Der oft beschworene Fachkräftemangel ist gar nicht so einfach zu berechnen. Die Zahlen der Arbeitsagentur legen zumindest nahe, dass es in bestimmten Berufsgruppen Engpässe gibt. Berlin und Brandenburg suchen etwa Altenpfleger. Von Götz Gringmuth-Dallmer

Die Arbeitsmärkte in Berlin und Brandenburg leiden offenbar in verschiedenen Berufsgruppen an einem Fachkräftemangel. Das legen aktuelle Daten der Arbeitsagentur nahe, die rbb|24 ausgewertet hat.

So gab es in Brandenburg im Verlauf der vergangenen zwölf Monate (Stand Oktober) unter anderem bei Klempnern, Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnikern, in Gesundheitsberufen, in der Energietechnik und bei Altenpflegern durchschnittlich mehr gemeldete offene Stellen als Arbeitslose. Auch bei der Bodenverlegung, in der Mechatronik und Automatisierungstechnik sowie weiteren Berufsgruppen werden händeringend Fachkräfte gesucht. Insgesamt trifft der Mangel auf 14 Berufsgruppen zu (s. Grafik).

Zudem dauert die Besetzung der offenen Stellen in den genannten Bereichen im Schnitt zwischen fünf und acht Monaten und somit deutlich länger als in anderen Berufen.

Ursachen für die Nichtbesetzung von Stellen sind die geringe Zahl an Bewerbern, eine unzureichende Qualifikation der Bewerber, fehlende Bereitschaft der Arbeitssuchenden, die Arbeitsbedingungen zu erfüllen, und zu hohe Lohn- und Gehaltsforderungen. Das geht aus der aktuellen Stellenerhebung des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) hervor, bei der regelmäßig Betriebe in Deutschland nach Ihrem Arbeitskräftebedarf befragt [IAB.de].

Ein deutliches Überangebot im Jahresvergleich gab es dagegen zum Beispiel bei Berufen in der Gebäudetechnik, bei Büro- und Sekretariatskräften oder auch in der Hauswirtschaft und Verbraucherberatung.

Auch in Berlin gab es einige Berufsfelder, in denen es an Arbeitskräften fehlte, allerdings nur sechs und damit nicht ganz so viele wie in Brandenburg. Im Verlauf der vergangenen zwölf Monate (Stand Oktober) fehlten in der Hauptstadt insbesondere in der Altenpflege sowie bei Klempnern, Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnikern Fachkräfte. Hier gab es durchschnittlich mehr gemeldete offen Stellen als Arbeitslose.

Auch bei der Energietechnik der Mechatronik und Automatisierungstechnik, beim Verkauf von Lebensmitteln sowie bei Berufen aus den Bereichen  Gesundheits- und Krankenpflege, Rettungsdienst und Geburtshilfe gibt es Engpässe bei der Besetzung von Arbeitsstellen. Zudem dauert die Besetzung der offenen Stellen in den genannten Bereichen oftmals vier bis fünf Monate und somit länger als in anderen Berufen.

Ein  Überangebot gab es in Berlin dagegen zum Beispiel bei Berufen in der Gebäudetechnik, bei Büro- und Sekretariatskräften sowie in der Gastronomie.

Die sogenannte Vakanzzeit war in Berlin in den vergangenen zwölf Monaten in der Altenpflege besonders hoch. Vakanzzeit ist die Zeit, die benötigt wird, um eine offene Stelle neu zu besetzen. Laut Engpassanalyse der Arbeitsagentur vom Oktober 2018 [arbeitsagentur.de] betrug sie in der Altenpflege im Schnitt 149 Tage, also mehr als fünf Monate.

Im Vergleich zu den Daten aus dem Oktober 2013 sind in beiden Bundesländern insgesamt die Vakanzzeiten in allen Berufen gestiegen. In Brandenburg stieg der Gesamtwert von 63 Tagen im Jahr Oktober 2013 auf 110 Tage im Oktober 2018. In Berlin lag der Gesamtwert im Oktober 2013 bei 70 Tagen, im Oktober 2018 bei 96 Tagen.

Viele Berufsgruppen waren in der Engpassanalyse im Oktober 2013 noch nicht vertreten, wie zum Beispiel Technische Zeichner, Kaufleute in Verkehr und Logistik oder Berufe in der Technischen Produktionsplanung.

Nicht beachtet wurden in dieser Analyse die sogenannten Helferberufe. In Branchen, die auch auf Helferberufe angewiesen sind, wie zum Beispiel die Altenpflege, können fehlende Helfer den Mangel noch verschärfen.

Bei den Berufsgruppen, die schon 2013 eine lange Vakanzzeit hatten, hat der Bereich Klempnerei, Sanitär, Heizung, Klimatechnik um 126 Tage (102 auf 228 Tage) zugelegt. In Berlin gibt es im Vergleich zu 2013 die größte Steigerung beim Verkauf von Lebensmitteln (58 auf 146 Tage), eine Differenz von 88 Tagen.

Für einen Fachkräftemangel gibt es bislang keine allgemeingültige Definition. Der Fachkräftemonitor der Industrie- und Handelskammer Berlin (IHK) zeigt in seinen Analysen teilweise andere Ergebisse – wie zum Beispiel bei Büro- und Sekretariatsberufen. Zudem gibt es für Unternehmen keine Verpflichtung, offene Stellen an die Arbeitsagentur zu melden. Die oben genannten Zahlen bilden deshalb auch nur einen Teil der Wirklichkeit ab.

Die Arbeitsagentur schreibt in ihrer Fachkräftenegpassanalyse: "Für die Beurteilung von Fachkräfteengpässen gibt es weder eine allgemeingültige Definition noch eine alles umfassende Berechnungsformel. Jedoch erscheint es möglich, aus der Zusammenschau verschiedener Informationen Fachkräftemangel in bestimmten Berufen oder Berufsgruppen zu lokalisieren."

Bitte beachten Sie unsereNetiquette zum Kommentieren von Beiträgen sowie unsere Richtlinien zum Datenschutz.

Warum werden Erzieher und Lehrer nicht aufgeführt? Hier soll es doch immer noch einen immensen Mangel geben…

Das Freizeitbad "Spreewelten Lübbenau" öffnet wieder – nach mehr als einem halben Jahr Umbauarbeiten. Für 25 Millionen Euro gab ein neues Hotel – und besseren Schutz für die Pinguine. Von Anja Kabisch

Zwei Unternehmer bekamen nach der Wende 90 Millionen D-Mark zur Sanierung von Schloss Boitzenburg, das Geld wurde größtenteils zweckentfremdet. Jetzt sind die Männer zu Haftstrafen verurteilt worden. Doch ins Gefängnis müssen sie wahrscheinlich nicht. Von Lisa Steger

Wie groß ist der oft beschworene Fachkräftemangel wirklich? DIW-Experte Karl Brenke sagt im Interview: Die Zahlen würden insgesamt größer gemacht, als sie tatsächlich seien. Aber an manchen Stellen fehle es in Berlin und Brandenburg wirklich an Fachkräften.

Die deutsche Wirtschaft beklagt immer öfter fehlende Fachkräfte. Gleichzeitig waren nach Angaben des Statistischen Bundesamts im September etwa 45 Millionen Menschen in Deutschland beschäftigt – so viele wie noch nie seit der Wiedervereinigung. Inforadio ist dem Fachkräftemangel auf der Spur.

Die blitzblanke neue Zentrale des Bundesnachrichtendienstes (BND) in Berlin-Mitte ist nicht zu übersehen. Nun sucht der BND Leute, die dort arbeiten: Hunderte Stellen sind unbesetzt. Michael Götschenberg, Inforadio-Experte für Nachrichtendienste, berichtet wie neue Mitarbeiter gewonnen werden sollen.

Der Bäckerberuf kommt bei vielen jungen Leuten nicht gut an, vor allem deshalb, weil Bäcker meistens vor Tau und Tag aufstehen müssen. Dass es auch anders geht, zeigt das Beispiel Florian Domberger. Er betreibt in Berlin einen unkonventionellen Laden, fernab vom frühen Aufstehen und vom Meisterzwang. Inforadio-Redakteur Reiner Veit hat ihn getroffen und nach seinem "Erfolgsrezept" gefragt.

Yvonne Neumann von der Berliner Bäckerei Weichardt hat ein Problem: Sie braucht dringend Bäckerinnen und Bäcker, Konditorinnen und Konditoren sowie Auszubildende, findet aber keine. Auch BVG-Bus-Chef Thorsten Marek hat Probleme, Fachkräfte zu finden. Aktuell sucht er noch etwa 500 Busfahrerinnen und Busfahrer und 66 bis 70 Handwerkerinnen und Handwerker. Er meint, die Politik müsse handeln.

Wir suchen Mitarbeiter – das ist ein Aufkleber, den man immer wieder an Lieferwagen, LKWs und Bussen in Berlin und Brandenburg sieht. Gefühlt mangelt es an jeder Ecke. Wer macht hier eigentlich die Arbeit? Das ist unser Schwerpunkt in dieser Woche. "Fachkräftemangel" lautet das große Alarmwort. Das rbb24-Datenteam hat jetzt Zahlen der Bundesagentur für Arbeit für Berlin und Brandenburg ausgewertet und zeigt: Zumindest in einigen Berufsgruppen ist der Mangel deutlich mehr als nur ein Gefühl. Thorsten Gabriel aus unserer landespolitischen Redaktion erklärt, welche Branchen besonders betroffen sind.

Die Branchen, in denen händeringend Personal gesucht wird, kann man kaum alle aufzählen: Egal ob bei Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnikern, in Gesundheits- und Pflegeberufen oder im Verkauf von Lebensmitteln – es gibt deutliche Anzeichen für einen Fachkräftemangel. Aber was versteht man genau darunter? Inforadio-Redakteurin Liane Gruß bringt es auf den Punkt.

Schon seit Jahren wird immer wieder von einem drohenden Fachkräftemangel gesprochen. Andere erklären den Fachkräftemangel zum Mythos. Was stimmt denn nun? Wir versuchen das zu klären – in einem Pro & Contra-Gespräch. Es diskutieren der Arbeitsmarktexperte des DIHK, Dr. Stefan Hardege und Dr. Eric Seils vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der SPD-nahen Hans-Böckler-Stiftung.

Was die Hauptstadt beschäftigt, was Berliner und Brandenburger bewegt – Inforadio ist unmittelbar dabei, wenn sich ein Thema auftut, bringt Menschen zusammen, macht Hintergründe klar.  Wie lebt es sich in Berlin und Brandenburg im Jahr 2018? Welche Sorgen haben die Menschen, aber auch welche Hoffnungen? Ganz unterschiedlichen Themen werden Inforadio-Reporter immer wieder intensiv nachgehen: "Digitalisierung und Arbeit", "Mobilität", "Familie" und "Studenten auf der Suche nach dem Ich".