “Diesem Eindruck würde ich entschieden widersprechen.”

Obama erwähnt Trump mit keinem Wort, setzt nur einige Spitzen. Als er gefragt wird, wie man sich vom politischen Stress entspannen könne, da sagt er: “Es gibt einige Politiker, denen täte ein bisschen Meditation ganz gut. Um den inneren Frieden zu finden.”

Wie groß die Dissonanzen zwischen Washington und Berlin sind, zeigte sich gerade erst wieder beim Auftritt von Trump-Vize Mike Pence während der Feierlichkeiten zum 70-jährigen Bestehen der Nato. Er rügte erneut die in den Augen der Amerikaner zu geringen deutschen Verteidigungsanstrengungen und warnte mit Blick auf die deutsch-russische Ostsee-Gaspipeline Nord Stream 2, die Sicherheit des Westens könne nicht gewährleistet werden, wenn sich Verbündete von Russland abhängig machten.

Ehemaliger US-Präsident: Barack Obama kommt am Freitag nach Berlin

Schließlich kommt als eine der Teilnehmerinnen die bayerische Grünen-Fraktionschefin Katharina Schulze zu Wort. Sie habe einst in seiner Wahlkampagne in Michigan mitgearbeitet, sagt sie. Obama ist überrascht, begrüßt Schulze sodann per “Fist Bump”, der sogenannten Ghettofaust.

Schulze will noch wissen, wie mit dem zunehmenden Hass umzugehen sei. Und Obama sagt, man müsse gerade im Netz “Projekte von Freundlichkeit und Wahrheit” schaffen, “und das müssen wir dann ausbauen und attraktiv machen für die Leute”. Schritt für Schritt.