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Preisgekrönt und viel gelobt: “Babylon Berlin” statt “Tatort” in der ARD
Wenn Sie am Sonntag zur Tatort-Zeit den Fernseher einschalten, gibt es ausnahmsweise keinen Film aus der Krimi-Reihe. Stattdessen sehen Sie die ersten­ drei Folgen DER Serie, über die die halbe Fernsehwelt spricht. Babylon Berlin, die teuerste deutsche TV-Serie aller Zeiten.

Ein Jahr lang musste Free-TV-Deutschland auf das Serien-Event warten. BILD hat mit seinen Machern gesprochen.

1929, janz Berlin is eene Drogenwolke. In den Opiumhöhlen der Stadt betäuben sich die Kriegsheimkehrer, in den Tanzsälen wird gefeiert, als ob es kein Morgen gäbe, und in Hinterzimmern berauschen sich Industrielle und Militärs an ihren Träumen von einem neuen mächtigen deutschen Reich. Mittendrin jagt Kommissar Gereon Rath (Volker Bruch) einem Filmdokument hinterher, in dem angeblich der junge Adenauer bei einer SM-Session zu sehen ist. An seiner Seite: die Gelegenheitsprostituierte Charlotte Ritter (Liv Lisa Fries). Tagsüber tippt sie Akten ab, nachts schafft sie im Fetischdress in den Kellergewölben des Vergnügungspalasts Moka Efti an.

Eine internationale TV-Sensation, schreibt die New York Times. Mach Platz, ,Game of Thrones, urteilt der englische Daily Star. Auch Star-Designer Tom Ford ist zum Fan geworden. Er ließ seine Models bei der New York Fashion Week zum Titelsong der Serie Zu Asche, zu Staub über den Laufsteg gehen.

Im hochbeschleunigten Berlin von gestern leuchtet das hochbeschleunigte Berlin von heute auf. Das Moka Efti als Kathedrale der Entfesselung erinnert etwa an das Berghain, die Separees in den Katakomben an dessen Darkrooms. Gleichzeitig gelingt es den Serienschöpfern Henk Handloegten, Achim von Borries und Tom Tykwer in den Erschütterungen und Erosionen, in der Radikalisierung und Fragmentierung der Gesellschaft der Zwanzigerjahre die bundesdeutsche Gegenwart zu spiegeln. Ein Epochenstück, das nicht aktueller sein könnte.

Jetzt endlich ist dieses TV-Ereignis, das Sky-Zuschauer schon im vergangenen Herbst sehen konnten, auch im frei empfangbaren Fernsehen zugänglich. Nach dem Auftakt am heutigen Sonntag werden die weiteren Folgen jeweils donnerstags ausgestrahlt.

Stoßen eine junge Frau und ein junger Mann auf dem Behördenflur gegeneinander. Fallen ihr ein Stapel mit Fotos grausam zugerichteter Leichen aus der Hand, rutschen ihm ein Haufen mit expliziten SM-Bilder auf den Boden. “Ich hoffe, sie sind von der Sitte”, sagt sie, als sie die Bilder sieht. “Und ich hoffe, sie sind von der Mord”, erwidert er mit Blick auf die Leichenbilder. So lernen sich Charlotte Ritter und Gereon Rath auf der Polizeirevier kennen. Ein kranker Flirt in kranker Zeit.

Kommissar Gereon Rath (Volker Bruch, 38) kommt 1929 aus Köln nach Berlin. Die Metropole ist komplett in Aufruhr. Nachtleben, Politik und selbst die Unterwelt – alles befindet sich im Wandel. Raths erster Job: Er soll einen von der Mafia gesteuerten Pornoring sprengen.

“Zu Asche, zu Staub” Das Leitmotiv der Serie, eine Mixtur aus Exotica, Swing und modernem melancholischen Pop. Marlene Dietrich 2.0 sozusagen. Das Lied geht einem nicht wieder aus dem Kopf, wenn man es einmal gehört hat – und dann direkt in die Beine. Beim Trommelwirbel bitte Tanzposition einnehmen!

Zusammen mit seinem Chef Bruno Wolter (Peter Kurth, 61) und der Stenotypistin Charlotte Ritter (Liv ­Lisa Fries, 27) beginnt er die Ermittlungen und trifft dabei auf ­Korruption, Drogen- und Waffenhandel.Die spannende Geschichte, die uns in die goldenen 20er-Jahre führt, basiert auf dem Roman Der nasse Fisch von Volker Kutscher.

Jahrgang 1968, schreibt seit 1988 über Popkultur, Film und Fernsehen. Stationen: “Hamburger Morgenpost”, “Tempo”, “Rolling Stone”, “taz”, “Berliner Zeitung”. Seit 2004 Autor für SPIEGEL ONLINE, seit Januar 2011 Redakteur im Ressort Kultur.

Gleich drei Regisseure – Tom Tykwer, Achim von Borries und Henk Handloegten – machten daraus ein Drehbuch. Zu dritt drehten sie auch parallel an jeweils unterschiedlichen Orten, unter anderem in der Neuen Berliner Straße im Studio Babelsberg in Potsdam. Innerhalb von fünf Monaten entstand für neun Millionen Euro die Außenkulisse mit einer Größe von 15 000 Quadratmetern.

Den Machern war wichtig, alles so originalgetreu wie möglich darzustellen. Bei 19 verschiedenen Kostümverleihern wurden europaweit 3500 Kostüme zusammengetragen, dazu 500 weitere extra angefertigt. Für die bisher 16 Folgen in zwei Staffeln arbeiteten 400 Personen allein hinter den Kulissen. 250 Schauspieler haben Sprech­rollen.

Die Grundstruktur und die Figurenkonstellationen sind großenteils identisch. Doch es gibt jede Menge zusätzliche Handlungsstränge, Nebenschauplätze und sanfte Verschiebungen. Die Fernsehserie ist ein ambitioniertes Großprojekt geworden. Und nicht nur die gigantischen Kosten erklären auch die riesige Werbetrommel, die nun ganz kräftig geschlagen wird. Das Geld sieht man in jeder Einstellung: Erlesen sind die Innenräume, mal provozierend schlicht im Bauhaus-Stil gehalten, mal üppig und detailverliebt. Kostüme und Musik sind sorgfältig ausgewählt und gestaltet. Zudem versammeln die Filmemacher Tom Tykwer, Hendrik Handloegten und Achim von Borries eine illustre Schar an hochkarätigen Schauspielern um sich. In der ersten Reihe Volker Bruch als Ermittler und kriegstraumatisierter Morphinist Gereon Rath und die formidable Liv Lisa Fries als Charlotte Ritter. Dank der ebenfalls exzellenten Arbeit der Maskenbildner erkennt man einige der weiteren Darsteller anfangs zuerst einmal an der Stimme.

Insgesamt entstanden 2500 Stunden Filmmaterial, die schließlich auf zwölf Stunden zusammengeschnitten werden mussten.

Knapp 40 Millionen Euro haben die ersten beiden Staffeln von Babylon Berlin gekostet. Es ist die aufwendigste deutsche Serie aller Zeiten und die teuerste nicht englischsprachige ­Serie Europas. Der Erfolg ist schon jetzt überwältigend, eine dritte Staffel bereits beschlossen. Die Dreharbeiten beginnen Ende Oktober.

Die Stärke der Inszenierung liegt zum einen in dem spürbaren Versuch, endlich einmal etwas zu wagen im deutschen Fernsehen, auch optisch. Zum anderen, und das ist es, weshalb „Babylon Berlin“ in einigen Jahren noch sehenswert bleiben wird, in der Genauigkeit im Kleinen, in der raffinierten Andeutung und Anspielung, in dem, was die Figuren zwischen den Zeilen gesagt haben. Daraus entsteht ein aufregendes Spannungsverhältnis, das den Zuschauer auch in manch redundanter Szene noch bei der Stange hält: hier die ekstatische Party, der sinnenfrohe Rausch, die opernhafte Orgie – dort der Kater am Morgen danach, das Warten auf Arbeit, das graue Elend auf der Straße mit all den Invaliden und das Billigessen bei Aschinger, bei dem auch die Damen vor lauter Hunger den Teller blitzblank putzen.

Wie schon bei den ersten beiden Staffeln ist alles streng geheim. Doch so viel steht fest: Die nächsten zehn Folgen spielen in den 30er-Jahren und konzentrieren sich auf die düstere Filmindustrie in Berlin und den Mord an einer bekannten Schauspielerin. Die Grundlage dafür liefert wiederum ein Roman von Volker Kutscher: Der stumme Tod.

„Babylon Berlin“ ist die Verfilmung der international erfolgreichen Bestseller-Reihe von Volker Kutscher – die das ganze Panoptikum dieser außergewöhnlichen Zeit am Anfang des 20. Jahrhunderts zwischen Drogen und Politik, Mord und Kunst, Emanzipation und Extremismus bietet. Als Autoren und Regisseure zeichnen Tom Tykwer („Lola rennt“, „Das Parfum“), Hendrik Handloegten („Liegen lernen“) und Achim von Borries („Was nützt die Liebe in Gedanken“) verantwortlich. Sie haben fast drei Jahre am Drehbuch gearbeitet. Tykwer: „Wir haben die komplette Serie zusammen geschrieben und inszeniert. Es gibt nicht eine Episode, an der wir nicht alle drei beteiligt waren.“

Falls Sie jetzt schon Lust auf mehr bekommen haben: Die komplette erste Staffel ist ab ­sofort in der ARD Mediathek abrufbar.

So eine Kombination gab’s zuvor noch nie: Erstmals haben die öffentlich-rechtliche ARD Degeto und der Bezahlsender Sky die Kräfte gebündelt, um gemeinsam mit Produktion und koproduzierendem Weltvertrieb dieses außergewöhnliche Projekt zu realisieren. „Wer aus Deutschland heraus Serien auf international höchstem Niveau produzieren möchte, muss auch im Bereich der Finanzierung neue innovative Wege gehen“, erklärt Elke Walthelm, Programmchefin bei Sky Deutschland, gegenüber unserer Zeitung. „Das haben wir gemeinsam mit den Partnern X Filme, ARD Degeto, das Erste und Beta Film getan. Wir freuen uns auf den Start von ,Babylon Berlin‘ heute bei Sky.“

Babylon Berlin, von der Kritik hochgelobt, vielfach preisgekrönt und international erfolgreich, feiert am Sonntag, 30. September 2018, um 20:15 Uhr Premiere im öffentlich rechtlichen Fernsehen.

Berlin 1929: Die Schockwellen des New Yorker Börsencrashs sind auch in Berlin zu spüren. Alfred Döblin veröffentlicht seinen Roman „Berlin Alexanderplatz“, im Mittelpunkt steht neben dem Ex-Knasti Franz Biberkopf die Hauptstadt des Reiches, „die große Hure Babylon“. Die porträtierte auch der Autor Volker Kutscher in seinen Krimis rund um den Berliner Kommissar Gereon Rath. Für Fans der Bücher muss man allerdings anmerken: Mit dem Original-Kutscher hat „Babylon Berlin“ nur noch in Spurenelementen zu tun.

Die Woche neigt sich dem Ende, man lehnt sich entspannt auf dem Sofa zurück, schaltet den Fernseher ein und taucht ab in den “Tatort”. So ergeht es sonntags rund 7 Millionen Menschen. Doch in dieser Woche ist alles ganz anders. 

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier heißt es ja so schön und genau deswegen kann es für viele “Tatort”-Fans am 30. September ganz schön ungemütlich werden. Die Erfolgsserie “Babylon Berlin” feiert Free-TV-Premiere im Ersten und das ausgerechnet zur “Tatort”-Sendezeit. 

Mit mehr als 180 Drehtagen ist „Babylon Berlin“, auch, was den Aufwand angeht, ein beispielloses Unternehmen. „Teilweise haben wir zwei oder sogar drei Einheiten parallel gedreht. Im Nachhinein ist kaum vorstellbar, wie wir das alle zusammen geschafft haben“, erzählt Tom Tykwer. Gedreht wurde in den Studios Babelsberg, in denen ganze Straßenzüge verschiedener Stadtteile Berlins von einst durch Szenenbildner Uli Hanisch wieder zum Leben erweckt wurden.

Es ist fast eine kleine Rebellion der Verantwortlichen entgegen der Sehgewohnheiten ihrer Zuschauer. Doch mit “Babylon Berlin” ließe sich durchaus ein Krieg gewinnen. Die Reihe ist bereits mehrfach preisgekrönt und wurde von vielen Kritikern gelobt. Mit Lars Eidinger, Benno Fürmann oder Hannah Herzsprung, sowie Tom Tykwer in der Regie ist die Serie außerdem mit der Elite des deutschen Films besetzt. 

„Babylon Berlin“ kommt ins Free-TV! Am Sonntagabend um 20.15 Uhr läuft die erste Folge der preisgekrönten Erfolgsserie, die auf Sky im Oktober 2017 zuerst ausgestrahlt wurde. Die Serie gewann gleich in mehreren Kategorien den Deutschen Fernsehpreis 2018 (u.a. „Beste Drama-Serie“ und „Beste Kamera“) sowie die Goldene Kamera, den Grimme-Preis und weitere internationale Auszeichnungen. 

Im Herbst 2017 wurde “Babylon Berlin” bereits auf dem Bezahlsender Sky 1 ausgestrahlt. Jetzt folgt also die Premiere im Ersten und die will natürlich auch von so vielen Menschen wie möglich gesehen werden.

Regisseur Tom Tykwer bestätigte bereits, dass zwei weitere Staffeln in Planung seien. Es könnte sich also lohnen, am Sonntag ausnahmsweise mal offen für eine Veränderung zu sein, auch wenn es schwer fällt. In der Woche danach, am 7. Oktober, läuft dann auch wieder, wie gewohnt, der “Tatort”. Diesmal ermittelt das Team aus Dortmund rund um Peter Faber. 

“Babylon Berlin” (Folge 1 bis 3) läuft am 30. September um 20.15 Uhr in der ARD. Die weiteren Sendetermine sind: Donnerstag, 4.10 um 20.15 Uhr (Folge 4 bis 6) und ab dem 11.10 immer donnerstags um 20.15 Uhr (Doppelfolgen) bis zum 8. November.

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