Hunderte Fujitsu-Mitarbeiter demonstrieren gegen Ende ihres Werks
Fujitsu: Mitarbeiter demonstrieren gegen Werksschließung
Auf der Hausmesse Fujitsu Forum wurde das Management aus Japan diesmal von Mitarbeitern empfangen, die gegen die Schließung ihres Werks in Augsburg demonstrierten.

Die IG Metall will die angekündigte Schließung des Augsburger Fujitsu-Computerwerks verhindern. Rund 700 Mitarbeiter demonstrierten am Mittwoch am Rande eines Kundenforums des japanischen Konzerns in München gegen die Schließungspläne. »Bevor eine Schließung verkündet wird, muss über Alternativen nachgedacht werden«, sagte anschließend Roberto Armellini, zweiter Bevollmächtigter der IG Metall in Augsburg.

Strategie mit Löchern – Chef-Sprech auf dem Fujitsu-Forum

Betriebsrat und Gewerkschaft seien bislang von der Unternehmensführung nicht über deren Überlegungen und das betriebswirtschaftliche Kalkül informiert worden. Fujitsu beschäftigt in Augsburg 1800 Menschen. Das Werk soll im Zuge einer konzernweiten Umstrukturierung im September 2020 geschlossen werden.

Der aktuell für Europa, den Nahen Osten, Indien und Afrika verantwortliche Brite Duncan Tait, der sich zukünftig Senior Executive Vice President nennen darf, erklärte in München, die Schließung des Werks in Augsburg sei vor diesem Hintergrund – der Profitmaximierung – zu sehen. Mit Computern made in Germany seien die angestrebten Ziele nicht zu erreichen. Die Werkschefin von Fujitsu in Augsburg, Vera Schneevoigt, ergänzte, dass globale Wettbewerbsverschiebungen den Arbeitsplatzabbau und die Schließung des Augsburger Werks unvermeidlich gemacht hätten.

München: 700 Arbeiter protestieren gegen Schließung des Augsburger Fujitsu- Werks

Auf dem in dieser Woche stattfindenden Fujitsu Forum steht die Neuausrichtung der Strategie im Zuge der digitalen Transformation im Mittelpunkt. Im Hintergrund rumorte es wegen der geplante Schließung des Augsburger Werkes.

Eine derartige Salamitaktik ist von vielen anderen Betrieben bekannt. Der bekannteste darunter ist Opel Bochum. Dort haben IG Metall und Betriebsrat immer wieder Entlassungen und Lohnsenkungen zugestimmt, um angeblich die restlichen Arbeitsplätze zu retten. Ende 2014 lief dann das letzte Auto vom Band und die verbliebene Belegschaft wurde in die Arbeitslosigkeit geschickt. Von den 20.000 Arbeitern, die in den 1980er Jahren bei Opel Bochum gearbeitet hatten, waren zu diesem Zeitpunkt gerade noch 3300 übrig.

Selten werden die inneren Widersprüche der digitalen Transformation so deutlich wie auf dem diesjährigen Fujitsu-Forum, das, wie in den vergangenen Jahren, im Münchner ICM auf dem Messegelände Riem stattfand. Dort treffen sich Kunden und Partner aus ganz Europa. Doch diesmal störten Demonstranten in roten Fujitsu-Mützen das Bild vom harmonischen Miteinander der Firmen-, Kunden- und Partnerfamilie, das bei solchen Veranstaltungen gern vermittelt wird.