Fußball: Augsburg jubelt, Hannover hadert - Handelsblatt
Joker Cordova sticht, Schmid trifft ganz frech
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Augsburg landete im Kellerduell gegen Hannover einen wichtigen 3:1-Arbeitssieg. Der FCA hatte an der verdienten frühen Führung der 96er lange zu knabbern, bewies aber mit einem Jokertor sowie einem schlitzohrigem Freistoßtreffer in Durchgang zwei Comeback-Qualitäten. Die Baum-Elf distanziert mit dem Erfolg einen Abstiegskonkurrenten klar.

Augsburgs Coach Manuel Baum tauschte gegenüber dem 0:0 in Leipzig viermal Personal aus: Für Teigl, Jensen und Cordova (alle Bank) sowie Gregoritsch (Erkältung) spielten Hahn (nach Gelbsperre), Ji (nach muskulären Problemen), Finnbogason (nach einmonatiger Verletzungspause wegen Wadenproblemen) sowie Richter.

Die Abwehr blieb die Achillesferse der Hausherren. Hannover erhielt aus seiner kompakten Defensive immer wieder Räume zum Kontern, nur weil diese nicht konsequent ausgespielt wurden, geriet der FCA nicht noch mehr in Bedrängnis. So hätte Jonathas (38.) die 96-Führung ausbauen können. Noch näher war nach dem Seitenwechsel Genki Haraguchi am 2:0 dran. Sein starker Freistoß aus mehr als 20 Metern krachte aber gegen die Latte (52.). “Wenn man unten drin steht, dann hat man halt Pech”, kommentierte Hannovers Keeper Michael Esser die Szene nach der Partie am ARD-Mikrofon.

Hannovers Trainer Thomas Doll brachte im Vergleich zum 2:3 gegen Leverkusen drei Neue: Für Korb, Walace (beide Bank) sowie Schwegler (nicht im Kader) durften Sorg (nach Gelbsperre), Müller und Weydandt ran.

Ohne großes Abtasten ging es in Augsburg schnell hin und her. Nach Sorgs robustem Einsatz im Luftduell mit Richter blieb die Pfeife von Referee Manuel Gräfe still (1.), auf der Gegenseite rettete Danso in höchster Not gegen Jonathas (3.).

An der mangelnden Einstellung lag es diesmal nicht bei Hannover: Gegen in der Defensive fahrige Augsburger zeigte 96 eine Menge Engagement – und wurde dafür zunächst belohnt. Nach einer Augsburger Fehlerkette mit Beteiligung von Torhüter Gregor Kobel und den Innenverteidigern Rani Khedira und Kevin Danso behielt Weydandt die Übersicht. Mit Wucht köpfte er den Ball fast von der Strafraumgrenze ins Tor. Der Plan, die robusten 96-Stürmer Weydandt und Jonathas mit hohen Zuspielen einzusetzen, erwies sich auch in der Folge als gefährlich.

Hannovers spürbare Entschlossenheit gepaart mit einem dicken Patzer Kobels mündete in die Führung: Der Keeper faustete den Ball – regelwidrig vor dem Strafraum – zu kurz weg, Gräfe ließ Vorteil laufen. Khedira rettete gegen Mainas Heber noch per Kopf, doch die nachfolgende Verwirrung nutzte Weydandt im Luftduell mit Danso und köpfte über Kobel hinweg aus 13 Metern zum 1:0 ein (8.).

Die Enttäuschung war den Hannoveranern anzusehen, nach einer lange guten Leistung standen sie am Ende wieder mit leeren Händen da. “Ein extrem bitterer Nachmittag für uns”, sagte Towart Esser am ARD-Mikrofon: “Wir haben schon lange gesagt, dass wir konkurrenzfähig sind. Aber wir müssen das halt auf den Platz bringen.” Nun wartet auf Hannover 96 am kommenden Spieltag gegen Schalke 04 der nächste Abstiegskrimi – diesmal vor heimischem Publikum.

Der nach Struktur suchende FCA lieferte zwar fast die prompte Antwort (Ji, 11.), blieb defensiv aber unsortiert. Wieder Weydandt – Kobel parierte klasse (12.) – sowie Müller (14.) hätten den Vorsprung ausbauen können.

Der FCA dagegen hat die Chance, beim Tabellenletzten Nürnberg den nächsten Big Point zu landen. Vom Klassenerhalt will in Augsburg aber noch niemand sprechen. Trainer Manuel Baum bremste in der Sportschau die Euphorie: “Wer hätte nach Freiburg gedacht, dass wir mit sieben Punkten aus den nächsten drei Spielen herausgehen. Da hätte keiner mit gerechnet. Insofern haben alle schon Pferde kotzen gesehen.”

Nach einer Viertelstunde brachte die Baum-Elf in einer intensiven Partie mehr Ballsicherheit ein. Es fehlte jedoch gegen kompakte 96er bei den Kombinationsversuchen an der Lösung, zudem hatte die Doll-Elf meist die Lufthoheit. Nur in der 21. Minute brannte es lichterloh, letztlich landete Baiers Schuss in Essers Armen, nachdem weder Finnbogason noch Koo und auch nicht Ji zum Abschluss gekommen waren.

Hannover erlebte einen ungewohnten Start in den Nachmittag. Erstmals seit dem 14. Spieltag gingen die Niedersachsen wieder in einem Auswärtsspiel in Führung. Nach einer Augsburger Fehlerkette mit Beteiligung von Torhüter Gregor Kobel und den Innenverteidigern Rani Khedira und Kevin Danso behielt Weydandt die Übersicht. Sein Kopfball fast von der Strafraumgrenze segelte zur Führung ins Tor. Es war das vierte Bundesligator des 23-Jährigen; immer traf er auswärts.

Der klar überlegene, jedoch wenig kreative FCA mühte sich, doch nur Ji hatte vor der Pause noch eine Chance (34.). Gefährlicher waren da die Nadelstiche der sich Ende des ersten Durchgangs etwas befreienden Gäste durch Jonathas, jeweils nach Zusammenspiel mit Weydandt (38., 40.).

War´s das schon für Hannover 96? Im wichtigen Kellerduell mit dem FC Augsburg unterlag der Tabellenvorletzte nach einer 1:0-Führung mit 3:1 (1:0) und verspielte womöglich seine letzte Chance auf den Klassenerhalt. Nach der frühen Führung durch Hendrik Weydandt (8. Minute) schlugen die Gastgeber dank Joker Sergio Cordova (65.) und eines frechen Freistoßes von Jonathan Schmidt (78.) vor 28 136 Zuschauern stark zurück. André Hahn macht alles klar (86.).

96 näherte sich auch nach Wiederanpfiff dem 2:0 an: Ein Lattentreffer Haraguchis per direktem Freistoß eröffnete Durchgang zwei (52.). Bald danach war allerdings auch das 1:1 möglich, Esser parierte gegen Richter (53.) und Danso (55.).

Augsburg war im weiteren Verlauf die aktivere Mannschaft und hatte deutlich mehr Ballbesitz. Doch in vorderster Linie fehlte es dem Team um den nach einem Monat Verletzungspause zurückgekehrten Torjäger Alfred Finnbogason vor der Pause noch an Kreativität und Präzision. Die Gäste setzten aus ihrer kompakten Defensive auf Konter, die sie allerdings nicht konsequent zu Ende spielten. Der Brasilianer Jonathas hätte auf 2:0 erhöhen können (38.).

Baum brachte nach einer Stunde Cordova für den schwachen Finnbogason – sollten die Fuggerstädter nun mehr Wucht entwickeln? Ja, denn der Joker stach! Nach einer in Folge eines Schmid-Freistoßes unnötig verursachten Ecke knallte Hahn aus 14 Metern volley an den rechten Pfosten. Handlungsschnell war Cordova mit dem Kopf zur Stelle und nickte ins rechte Eck ein (65.).

Augsburg vergrößerte den Abstand auf den Tabellenvorletzten Hannover auf komfortable elf Punkte und überholte im Liga-Tableau als neuer 14. sogar den FC Schalke. Bei einem überraschenden Punkt von Schlusslicht 1. FC Nürnberg am Sonntag auswärts gegen Eintracht Frankfurt würden die 96er auf den letzten Tabellenrang zurückfallen.

Augsburg hatte danach Oberwasser, fing die Bälle nun früh ab. Ji schnupperte per Kopf im Tiefflug am 2:1 (75.), das schließlich Schmid erzielte, der Esser mit einem frechen direkten Freistoß aus halblinker Position aus 25 Metern ins kurze Eck das Nachsehen gab (78.).

Nur drei Minuten später wäre dem nach kurzer Verletzung zurückgekehrten Dong-Won Ji beinahe der Ausgleich geglückt. Doch der Doppeltorschütze vom 2:1 gegen Dortmund verfehlte das 96-Tor mit seinem Schuss aus rund elf Metern knapp.

Damit nicht genug: Auch beim dritten Augsburger Tor durch Hahns Schrägschuss sah der Keeper nicht gut aus, der Ball rauschte flach unter seinem Körper zum 3:1-Endstand ins Netz (86.).

Die Chancen von Hannover 96 auf den Klassenerhalt werden immer kleiner. Gegen der FC Augsburg kassierten die Roten eine bittere 1:3-Niederlage – nach 65-minütiger Führung.

Der FC Augsburg gastiert am Samstag (15.30 Uhr), nach der Länderspielpause, in Nürnberg. Hannover empfängt am Sonntag (15.30 Uhr) Schalke.

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